Die Bochumer Artpop-Sensation Dorsch Desaster ist das
Sprachrohr der Generation Y.
SG April Vordergrund art
Die schwippen Jungs von Dorsch Desaster sind längst nicht mehr nur ein Geheimtipp unter Kunststudenten und Turnschuhsammlern. Die systemkritischen Texte und poetisch verträumten Arrangements der beiden Wahl-Bochumer Elke Trappshusen und Andreas-Thomas-Michael-Markus Jürgens treffen voll in die Herzen der Generation Y. Mit „Thermomix“ legen sie nun ein Album vor, das sich nicht gewaschen hat. SUBWAY-Musikredakteur Frederick von Dill hat sich die Neuerscheinung für euch einverleibt.
Schwer zu greifen
Es ist nicht einfach, die Dörsche genretechnisch einzuordnen. Musikalisch bewegen sich die beiden Ruhrpott-Dandys irgendwo zwischen Ernst Mosch und der Goombay Dance Band, die Texte des Duos erinnern an die frühen Modern Talking und sind geprägt vom bubenhaften Sprech mittzwanzigjähriger Digital Natives. Das gefühlvolle Rasselspiel und die entwaffnend ehrlichen Texte von Andreas-Thomas-Michael-Markus vermengen sich mit Elkes virtuosem Decks-Sex und Tellergewiener zu einer aufschlussreichen Mixtur, dessen elektrischer Frische man sich nur schwer entziehen kann. Mit „Thermomix“ wagt man sich nun sogar in massentauglichere Gefielde vor, was der Authentizität der Bochumer Jungs jedoch keinen Abbruch tut.
Ein Paukenschlag gleich zu Beginn: „Ketchup Karussel“ heißt das losraunzende Eröffnungsstück des Tonträgers. Die Vocals von Frontmann Jürgens berühren, Trappshusen turnt die Regler von 1 bis 10, dass es einem die Unterhose flutet. Ein Song, der anzündet und Lust auf mehr macht. „Who the fuck is Donald Duck“, aus der Feder von Produzentin Romi Drüchsel, stellt die Fragen, die uns nachts wachhalten und auf die niemand so recht eine Antwort weiß. Dass Jürgens ein Ausnahme-Lyriker ist, stellt er in „Oberunterammergauer Telefonregister“ unter Beweis. Gleich die erste Textzeile geht ans Eingemachte: „Hertha und Erwin Aalfeld 05849/2291, Ortwin Abel, ... “ – schwer zu Artragendes und deshalb umso wichtiger Auszusprechendes. Als der Sänger über den infernal gerasselten Schlussakkord säuselt: „Dietmar Zuller!“, ist alles gesagt. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, muss aus Stein sein. Die Dance-Nummer „Geile alte Stulle“ hat Hitpotenzial. Trappshusens eingängiges Schieberegler-Stakkato und der cozy-laszive Bariton von Jürgens bohren sich wie ein trächtiger Holzwurm in den Hörkanal, dessen sich zu entledigen es eines enorm potenten Holzschutzmittels verlangt. Jürgens glänzt hier nicht nur zum wiederholten Male als Lyriker und Vokalist, sondern auch als Rasseleur, der in seinen besten Momenten an den großen Kastagnetten-Magus Pingo Pralino erinnert.

Sie sind lit, sie sind fly, sie sind foxy – dem Dorsch Desaster gehört die Zukunft. Es erstaunt, wie „Thermomix“ der Spagat zwischen tanzbaren Chart-Bangern und progressive-melodramatischen Elektro-Operetten gelingt ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Dörsche glänzen mit einer Scheibe, die einem die Schuhe besohlt. 9 von 10 Öhrchen!

Text & Grafik Sven Gebauer

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