Manchmal geht es im Leben nicht darum, was wir tun, sondern wen wir an unserer Seite haben. Die Menschen, mit denen wir unsere Zeit verbringen, beeinflussen unser Denken, Handeln und unsere Gefühle. Wir wachsen in einer Familie auf, die wir uns nicht aussuchen können. In Bekanntschaften, Freundschaften und romantischen Beziehungen haben wir die Möglichkeit, zu wählen. Diese Wahl kann alles verändern – positiv wie negativ. Wir entscheiden selbst, wen wir nah an uns heranlassen.
Freundschaften, Liebe, Familie oder auch Menschen aus unserem Arbeitsalltag prägen uns und können uns Stabilität und Halt geben. Genauso können sie uns auslaugen und runterziehen und trotzdem halten wir manchmal zu lange an den Menschen fest, die nicht gut für uns sind.
Halt im Chaos
Wen rufst du als erstes an, wenn du ein Problem hast? Wem schreibst du, wenn du glücklich bist? Wer ist für dich da, wenn du traurig bist und fast noch wichtiger: Wer freut sich ehrlich mit dir, wenn es dir gut geht?
Die richtigen Menschen hören zu, ohne zu bewerten, und sind trotzdem ehrlich, wenn sie anderer Meinung sind. Sie glauben an dich, wenn du voller Zweifel bist. Ohne diese Menschen hätte ich vermutlich viele Dinge niemals getan: keinen einzigen Artikel veröffentlicht, mir keine Selbstständigkeit zugetraut und noch so viel mehr. Manchmal braucht es nur diesen kleinen Schubser von außen und die Gewissheit, dass, egal wie es ausgeht, alles okay ist.
Echte Verbindungen hängen nicht davon ab, wie oft man sich sieht, sondern davon, wie leicht sie sich anfühlen. Kein Performen, kein vorsichtiges Abwägen und keine Version, die erst angepasst werden muss. Bei Drinks an der Theke oder im Pyjama auf der Couch wird alles auf den Tisch gelegt: Geschichten, Zweifel, Gedanken, die man sonst lieber für sich behält. Wer hat was getan? War ich unfair oder zu sensibel? Oder rede ich gerade etwas klein, das eigentlich seine Berechtigung hat?
Unsere engsten Vertrauten sagen die Wahrheit, auch wenn sie nicht bequem ist. Sie halten zu dir, aber sie machen dich auch darauf aufmerksam, wenn du etwas übersehen hast oder unfair warst – was viel wertvoller ist als gespielte Zustimmung. Sie hören sich hundertmal die gleiche Geschichte an und hören trotzdem auch beim nächsten Mal noch zu. Obwohl sie alle deine schlimmen Seiten kennen und deine katastrophalsten Momente geteilt haben, sind sie noch da. Der große Unterschied ist: die richtigen Menschen geben dir Halt. Die falschen geben dir das Gefühl, ständig einen zu brauchen. Dabei bringen sie selbst alles durcheinander, denn Chaos entsteht selten einfach so. Es hat oft Namen, Gesichter und wiederkehrende Muster: Unzuverlässigkeit, kleine Spitzen, dieses unterschwellige Gefühl, nicht ganz zu genügen. Mit der Zeit beginnen wir, uns selbst durch diese Brille zu sehen. Wir passen uns an, machen uns kleiner und werden leiser. Bis du dich fragst, wann genau du angefangen hast, dich in Beziehungen mehr anzupassen als du selbst zu sein. Zu wissen, wer uns nicht guttut, ist selten das Problem – zu gehen schon.
Wir haben immer eine Wahl
Manchmal denken wir, wir hätten keine Wahl: Im Alltagstrott der Arbeit, in einer festgefahrenen Beziehung, in langjährigen Freundschaften, die uns noch nie viel gegeben haben oder mit Familienmitgliedern, die einfach immer da waren. Weil es so ist und schon immer so war. Dabei können wir uns immer neu entscheiden, uns mit Menschen zu umgeben, bei denen wir uns wohlfühlen und wir selbst sein können.
Nicht alle Beziehungen – ob mit Freund:innen, Kolleg:innen oder in der Familie oder in der Liebe – sind dafür gemacht, für immer zu halten. Menschen entwickeln sich weiter oder bleiben stehen, was sie gleichermaßen voneinander wegtreibt. Manche Menschen sind für eine bestimmte Lebensphase an unserer Seite genau die richtigen und wir dürfen sie loslassen, wenn sie nicht mehr zu uns passen. Vielleicht heißt das, uns zu verabschieden und allein zu sein, um von vorne anzufangen. Aber ist es nicht immer noch besser, allein zu sein, als von Menschen umgeben, die uns allein fühlen lassen.
So hat es Emilia Schüle in der Rolle der Julie im Film Wunderschöner (2025) gesagt, nachdem sie für etwas eingestanden ist, was ihr wichtig war:
„Ich war heute ein Tiger. Ich glaube, ich gehe lieber wohin, wo ich eine Katze sein kann.“
Der Alltag sollte kein ständiger Kampf sein, weder bei der Arbeit, noch am Familientisch und schon gar nicht in den eigenen vier Wänden. Wir brauchen Verbündete an unserer Seite, bei denen wir eine Katze sein können. Und das ist am Ende die entscheidende Frage: Mit wem in deinem Leben musst du kämpfen und bei wem darfst du einfach nur sein?
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