Berufe und Berufungen

Damit du Bescheid weißt, welche spannenden Berufe die Region zu bieten hat,
sprechen wir mit Angestellten und Arbeitgebern aus verschiedenen Branchen.
Dieses Mal waren wir auf Schienen unterwegs und haben eine Straßenbahnfahrerin begleitet,
eine von etwa 15 Frauen in der 130 Mann starken Straßenbahnfahrer-Flotte der Braunschweiger Verkehrs-GmbH.

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeiten als Straßenbahnfahrerin bei der BVG.
Ich fahre die Bahn, verkaufe Tickets, berate Kunden und gebe Informationen, zum Beispiel über Fahrpläne, Anschlüsse, Preise.

Seit wann sind Sie im Beruf und wie sind Sie dazu gekommen?
Mein Mann ist hier Busfahrer, da hat sich das angeboten. Ich habe mich beworben und wurde gleich genommen, das ist jetzt circa viereinhalb Jahre her.

Straßenbahnfahrerin Braunschweig

Ab und zu kriegen wir schon Sprüche zu hören, dass eine Frau nicht ans Steuer gehört und Ähnliches. Aber das geht mir in das eine Ohr rein und zum anderen wieder raus.

Welche Ausbildung ist dafür notwendig und was wurde dabei vermittelt?
Man braucht nur einen Führerschein der Klasse B, die Ausbildung wird dann bei der BVG gemacht. Zwei Monate Schulung für die besonderen Signale und Verkehrsregeln und wie man die Bahn steuert und wartet. Danach kommt noch für einige Wochen ein erfahrener Kollege mit und guckt bei der Fahrt über die Schulter. Man muss aber auch danach immer dranbleiben und sich jeden Tag über die aktuellen Fahrpläne und Straßensperrungen informieren.

Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?
Ich schiebe meinen Geldwechsler ein, melde mich mit meinem Code im Fahrzeug an und dann geht es direkt los. Das muss ganz schnell gehen, denn wir haben nur wenige Minuten für den Fahrerwechsel.

Was müssen Sie immer dabei haben?
Wir haben jeder einen kleinen Rollkoffer dabei, weil wir neben unserem Wechsler auch Bücher und Infomaterial da haben müssen, mit allen Linien, Haltestellen, Tarifen, alles zu den verschiedenen Fahrzeugen, falls jemand fragt. Die Infos für die Straßenbahnen kenne ich auswendig, aber bei den Bussen nicht alles.

Wie sehen Ihre Pausen aus?
An den Endstationen gibt es kleine Pausen von zehn Minuten, da lese ich gerne, esse etwas oder telefoniere mit meinem Mann oder meinen Kindern. Im Kundenzentrum am Rathaus machen wir eine lange Pause von etwa 45 Minuten. Es gibt da einen Pausenraum, aber ich bewege mich gern in meiner Pause, weil wir ja in der Straßenbahn schon so viel sitzen müssen. Dann gehe ich um den Block spazieren oder mache Einkäufe.

Welche interessanten Begegnungen machen Sie im Berufsalltag?
Wir haben fast jeden Tag interessante Begegnungen mit besonderen Personen. Zum Beispiel gibt es Menschen, die keine Geduld haben und fragen, „warum sind Sie zu spät?“, oder „warum kommt nicht eine Niederflurbahn?“. Aber es gibt auch Fahrgäste, die uns und unsere Arbeit loben oder einfach ein bisschen plaudern wollen.

Was ist das Spannendste an Ihrem Beruf?
Am meisten Spaß macht der Kontakt mit den Kunden. Es sind viele Menschen, die wir jede Runde sehen, und auch viel von der Stadt. Ich sehe mir gern die Umgebung an und beobachte das Verhalten der Fahrgäste. Manchmal können Kunden kein Deutsch sprechen. Wenn ich merke, sie sprechen Spanisch oder Italienisch, kann ich mit meinen Sprachkenntnissen helfen, das ist immer sehr schön, zu sehen, wie groß dann die Freude ist.

Was sind häufige Schwierigkeiten?
Das Schwierigste für mich ist es, beim Frühdienst so früh aufzustehen! Aber das hat wenigstens den Vorteil, dass man auch zeitig Feierabend machen kann. Im Alltag muss man nicht nur darauf achten, gleichmäßig und sanft abzubremsen, man muss auch den Verkehr genau beobachten, da wir häufig von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen werden. Bei Fußgängern und Radfahrern ist das besonders gefährlich, wir können ja nicht ausweichen.

Lässt sich der Beruf der Straßenbahnfahrerin gut mit dem Privatleben vereinbaren?
Ja, bis jetzt hat es immer gut geklappt. Man kann aus drei Schichten wählen. Ich arbeite in Vollzeit und fahre im Wechsel eine Woche in der Früh- und eine in der Mittelschicht. Mein Mann auch, aber so versetzt, dass vormittags immer jemand zu Hause ist. Wir haben zwei Kinder, so muss ich mir keine Sorgen machen.

Gibt es Schwierigkeiten als Frau in diesem männerdominierten Beruf?
Naja, ab und zu kriegen wir schon Sprüche zu hören, dass eine Frau nicht ans Steuer gehört und Ähnliches. Aber das geht mir in das eine Ohr rein und zum anderen wieder raus. Wenn es wirklich einmal gefährlich werden sollte, immerhin haben wir ja auch Geld in der Kasse, gibt es einen Überfallknopf, der die Leitstelle und die Polizei alarmiert. Das war bei mir glücklicherweise noch nicht nötig. Vor zwei Jahren haben wir betrieblich einen Selbstverteidigungskurs gemacht, das war auch hilfreich.

Wer kann sich bewerben?
Wichtig ist es, Geduld und ein dickes Fell gegen Beschwerden zu haben, denn wir müssen ja weiterfahren und können uns nicht lange darüber ärgern. Außerdem muss man im Straßenverkehr sehr aufmerksam sein. Und es gibt natürlich auch gewisse Bestimmungen, zum Beispiel sind Sehbeeinträchtigungen strikt ausgeschlossen.

Welche Vorurteile über Ihren Beruf möchten Sie heute ausräumen?
Die klassischen Vorurteile sind, dass Straßenbahnfahrer grundsätzlich zu spät kommen, unfreundlich und nicht interessiert am Kunden sind. Das ist definitiv Quatsch. Man merkt sich eben das eine schlechte Erlebnis am Tag und vergisst die restliche Zeit, in der alles gut geklappt hat. Das kann man nur durch freundliches Erklären ausgleichen.

Text: Evelyn Waldt
Foto: Evelyn Waldt

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