Der eine Tag beginnt mit Frühstück ans Bett, selbstgemalten Karten und der stillen Erwartung, dass heute alles ein bisschen liebevoller ist als sonst. Der andere startet mit Bierkästen, Bollerwagen und der Frage: Wer ist eigentlich dabei? Zwei Tage, die auf den ersten Blick dasselbe feiern – und auf den zweiten kaum unterschiedlicher sein könnten.
Während der Muttertag für Nähe, Familie und Dankbarkeit steht, wirkt der Vatertag oft wie ein kollektiver Ausbruch aus genau diesem System. Und irgendwo dazwischen stellt sich eine Frage, die erstaunlich selten gestellt wird: Warum feiern wir Eltern so unterschiedlich?
Ein Tag für Nähe …
Der Muttertag, wie wir ihn heute kennen, geht auf die US-Amerikanerin Anna Jarvis zurück. Ihre Idee war es, Müttern Anerkennung zu schenken – fernab von Konsum und Pflichtgefühl. Eine Intention, die sich im Laufe der Jahre gewandelt hat. In Deutschland fällt der Muttertag traditionell auf einen Sonntag im Mai, ist kein gesetzlicher Feiertag und spielt sich vor allem im Privaten ab: innerhalb der Familie, zwischen Blumensträußen, kleinen Gesten und Tagesausflügen.
Es ist ein Tag, der Nähe schaffen soll und sie gleichzeitig voraussetzt. Denn so liebevoll die Aufmerksamkeit auch ist, sie bleibt eingebettet in den Alltag. Kinder wollen beschäftigt werden, der Haushalt verschwindet nicht, und oft liegt zwischen Frühstück im Bett und Abendessen kein wirklicher Abstand zur gewohnten Rolle – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
… und ein Tag für Abstand
Ganz anders ist der Vatertag. In Deutschland fällt er auf Christi Himmelfahrt und ist damit ein offizieller, kirchlicher Feiertag. Ursprünglich religiös geprägt, entwickelte sich daraus über die Jahre der sogenannte „Herrentag“: Männer, die gemeinsam losziehen, wandern, Rad fahren, mit dem Bollerwagen unterwegs sind oder das lange Wochenende für einen Kurztrip nutzen. Heute steht dieser Tag vielerorts für genau das – für Auszeit, Gemeinschaft und nicht selten auch für Alkohol.
Auffällig dabei: Der Vatertag findet häufig ohne Familie statt. Statt gemeinsamer Zeit mit Kindern steht das Unterwegssein mit Freunden im Fokus. Es ist ein Tag, der Freiheit verspricht und sie sich einfach nimmt.
Zwei Bilder von Elternschaft
Und genau hier liegt der eigentliche Unterschied: Während der Muttertag die Rolle der Mutter innerhalb der Familie betont, erlaubt der Vatertag vielen Männern, diese Rolle für einen Moment zu verlassen. Nähe auf der einen Seite, Distanz auf der anderen. Vielleicht zeigt sich an diesen beiden Tagen weniger, wie wir Eltern feiern, sondern vielmehr, wie wir sie sehen? Die Mutter als Herz der Familie, immer mittendrin. Der Vater als jemand, der sich auch mal rausziehen darf.
Und heute?
Die Frage ist nur: Passt dieses Bild noch in eine Zeit, in der sich Rollen längst verändern? Oder sind Muttertag und Vatertag genau deshalb so, wie sie sind – weil sie alte Vorstellungen widerspiegeln, die wir noch nicht ganz losgelassen haben? Oder werden hier lediglich Klischees bedient, die längst hinfällig sind? Am Ende bleiben zwei Tage mit zwei verschiedenen Arten, sie zu „feiern“.
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