Braunschweig macht sich stark für Freiheit, Vielfalt und Mitbestimmung – und lädt vom 5. bis 12. September zur Woche der Demokratie ein.
„Ich bin schwul.“ „Ich finde die Regierung grottenschlecht.“ „Ich gründe eine eigene Partei.“ „Ich wähle jemand anderen.“ „Ich ziehe an, was ich will.“
Sätze wie diese sind für die meisten Menschen in Deutschland nichts Besonderes. Sie gehören zum Alltag. Zur Freiheit. Zur Demokratie.
Doch ein Blick in andere Teile der Welt zeigt: Was hier selbstverständlich erscheint, kann anderswo Gefängnis bedeuten. Oder Schlimmeres. Demokratie ist keine Naturgewalt, die einfach da ist. Sie lebt davon, dass Menschen sie nutzen, verteidigen und gestalten.
Genau darum geht es bei der Braunschweiger Woche der Demokratie vom 5. bis 12. September. Unter dem Motto „Zeit für Demokratie – gegen Hass und Hetze“ möchte die Initiative „buntstadt“ gemeinsam mit zahlreichen Partnern zeigen, wofür die große Mehrheit der Braunschweigerinnen und Braunschweiger steht: Freiheit, Mitbestimmung, Vielfalt und gegenseitigen Respekt.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit
Wer heute unter 80 Jahre alt ist, kennt Deutschland fast ausschließlich als demokratischen Staat. Wir sind es gewohnt, unsere Meinung zu sagen, Parteien zu gründen, Vereine aufzubauen oder für unsere Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Wir diskutieren, streiten, wählen und kritisieren.
Nicht immer läuft alles perfekt. Natürlich gibt es Frust, Ärger und politische Entscheidungen, die nicht jedem gefallen. Doch genau das ist Teil einer lebendigen Demokratie: die Möglichkeit, sich einzumischen.
Dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist, daran erinnert jedes Jahr der Internationale Tag der Demokratie, den die Vereinten Nationen 2007 ins Leben gerufen haben. Die Botschaft dahinter ist einfach: Demokratie lebt nicht von Gesetzen und Institutionen allein. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, miteinander reden und sich engagieren.
Politik beginnt vor der Haustür
Dass Demokratie weit mehr ist als Bundestagswahlen oder große politische Debatten, zeigt ein Blick auf die Kommunalpolitik. Denn am 15. September stehen in Niedersachsen die Kommunalwahlen an.
Viele Entscheidungen, die unser tägliches Leben prägen, werden direkt vor Ort getroffen. Ob Straßen saniert werden, Radwege entstehen, Busse zuverlässig fahren oder neue Wohngebiete geplant werden – all das entscheidet die Kommune. Gleiches gilt für Kitas, Schulen, Sportanlagen, Kulturangebote, Grünflächen oder die Entwicklung der Innenstädte.
Von einem Aktionstag zur ganzen Woche
Im vergangenen Jahr fand in Braunschweig erstmals ein Tag der Demokratie statt. 28 Institutionen beteiligten sich. Die Resonanz war so positiv, dass daraus nun eine ganze Woche geworden ist.
Vom 5. bis 12. September sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Das Spektrum reicht von Diskussionen und Vorträgen über Theateraufführungen bis hin zu kulturellen und kreativen Angeboten. Themen wie Desinformation im Netz, Fake News, Künstliche Intelligenz und die Gefährdung demokratischer Strukturen werden ebenso behandelt wie Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Dabei geht es nicht nur um politische Bildung, sondern vor allem um Begegnung. Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen – unabhängig von Alter, Herkunft oder politischer Meinung.
Demokratie lebt vom Mitmachen
Wie wichtig persönliches Engagement ist, zeigen Menschen wie Torsten und Petra Wellendorf aus Melverode. Dort engagieren sie sich seit Jahren ehrenamtlich in ihrem Stadtteil. Bereits 2016 hatten sich Anwohnerinnen und Anwohner rund um die neu entstandene Flüchtlingsunterkunft zusammengeschlossen, um aktiv zu helfen und Begegnungen zu schaffen.
Für Torsten Wellendorf ist klar: „Überall wird über den demografischen Wandel gesprochen und darüber, dass junge Menschen fehlen. Allein hier bei uns gibt es rund 20 Kinder. Das ist doch unsere Zukunft.“
Jetzt sind Ideen gefragt
Noch bis Mitte August können sich Einzelpersonen, Vereine, Initiativen, Schulen, Unternehmen oder Nachbarschaftsgruppen an der Woche der Demokratie beteiligen.
„Theater oder Musik, Diskussionen oder Sport, Spiele oder Tanz – alles ist denkbar“, sagt Mitorganisator Hansi Volkmann. Entscheidend sei nicht die Form, sondern der Austausch. Die Veranstaltungen sollen Menschen zusammenbringen und Räume schaffen, in denen miteinander statt übereinander gesprochen wird.
Besonders wichtig ist den Organisatoren dabei auch der Dialog mit Menschen, die unzufrieden oder verunsichert sind.
„Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Volkmann. „Gerade auch mit denen, die sich abgehängt fühlen oder aus Frust heraus darüber nachdenken, extremistische Parteien zu wählen. Wir möchten zeigen, dass Demokratie Lösungen bietet – und dass Ausgrenzung keine Antwort ist.“
Eine Einladung an die ganze Stadt
Die Woche der Demokratie versteht sich nicht als Veranstaltung für politische Insider. Sie richtet sich an alle, die in Braunschweig leben. An Menschen, die sich engagieren möchten. An Neugierige. An Kritiker. An Optimisten. Und auch an diejenigen, die sich vielleicht bislang wenig mit Politik beschäftigt haben.
Denn Demokratie beginnt nicht erst im Wahllokal. Sie beginnt dort, wo Menschen miteinander sprechen, zuhören und Verantwortung füreinander übernehmen.
Oder anders gesagt: Demokratie ist nichts, was irgendwo in Berlin passiert. Sie passiert jeden Tag – mitten in Braunschweig.




























