Filmfest — Klappe, die Erste!

Termin
37. Braunschweig International Film Festival: 6. bis 12. November
6. November 2023 – 19 Uhr: „Die rote Schildkröte“ | VW Halle (BS)
filmfest-braunschweig.de
Tickets: filmfest-braunschweig.reservix.de

 

Das 37. Braunschweig International Film Festival startet am 6. November mit einer Weltpremiere. Karten sind ab sofort im Vorverkauf erhältlich.

Ein Filmkonzert eröffnet traditionell das Braunschweig Film Festival (BIFF), so auch in diesem Jahr. Auserwählt ist der Animationsfilm „Die rote Schildkröte“, eine französisch-japanisch-belgische Koproduktion, die zum ersten Mal überhaupt mit der originalen Filmmusik gezeigt wird. Während der Film also über die Leinwand flimmert, spielt das Staatsorchester Braunschweig, unter dem Dirigat von Burkhardt Götze, der bereits das Eröffnungskonzert des BIFF 2021 („Der Golem, wie er in die Welt kam“) leitete, dazu live die Musik. Und noch eine Besonderheit steht in diesem Jahr an: Da die Kinosäle der Stadt mit einer großen Orchesterproduktion räumlich an ihre Grenzen stoßen, zieht das Eröffnungskonzert in die VW Halle Braunschweig.

 

Ganz ohne gesprochene Dialoge kommt „Die rote Schildkröte“ des niederländischen Regisseurs Michael Dudok de Wit aus, lediglich Geräusche, wie Schritte oder Ächzen sind zu hören. Keine Sprache, keine Untertitel – die Geschichte ist damit barrierefrei zu verfolgen.
Wie in seinen Filmen üblich, bedient sich Dudok de Wit der Zeichentricktechnik. Aufwendige Computeranimationen kommen nicht zum Einsatz. Daher spielt die Musik eine tragende Rolle, denn sie vermittelt die Emotionen – die perfekte Ausgangssituation für ein Filmkonzert. Die Filmmusik stammt aus der Feder des französischen Filmkomponisten Laurent Perez del Mar. Er wird in Braunschweig im Publikum sitzend seinen Kompositionen lauschen.
Auf Gesang verzichtet die Geschichte ebenfalls — zumindest fast. In den Stücken gibt es Vokalise-Passagen; statt Worte hören wir von der Sopranistin Julia Wischniewski Töne und Vokale. Am 6. November performt auch sie live. Das Eröffnungskonzert wird in Kooperation mit dem Staatsorchester Braunschweig präsentiert und von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz gefördert.
„Die rote Schildkröte“ handelt von einem Schiffbrüchigen, der auf einer Insel strandet, auf der nur Tiere leben. Er baut sich ein Floß, um von der Insel zu verschwinden. Im Meer hindert ihn jedoch mehrfach eine große rote Schildkröte an dem Plan, indem sie das Floß zerstört. Als der Mann schließlich am Strand auf die rote Schildkröte trifft, nimmt er Rache, doch das Tier stirbt nicht, sondern entpuppt sich als ein magisches Wesen… Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten, das Filmfest liefert die Auflösung.
Die Geschichte beleuchtet das Verhältnis des Menschen zur Natur, hat einen ernsten, sehr aktuellen Kern. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht, bei der Vorstellung sind also auch Kinder gerne gesehen.
Bei den Filmfestspielen in Cannes feierte der Film 2016 seine Premiere. Ein Jahr später war er für den Oscar als bester animierter Spielfilm nominiert. Auch Perez del Mar ist aufgezeichnet worden für seine Kompositionen, mit dem Preis für die beste Musik beim Film- und Filmmusikfestival in La Baule. Klassische, harmonische Töne – mal dramatisch, mal zart – rahmen die Handlung ein und sorgen live sicherlich noch einmal mehr für Gänsehaut.


Mit dem Eröffnungskonzert gibt das Filmfest schon die Richtung vor, die es mit einer der diesjährigen Filmreihen einschlägt: „Das Spotlight liegt auf Animationsfilmen“, erklärt die Programmleiterin des Festivals, Karina Gauerhof. Der erste Gedanke geht da wahrscheinlich zu Pixar-Werken mit sprechenden Fischen, Autos oder lebendigem Spielzeug, Geschichten mit einer Botschaft, aber eben für Kinder. Doch die animierte Welt ist viel größer. Auf dem Filmfestival sehen Besucher:innen Animations-Langfilme der letzten acht Jahre, die eher für ein erwachsenes Publikum produziert wurden. Der Inhalt ist deutlich härter, beschäftigt sich zum Teil mit Krieg und Trauma, aber auch die Fantasie findet noch immer ihren Platz. Wir bekommen ganz bestimmt den einen oder anderen Geheimtipp serviert.
Das Braunschweig International Film Festival ist eines der ältesten und publikumsstärksten Filmfestivals in Norddeutschland und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Nachwuchstalente zu unterstützen. Im Verein hinter dem Festival sind rund 40 Ehrenamtliche mit unterschiedlichem beruflichem Background tätig, die unter anderem Filme sichten und das Programm kuratieren. Sie alle verbindet die Liebe zum Film. Zusammen mit dem Duft von Popcorn strömt diese Liebe im November durch Braunschweig.

Foto LEONINE STUDIOS

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Laura Schlottke

Geschrieben von Laura Schlottke

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