Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Rede ist von der Rapperin Ikkimel. In Tracks wie „Mami“ oder „Böser Junge“ rappt sie über Emanzipation, Exzess und Männer in Käfigen. Auf TikTok folgen Reaktionen, sie sei „zu krass“ oder „zu vulgär“. Komisch – denn eigentlich kommt einem das alles doch bekannt vor. Im Grunde rappt Mama Ikki, bürgerlich Melina Gaby Strauß, über Dinge, die männliche Rapper seit Jahrzehnten in ihren sexistischen Texten verbreiten – nur gilt es bei ihnen als normale Rap-Provokation, während sich bei Ikkimel plötzlich viele moralisch aufregen. Dahinter steckt vor allem ein Doppelstandard: Weibliche Sexualität und Selbstermächtigung werden noch immer anders bewertet als männliche. Dazu kommt der Clash aus Generationen, Internet-Humor und Erwartungen daran, wie Frauen „sein sollen“. Herbert Grönemeyer hingegen feiert die Tempelhoferin für ihre Radikalität, wie er Deutschrap Ideal verriet. Schon 1984 hat er in „Männer“ sein eigenes Geschlecht hops genommen. Und auch Ikki feiert Herbert. Vielleicht gibt’s ja bald ein Feature?
Vorbildfunktion vs. Provokation
Trotzdem lässt sich nicht leugnen: Wer in der Öffentlichkeit steht, hat automatisch eine Vorbildrolle – ob gewollt oder nicht. Berufsrisiko sozusagen. So macht sich die 28-Jährige für queere Sichtbarkeit, Empowerment, Anti-Kinkshaming und sexuelle Selbstbestimmung stark, ohne sich an klassische Scham- und Moralvorstellungen zu halten, während sie veraltete Rollenbilder aufbricht. Andererseits verherrlicht sie auch ihren Drogenkonsum. Ketamin-Spuren im Abwasser europäischer Städte stiegen laut Deutschem Ärzteblatt zwischen 2024 und 2025 um 41 %. Ob die Zeile „Wir sind an all‘m Schuld und die Jugend ist versaut“ aus dem Feature „Bitch“ mit Katja Krasavice Ironie oder Einsicht ist, wissen wohl nur die Künstlerinnen selbst. Psychiater Felix Betzler (Charité) nennt gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung die leichte Zugänglichkeit und günstige Preise als Gründe für den steigenden Konsum. Eine einzelne Frau als Sündenbock für strukturelle Probleme zu erklären, greift zu kurz und macht sie zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Debatten. Ganz aus der Affäre ziehen kann sie sich sicher aber auch nicht. Bleibt abzuwarten, was sie auf ihrem Album „Poppstar“ (15. Mai) aufgreift. Sicher ist: Ikkimel ist radikal und nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie kritisiert Machtstrukturen und setzt sich für benachteiligte Gruppen ein – ganz nach dem Credo „Ich kann machen, was ich möchte, weil ich bin eine Frau“. Und wer sich daran so sehr stört, sollte vielleicht sein eigenes Weltbild hinterfragen.






























