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Vorsicht, Frühlingsgefühle

Nicht alles, was glänzt, ist ein Date

Ist der Winter die Zeit der Gemütlichkeit, des Rückzugs und langer Abende auf der Couch, sieht die Welt im Frühjahr plötzlich anders aus: Kaum zeigt sich die Sonne, wird nicht nur die Luft milder, auch die Herzen erwärmen sich schneller für den einen oder anderen Frühlingsflirt. Studien zeigen sogar, dass Flirtversuche im Sommer öfter mit einer neuen Nummer im Handy enden als bei schlechtem Wetter. Sonnenlicht schenkt uns einen Selbstbewusstsein-Boost und wir sind offener für neue Begegnungen.
Aber Vorsicht: Der Glanz des Frühlings lässt Dinge manchmal schöner erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Viele Möglichkeiten, wenig Perspektive
Trotz scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten, ist es heute gar nicht mehr so leicht, auf echte (geschweige denn gute) Dates zu gehen. Eine beliebte und scheinbar einfache Option suggeriert die Anmeldung auf einer der diversen Dating-Apps, auf denen Kontakte mit wenig persönlichen Hürden verbunden sind. Einfach anmelden, anschauen, matchen – aber heißen Matches heutzutage auch gleichzeitig Treffen?
Die Zahlen sind ernüchternd: Nur ein Bruchteil von zwei bis fünf Prozent der Matches auf den meisten Apps führen zu echten Begegnungen, denn die Motive der User:innen sind unterschiedlich. Für manche ist das Schreiben reiner Zeitvertreib, der nie in realen Treffen enden sollte, aber für einen Ego-Boost reicht. Ein Teil der Nutzer:innen sind sogar in einer Beziehung und wollten einfach nur ihren Marktwert testen, Neugier stillen oder Langeweile füllen. Kommt es doch zu einem Treffen, dauert dies im Durchschnitt drei bis vier Wochen.
Die Gespräche werden häufig als generisch und wenig unterhaltsam beschrieben. Die Apps sind außerdem darauf ausgelegt, die Nutzenden lange zu beschäftigen, aber sie nicht unbedingt schnell an ihr Ziel zu führen. Kein Wunder, dass sich Begriffe wie „Dating-Fatigue“ eingeschlichen haben: Eine Müdigkeit, die aus zu viel Auswahl, oberflächlichen Kontakten, gemischten Signalen und austauschbaren Chats resultiert.
Ein kleiner Trost bleibt: Bei manchen Menschen ist es vielleicht gar kein Verlust, wenn man ihnen nie persönlich begegnet.

Dating-Typen ohne Zukunft
Manche erkennen wir auf den ersten Blick, andere machen es etwas schwerer, hinter die Fassade zu schauen. Alle haben eins gemeinsam: Sie sind keine gute Partie, da ihr Schauspiel früher oder später auffliegt. Die folgenden Beispiele basieren auf einseitigen Erfahrungen mit männlichen Dating-Typen, viele dieser Muster lassen sich jedoch auch unabhängig vom Geschlecht beobachten.

Der Pseudo-Tiefgründige
In seiner Bio fordert er „Stil und Intellekt“. Er zitiert gern, liest angeblich viel und gibt sich als jemand, der mehr sieht als andere. Seine Fragen wirken tief, er spricht von echten Verbindungen und davon, wie schwer es sei, in dieser oberflächlichen Welt verstanden zu werden. Dabei verhält er sich wie jemand, der hinter die Fassade schauen möchte, um andere wirklich kennenzulernen. Nachdem er dieses Bild kreiert hat, ist sein Gegenüber an der Reihe, sich anzustrengen und zu beweisen, die Aufmerksamkeit eines solchen Übermenschen wert zu sein. Und das ist alles, wozu das Spektakel dienen soll, denn hinter der Fassade steckt oft weniger Tiefe als Ego. Seine vermeintliche Andersartigkeit dient vor allem dazu, sich subtil über andere zu stellen und sich die Aufmerksamkeit zahlreicher Kontakte zu sichern.


Der ruhige Bescheidene
Nach außen wirkt er zurückhaltend, höflich und angenehm unauffällig. Er ist erfolgreich, aber gesteht es nicht ein. Er hat alles erreicht, wovon er geträumt hat, aber ist nicht stolz auf sich. Klingt erstmal nicht verwerflich, sondern nach tugendhafter Bescheidenheit. In der Praxis heißt es aber vor allem: Wenn nichts je genug ist – weder die eigene Leistung noch andere Menschen – entsteht ein ständiges Gefühl von Mangel. Und das bleibt selten ohne Auswirkungen auf das Gegenüber.

Der Poser
Das Leben ist ein einziger Glanz – Lifestyle, Reisen, Statussymbole. Alles ist immer „blendend“. Dabei ist er an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten, redet am liebsten von sich und stellt nur Fragen, um danach schnellstmöglich seine eigene Antwort zum Besten zu geben. Wer sich vornimmt, hinter die blendende Fassade zu schauen, wird mit erstaunlich wenig konfrontiert. Der Poser ist selten überraschend, aber immerhin konsequent. Wer genau hinschaut, weiß ziemlich schnell, worauf man sich einlässt.

Der Unsichere
Freundlich, aufmerksam, bemüht. Eigentlich alles, was man sich wünscht. Und trotzdem wird es schnell anstrengend. Jede Nachricht wird analysiert, jede Reaktion hinterfragt, jede Pause interpretiert. Unsicherheiten werden selten offen angesprochen, stattdessen entstehen eigene Erklärungen, die mit der Realität oft wenig zu tun haben. Das Ergebnis: ein ständiges Hin und Her, das mehr Energie kostet, als es zurückgibt.

Der Analyst
Diese Person passt sich erstaunlich gut an. Gleiche Interessen, gleiche Meinungen, gleiche Perspektiven. Es wird analysiert, interpretiert, eingeordnet und das manchmal so sehr, dass es sich eher wie ein Projekt als wie ein Kennenlernen anfühlt. Was dabei oft fehlt, sind echte Reibung, eigene Kanten und neue Perspektiven. Schon bald stellt sich die Frage, wer diese Person eigentlich wirklich ist.

Der, der noch festhängt
Er kommt gerade erst aus einer langen Beziehung, hat aber schon „währenddessen abgeschlossen“ und braucht folglich keine Zeit zum Aufarbeiten seiner Anteile an der Misere. Viel lieber möchte er alte Muster mit neuer Besetzung bedenkenlos weiterführen.

Und nun?
Nicht jede Bekanntschaft muss die große Liebe werden. Manche sind einfach gute Geschichten und unterhaltsame Anekdoten. Mit der richtigen Person fühlt sich das Kennenlernen nicht wie ein Auf und Ab an, sondern ruhig und unaufgeregt. Kein ständiges Rätselraten, kein Hin und Her, sondern echtes Interesse auf beiden Seiten.

Wer genug von Apps hat, hat hier in Braunschweig Chancen, diese Person persönlich zu treffen:
Face-to-Face Dating
Beim Barhopping besuchen Singles in kleinen Gruppen an einem Abend drei verschiedene Bars in der Innenstadt. Die Atmosphäre ist locker, Gespräche entstehen nebenbei. Neue Termine gibt es regelmäßig, unter anderem im Mai, Juni und August.

Speed-Dating im Café oder in der Bar
Weniger Bewegung, dafür mehr Fokus: Bei einem Kaffee oder Cocktail lässt sich in kurzer Zeit herausfinden, ob die Chemie stimmt. Im Café Zeit und im Siebenschläfer finden sonntags regelmäßig Runden für verschiedene Altersgruppen in ruhiger Atmosphäre statt.

Pitchen statt Swipen
Beim Konfetti-Dating stellen sich die Singles nicht selbst vor, sondern werden von ihren Freund:innen präsentiert. In einem fünfminütigen Pitch auf offener Bühne erfährt man, wer da eigentlich vor einem sitzt – mit allen Eigenheiten, Stärken und kleinen Anekdoten. Danach geht es ganz entspannt mit Gesprächen bei Drinks weiter, erste Eindrücke können vertieft werden und im Anschluss gibt es die Möglichkeit, gemeinsam weiterzuziehen. Neue Termine werden online angekündigt.
Und wer nicht aktiv auf die Suche gehen möchte, weiß: Vieles passiert ohnehin ungeplant zwischen Vorlesung und Feierabend, im Sportkurs oder an einem gemeinsamen Abend mit Freund:innen. Genießt den Frühling und die vielen Geschichten, die noch geschrieben werden wollen!

Fotos NARANAT STUDIO, oatawa, tong2530-stock.adobe.com

Vergiss nicht, abzustimmen.
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Zwischen Blumen und Bollerwagen

Grüne Oase im westlichen Ringgebiet