Staus, Hupkonzerte und massenhaft gute Laune

Am letzten Freitag jedes Monats gehört die Innenstadt dem radelnden Block. Seit mittlerweile sechs Jahren holt sich die „kritische Masse“ von bis zu 500 Radlern den von Autos maßlos dominierten Verkehrsraum für eine gemeinsame Tour zurück. Wir haben Juri von Critical Mass Braunschweig nach seinen Stadtbeobachtungen auf dem reiseerfahrenen Sury Long Haul Trucker gefragt.

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Hallo Juri, wie lange bist du schon bei der Critical Mass Braunschweig dabei?
Ich bin schon in den ersten beiden Jahren mitgefahren, da waren wir aber nur etwa zu zehnt. Als ich 2013 zufällig in der gleichen Firma zu arbeiten anfing, wie der damalige Initiator, haben wir uns zusammen überlegt, was wir tun könnten, um mehr Radler auf die Straße zu bekommen und ich habe die Facebook-Seite und den Flyer erstellt. Seitdem wächst die Teilnehmerzahl stetig.

Warum war diese weltweite Aktion gerade in Braunschweig besonders wichtig?
Vereinfacht formuliert wollen wir ein Gegenpol zur Autolobby sein und aufzeigen, dass wir kein Hindernis, sondern ein Teil des Verkehrs sind. Hier in Braunschweig ist die Autolobby groß und mächtig und viele Autofahrer sehen Radfahrer außerdem nicht als Verkehrsteilnehmer mit Rechten an, sondern nur als ein Hindernis. In Braunschweig und an vielen anderen Orten ist die Mass aber nicht nur Protest, sondern vielmehr eine Chance, Gleichgesinnte zu treffen und eine Menge Spaß zu haben. Wir sind genauso viel Party wie wir Protest sind.

Gefährdung durch ignorante Auto- oder sogar Straßenbahnfahrer gibt es leider ständig. Wir schützen uns durch das sogenannte „Corken“. Einzelne engagierte Teilnehmer blockieren kritische Seitenstraßen und Kreuzungen, damit die Mass sicher passieren kann.

Was macht jeden Monat aufs Neue Spaß?
Es sind immer wieder neue Leute dabei und in letzter Zeit gibt es auch hin und wieder ein Event, das im Anschluss angesteuert wird. Die gemeinsam mit Kult-Tour Braunschweig und BoomZound ausgerichtete Party im Hafen im letzten Sommer war natürlich das absolute Highlight unserer bisherigen Geschichte.

Wäre Wolfsburg nicht auch ein spannender Ort für eine solche Aktion?
Nein. (lacht) Natürlich wäre eine Critical Mass Aktion dort ein wichtiges Statement, aber hat die Rebellenallianz jemals eine Parade im Todesstern abgehalten?

Wie fahrradfreundlich erlebt ihr die Stadt und wo ist Verbesserungspotential?
Die Fahrradampeln sind ein gutes Beispiel für „schön gedacht, schlecht gemacht“, denn sie sind nicht im Blickfeld der Autofahrer und es ist somit schon fast gefährlich, sich auf sie zu verlassen. Der Zustand der Radwege ist vielerorts sehr schlecht. Breitere Radwege und mehr Fahrradstraßen, die für Autofahrer gesperrt sind, wären ein Anfang. Außerdem sollte das Ringgleis einen wetterfesten Belag bekommen, das ist häufig ein Problem.
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Wie begegnen euch die anderen Verkehrsteilnehmer und Anwohner?
Es ist alles dabei von freundlich winken bis zu wüsten Beschimpfungen. Die positiven Reaktionen überwiegen aber deutlich. Je mehr Menschen mitbekommen, warum wir das machen, deso größer die Akzeptanz.

Wie reagiert die Polizei?
Beim ersten Kontakt mit der Polizei wurden wir auf dem Altewiekring festgesetzt. Nach etwas Diskussion und Erläuterung der Rechtslage unsererseits nahmen die Polizisten Kontakt mit der Leitstelle auf. Es vergingen einige Minuten, bis die Kollegen auf der Wache unsere „Legitimation“ anerkannten und die Streife unterrichteten. Als einer der Polizisten sich dann mit den Worten, „Derjenige, der eben behauptet hat, ihr dürft das hier – der hatte Recht!“ an uns wandte, war der Jubel unter den Radlern natürlich groß. Inzwischen werden wir sogar hin und wieder von einem Streifenwagen als Geleitschutz begleitet.

Gab es auch schon gefährliche Situationen und wie schützt ihr die Gruppe?
Gefährdung durch ignorante Auto- oder sogar Straßenbahnfahrer gibt es leider ständig. Wir schützen uns durch das sogenannte „Corken“. Einzelne engagierte Teilnehmer blockieren kritische Seitenstraßen und Kreuzungen, damit die Mass sicher passieren kann. Dieses Vorgehen hat unsere Teilnehmer schon oft vor schwerem Schaden bewahrt.
Ihr seid ja eine bunte Truppe von klassischen Rädern, Liegerädern, Rennrädern, Mountainbikes und anderen. Dürfen auch Kinder mit und was haltet Ihr von E-Bikes?
Auch kleine Mitfahrer sind willkommen. Solange sie schon auf der Straße fahren dürfen und sich sicher im Verband bewegen können, ist es sehr gern gesehen. Meine persönliche Meinung zu E-Bikes ist, ich sehe die Leute lieber auf dem E-Bike als im Auto. Auch Fahrräder für den Lastentransport werden mit Elektromotor deutlich vielseitiger.

Wie eng ist die Gruppe, verabredet man sich auch außerhalb der Monatstreffen?
Ein Teil von uns hat schon eine Geburtstagstour für einen Freund unternommen und wir haben einmal sogar einen Bräutigam zum Standesamt begleitet.

Hast du eine Lieblingsstrecke in der Region?
Meine Lieblingsstrecke ist die Straße „Am Theater“ mit über 300 Mitradlern. (lacht)

Es geht euch ja auch darum, eure neusten Schätzchen zu zeigen und euch über Neuigkeiten rund ums Fahrrad auszutauschen. Kannst du ein paar Insider-Tipps geben?
Dieses Jahr werden bei der Mass bestimmt noch mehr Räder mit amtlicher Musikanlage mitfahren und auch die Swing Bikes nehmen hoffentlich an Fahrt zu. Die Braunschweiger Firma Boom Bikes ist da ein Vorreiter und die Prototypen sind schon CM-approved. Apropos Prototypen: Die letztes Jahr oftmals bei der CM gesichteten Lastendreiräder mit Neigetechnik und Elektroantrieb gehen dieses Jahr in die Serienfertigung – wer eins will, merke sich „HNF Heisenberg CD1 Cargo“.
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Text: Evelyn Waldt
Fotos: Max Heise

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