Folge 5 | Außergewöhnliche Hobbys einmal vorgestellt
In unserer Reihe „Außergewöhnliche Hobbys einmal vorgestellt“ stellen wir etwas unbekanntere Sportarten und Freizeitaktivitäten vor, die noch nicht im Mainstream angekommen sind. Fußball, Handball oder Reiten gibt es hier also nicht. Stattdessen geht es um Hobbys, die vielleicht noch nicht jede und jeder kennt, aber definitiv mehr Aufmerksamkeit verdienen. In unserer fünften Folge dreht sich alles um: Segelfliegen.
Wie funktioniert Segelfliegen?
Es geht hoch hinaus, und das alles ohne einen Motor. Beim Segelfliegen dreht sich alles um Physik. Durch Thermik können die Flugzeuge in der Luft bleiben: Aufgewärmte Luft löst sich vom Boden und steigt nach oben. Gut erkennbar sind dabei Quellwolken, die sich über diesen warmen Gebieten bilden. Mit dem Segelflugzeug muss man sich innerhalb der aufsteigenden Luft aufhalten und kann sich so von Wolke zu Wolke bewegen. Zwischen den Thermikgebieten gleitet das Segelflugzeug ab, und in kreisenden Bewegungen steigt es im nächsten Thermikgebiet wieder auf.
Aber nicht nur die Thermik sorgt fürs Fliegen, auch der Auftrieb durch die Tragflächen ist entscheidend. Durch ihre gewölbte Form strömt die Luft oberhalb der Tragfläche schneller als unterhalb. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der das Flugzeug nach oben zieht – genau dieses Prinzip sorgt dafür, dass ein Segelflugzeug überhaupt in der Luft bleiben kann.
Bei gutem Wetter fliegen Segelflugzeuge auf einer Höhe zwischen 1.600 und 2.000 Metern über dem Boden und können dabei Strecken von hunderten Kilometern zurücklegen.
Segelfliegen beim Akaflieg Braunschweig
Hierbei handelt es sich um einen studentischen Verein der TU Braunschweig. Getroffen wird sich immer am Wochenende. Morgens wird direkt besprochen, wie der Tag abläuft und wer welche Aufgaben übernimmt. Nachdem die Flugzeuge auf den Flugplatz gezogen und kontrolliert wurden, kann es auch schon fast losgehen. Am Ende des Flugplatzes wird eine Startwinde aufgestellt, mit der die Flugzeuge quasi wie ein Drachen in die Luft gezogen werden. Dann geht es los und die Piloten fliegen ihre vorher geplante Route. Am Ende des Tages gibt es nochmal ein Abschlussgespräch, bevor alles aufgeräumt und zurück in die Halle gebracht wird.
Wie fängt man an?
Wenn jemand zum ersten Mal auf dem Flugplatz ist, bekommt er oder sie einen Paten an die Seite. Bei ihm kann man den Tag über mitlaufen und alle Fragen stellen.
Eines ist klar: Segelfliegen ist als Hobby nur sicher, wenn wichtige Regeln eingehalten werden und alle Beteiligten wissen, was sie tun. Wer selbst mit dem Fliegen anfangen möchte, ist zunächst Flugschüler. Das bedeutet, man fliegt viele Flüge mit einem doppelsitzigen Flugzeug und einem Fluglehrer, der vom hinteren Sitz aus steuern und bei Fehlern eingreifen kann. Später fliegt man auch alleine, unter der Aufsicht eines am Boden stehenden Fluglehrers.
In der Luft
Segelfliegen ist eine einzigartige Erfahrung. Viele sind bei ihrem ersten Flug sehr begeistert, berichten die Vereinsmitglieder. Natürlich kann der erste Flug auch mal auf den Magen schlagen. Die Pilotinnen und Piloten nehmen aber immer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gäste, und wenn es unangenehm wird, geht es so schnell wie möglich zurück auf den Boden.
Auffällig ist, wie leise es im Cockpit des Segelflugzeugs ist. Man benötigt kein Headset und kann sich in normaler Lautstärke unterhalten. Beim Fliegen sieht man die Welt von oben und spürt viel von den Bewegungen der Luft um das Flugzeug herum. Natürlich sieht man viel von der Landschaft, aber wer weite Strecken zurücklegt, entwickelt auch schnell einen sportlichen Ehrgeiz.
Jeder Flug bleibt etwas Besonderes. Der erste Alleinflug zählt bei fast allen Pilotinnen und Piloten zu den persönlichen Highlights. Aber auch ein Flug in der Abendsonne oder mit einem neuen Flugzeugtyp ist immer aufregend.
Teuer? Nicht unbedingt
Dass es sich beim Segelfliegen um ein teures Hobby handelt, ist ein klassisches Vorurteil. Da die Flugzeuge keinen Motor haben, sind sie recht günstig zu betreiben. Außerdem braucht man zum Fliegen kein eigenes Flugzeug, sondern kann im Verein fliegen oder eines mieten.
Für die Mitglieder von Akaflieg Braunschweig ist klar: Wichtiger als ein volles Portemonnaie sind Neugierde, die Bereitschaft, Neues zu lernen, und die Einbringung in den Vereinsbetrieb. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist Segelfliegen auf jeden Fall ein Teamsport, der nur funktioniert, wenn alle mitmachen und mit viel Enthusiasmus dabei sind.
Besondere Vereinsgeschichte
Den Verein Akaflieg Braunschweig gibt es schon seit 1922. Seit der Gründung beschäftigt er sich intensiv mit Luftfahrtforschung und hat bereits eine Reihe von Prototyp-Segelflugzeugen selbst ausgelegt, konstruiert und gebaut. Da der Verein zur Technischen Universität gehört, sollte man, wenn man mitmachen möchte, entweder studieren oder Azubi sein – so will es das Konzept der „Akademischen Fliegergruppe“. Der Studiengang beziehungsweise die Art der Ausbildung sind dabei egal. Viele Studierende kommen aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik, aber zum Beispiel auch aus dem Lehramt.
Jede und jeder kann in alle Bereiche reinschnuppern. Und egal ob man am Ende fliegt oder nicht: Es erwartet einen auf jeden Fall ein Tag an der frischen Luft, mit gutem Wetter und vielen spannenden Einblicken in Sport und Technik.
Wer mehr über den Verein erfahren möchte, findet alle Infos online unter akaflieg-braunschweig.de oder auf Instagram unter @akaflieg_braunschweig.



























