… Sean Bauck alias Sean Crispin?
Ein dunkles Zimmer, eine Schreibtischlampe, ein Klavier, ein junger Mann im Profil: Der Feed wirkt clean und mysteriös. Unter dem Namen Sean Crispin hat sich der 22-Jährige aus Braunschweig in den vergangenen eineinhalb Jahren eine Community von über 150.000 Menschen aufgebaut. Wir haben mit ihm über Musik, Social Media, Zweifel und die Kraft leiser Töne gesprochen.
Sean, wer genau ist der Mensch hinter dem dunklen Zimmer, der Schreibtischlampe und dem Klavier?
Hinter Sean Crispin steckt eigentlich ein ganz normaler junger Mann. Ich bin eher ruhig, vielleicht sogar etwas introvertiert, genieße die einfachen Dinge im Leben und verbringe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Musik ist ein großer Teil meines Lebens, aber sie definiert mich nicht komplett. Am Ende bin ich einfach jemand, der seine Gefühle durch Musik ausdrückt.
Wenn dein Sound eine Farbe wäre: Welche wäre es?
Ein sanfter Türkiston. Türkis verbindet für mich Ruhe, Gelassenheit und gleichzeitig Emotionen. Genau dieses Gefühl möchte ich auch mit meiner Musik vermitteln.
Dein Feed wirkt sehr clean und minimalistisch. Wie bewusst ist diese Ästhetik entstanden?
Am Anfang habe ich viel ausprobiert, um meinen eigenen Stil zu finden. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mit meinen Videos vor allem Ruhe vermitteln möchte. Die reduzierte und eher dunkle Ästhetik ist deshalb ganz bewusst entstanden. Sie lenkt nicht von der Musik ab und schafft eine Atmosphäre, in der die Zuschauer für einen Moment abschalten können.
Du hast dir das Klavierspielen selbst beigebracht. Wie fängt man damit an?
Meine musikalische Reise begann schon mit sechs Jahren, als ich meine erste Gitarre von meinen Eltern geschenkt bekam. Ich war viele Jahre in der Musikschule und hatte Unterricht, wodurch ich früh ein Gefühl für Musik entwickeln konnte. Mit 14 bekam ich mein erstes E-Piano. Klavierunterricht habe ich bewusst nicht genommen, weil ich meinen eigenen Stil entwickeln wollte. Angefangen habe ich mit Tutorials auf YouTube, heute spiele ich vieles nach Gehör und komponiere eigene Melodien. Der wichtigste Schritt ist: einfach anfangen und dranbleiben.
Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: Klavier ist für mich mehr als ein Hobby?
Einen einzelnen Moment gab es nicht, es war eher ein schleichender Prozess. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich nach jedem langen Arbeitstag automatisch ans Klavier setze. Es wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens und zu einem Ort, an dem ich meine Gedanken sortieren kann. Als mir dann Menschen geschrieben haben, dass sie meine Musik emotional berührt, wurde mir bewusst, dass das Klavier für mich längst mehr geworden ist.
Du arbeitest tagsüber bei einem hiesigen Automobilhersteller und sitzt nach der Schicht am Klavier. Wie passen diese zwei Welten zusammen?
Man könnte denken, dass da zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Für mich ergänzen sie sich aber perfekt. Ich arbeite täglich unter lauten und körperlich anspruchsvollen Bedingungen. Wenn ich danach nach Hause komme und mich ans Klavier setze, finde ich dort Ruhe und Ausgleich. Die Musik hilft mir, abzuschalten und neue Energie zu tanken.

Was sind für dich die Vor- und Nachteile von Social Media?
Für mich überwiegen ganz klar die Vorteile. Natürlich ist es manchmal anstrengend, neben dem Beruf regelmäßig Videos aufzunehmen, zu schneiden und zu veröffentlichen. Aber ich mache das mit großer Leidenschaft. Der größte Vorteil ist der direkte Kontakt zu Menschen aus aller Welt. Ohne Social Media hätte ich niemals die Möglichkeit gehabt, meine Musik mit so vielen Menschen zu teilen und wertvolles Feedback zu bekommen.
Wie entsteht bei dir ein eigener Song?
Das kann Wochen oder sogar Monate dauern. Meistens beginnt alles mit einer kleinen Melodie oder einer Emotion, die ich musikalisch ausdrücken möchte. Danach probiere ich aus, verwerfe Ideen und entwickle sie weiter. Oft entstehen die besten Momente spontan. Einen Song zu schreiben, bedeutet für mich, einer Idee die Zeit zu geben, die sie braucht.
Was ist schwieriger: ein Video zu posten, ein eigenes Stück zu veröffentlichen oder live vor Menschen zu spielen?
Ein Video zu posten ist mittlerweile der einfachste Teil: Nach über 400 veröffentlichten Videos kommt eine gewisse Routine. Live zu spielen ist immer mit Aufregung verbunden, aber auch mit großer Freude. Am schwierigsten ist für mich tatsächlich das Komponieren und Veröffentlichen eigener Musik. Ich setze mich dabei oft selbst unter Druck, weil ich immer das Gefühl habe, dass der nächste Song noch besser sein soll als der vorherige.
Was sind deine nächsten Steps – worauf dürfen wir uns freuen?
Ich möchte künftig noch häufiger auf Bühnen stehen und meine Musik live mit Menschen teilen. Außerdem arbeite ich kontinuierlich an neuen eigenen Songs, die ich veröffentlichen möchte. Mein Ziel ist es, mich musikalisch weiterzuentwickeln und noch mehr Menschen mit meiner Musik zu erreichen.
Und was ist deine nackte Wahrheit?
Meine nackte Wahrheit ist, dass ich oft viel mehr an mir zweifle, als Menschen vielleicht vermuten würden. Nach außen wirkt vieles selbstverständlich, aber hinter jedem Video, jedem Auftritt und jedem Song stecken Gedanken, Unsicherheiten und harte Arbeit. Trotzdem habe ich gelernt, dass man nicht perfekt sein muss, um seinen Weg zu gehen: Man muss nur den Mut haben, immer wieder den nächsten Schritt zu machen.
Foto Sean Crispin




























