In einem kleinen Dorf fernab überlaufener Straßen, ereignete sich jeden Frühling ein atemberaubendes Schauspiel, das viele als Wunder bezeichnen würden.
Denn wich die winterliche Kälte der Wärme der Sonne, begann die triste Landschaft wie von magischer Hand in einem prachtvollen Farbteppich zu erblühen. Bunte Tupfer in Zitrusgelb und Flieder zierten die Köpfe der Primeln und Osterglocken, während die Blätterkleider der Bäume mit jedem Tag an Schönheit gewannen.
Der Bach lachte und frohlockte im Angesicht der Rehkitze, Vögel und zauberhaften Waldgeschöpfe, die an seine Ufer kamen.
Doch es ist nicht immer so gewesen.
Einst war es still, denn während die Zeit dahin floss, verloren die Menschen sich im Alltag und vergaßen den Zauber vor ihrer Tür. So wurde die Natur der Menschen Unachtsamkeit müde. Sie zog sich zurück.
Bis eines trüben Tages ein Licht in der Hütte am Waldrand brannte.
Der Winterfrost begann gerade erst zu tauen, als ein Fremder dort Einzug hielt. Hinter vorgehaltener Hand verbreitete sich die Kunde von einem schweigsamen, alten Mann.
Die Bewohner beäugten ihn stets misstrauisch, bis sie eines Tages Zeuge wurden, wie sich an einem kühlen Morgen, die Sonne noch hinter den Baumwipfeln verborgen, der Mann vor dem Wald auf die große Wiese kniete und seine Arme, gebrechlich wie die Äste eines alten Baumes, in der Erde vergrub. Er begann zu summen, eine zarte Melodie, die der Wind aufnahm und bis an ihre Ohren trug. Hinter ihren Fenstern sahen sie zu, wie zwischen den knorrigen Händen des Mannes etwas Dunkles in die Höhe wuchs, sich dehnte wie ein Wesen, aufgewacht nach einem langen Schlaf. Es war ein Mandelbaum, wunderschön und märchenhaft ragte er über dem Mann empor.
Neugierig kamen sie aus ihren Häusern und staunten, als der Baum ihnen mit seinen Ästen zuzuwinken schien.
Lächelnd kam der Mann ihnen über die Wiese entgegen. Wohin er auch trat, sprossen Wildblumen aus der Erde.
Eines der Kinder lief zu ihm und, trotz seines beträchtlichen Alters, kniete der alte Mann vor ihm nieder. Große runde Augen begegneten seinen, als es ehrfürchtig fragte:
“Wer bist Du?”
Ein vergnügtes Funkeln trat in seine Augen. “Ich bin der Gärtner.”
“Kannst du mir das auch beibringen?”
Er lachte entzückt.
“Ich kann dir beibringen Schönheit zu erschaffen. Dafür brauchst du nur Güte und ein aufrichtiges Herz.”
“Und dann?”
“Dann teilst du sie mit der Welt. Und ich verspreche, du wirst noch schönere Dinge erschaffen als diesen Mandelbaum.”
Und das Kind nahm ihn beim Wort. Fortan begleitete es den Gärtner auf seinen Gängen durch den Wald, sang mit den Vögeln und erlernte die Sprache der Bäume. Eine Veränderung machte sich breit und wärmte das Dorf wie heller Sonnenschein, Gelächter vermischte sich mit dem Wind, der dem Wald aufgeregt alles erzählte. So wagte auch dieser sich wieder hervor.
Die Jahre vergingen und eines Abends sah man den Gärtner mit dem nun erwachsenen Kind zwischen den Tieren des Waldes im Dickicht spazieren und ein jedem Bewohner wurde klar, dass seine Zeit zu gehen gekommen war.
Beide teilten ein letztes Lächeln, dann verschwand der Gärtner hinter den Bäumen, während sein Freund auf seinem Weg zurück zum Dorf eine Spur von Vergissmeinnicht hinterließ.
Zu seinen Ehren erzählte es von diesem Tage an jeden Frühling seine Geschichte und wenn eine frische Brise aus dem Wald kam und durch die Äste des Mandelbaumes strich, meinten die Bewohner, das Lachen des Gärtners im Wind zu hören.

Text Jolyn Stenschke
Foto juanjo-stock.adobe.com

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