Lübecker Künstler zeigt Werke in Braunschweigs Kemenaten
Vor vielen Jahren stand Raimund Pallusseck vor der Entscheidung zwischen seinen beiden großen Leidenschaften: der Schifffahrt und der Kunst. Er entschied sich für die Kunst und blieb dem Meer dennoch verbunden. In seinem Atelier in Lübeck entstehen seitdem expressionistische Werke und künstlerische Druckgraphiken, oft begleitet von der Musik Johann Sebastian Bachs. Im Juni kam seine Kunst nach Braunschweig: Die Ausstellung „Die Offenbarung des Johannes“ wurde mit mehr als 100 Besucher:innen bei Live-Musik und Gesprächen in der Jakob-Kemenate eröffnet. Bis Ende Juli sind Pallussecks großformatige Arbeiten dort zu sehen. Parallel werden in der Kemenate Hagenbrücke Werke des Lübecker Künstlers aus der Ausstellung „Oben wird die Nacht genau“ gezeigt, die Kunst und Poesie von Rainer Maria Rilke vereinen.
Geborgenheit auf tosender See
Auch wenn die Johannes-Offenbarung das zentrale Thema der Ausstellung bildet, lassen sich in vielen Arbeiten Spuren von Pallussecks lebenslanger Auseinandersetzung mit dem Meer erkennen. Die Dynamik der Farbflächen und die Spannung zwischen Bedrohung und Hoffnung erinnern an die Naturgewalten, die den Künstler bereits während seiner Zeit auf See geprägt haben. Die Kraft des Meeres erlebte er während seiner Zeit auf See unmittelbar, als er Stürmen und sogar einem Orkan ausgesetzt war. „Dann wurden alle sehr ruhig im Schiff; schweigende Männer, nur das große Donnern, wenn die schwere Faust eines Kaventsmanns gegen die Bordwand des kleinen Frachters schlug, unterbrach die Stille. Das Drunter und Drüber, Wasser in den Gängen. Man lernt Ehrfurcht und Demut vor den Mächten“, beschreibt er in einem Interview auf seiner Website. Trotz dieser Erfahrungen sei ein Schiff für ihn auch immer ein Ort der Geborgenheit geblieben.
Klang und Malerei
Auch Musik spielt für Pallusseck eine zentrale Rolle. Sie begleitet seinen Arbeitstag, den er häufig mit den Klängen Johann Sebastian Bachs beginnt. In seinen Werken geht es ihm um die „Auseinandersetzung, Musikalität und Materialisierung der Fläche“. Die Hinwendung zur abstrakten Bildsprache wurde für ihn zur Antwort auf seiner Suche.


Ausdruck und Deutung
„Die Offenbarung des Johannes“, das letzte Buch des Neuen Testaments, ist bekannt für seine visionären Bilder und symbolischen Darstellungen. Raimund Pallusseck näherte sich dem Thema erstmals 2019 und brachte großformatigen Arbeiten mit Ölfarbe, Kohle und Graphit auf Steinpapier. In der aktuellen Ausstellung übersetzt er die apokalyptischen Visionen der Johannes-Offenbarung in eine zeitgenössische Bildsprache. Kraftvolle Kontraste, dynamische Farbflächen und gestische Malerei verorten die Arbeiten in der Tradition des Expressionismus. Es entstehen Werke von intensiver, fast körperlicher Präsenz. Kunstsammler Karl-Heinz Kern beschreibt diesen Eindruck mit dem Bild „als wäre ein Bildhauer am Werk gewesen“, obwohl Pallusseck statt mit Hammer und Meißel ausschließlich mit Farbe und Pinsel am Werk war.
Eine fertige Interpretation seiner Arbeiten liefert der Künstler nicht. Vielmehr versteht er seine Kunst als Einladung zum Dialog mit den Betrachtenden und lässt Raum für eigene Assoziationen und Deutungen. Zwischen kraftvollen Farben, biblischen Motiven und den Spuren des Meeres eröffnen sich dabei immer wieder ganz persönliche Zugänge zur Kunst.
Fotos Lina Tauscher




























