Mit ihrem gleichnamigen Instagram-Account bloggen Vanessa und Josie für und über die Pflege.
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Die Pandemie hat ein langjähriges Problem aufgezeigt: den Pflegenotstand in Deutschland. Dabei ist der akute Personalmangel weder neu noch unbekannt. Die Politik sucht schon seit Jahrzehnten nach langfristigen Lösungen – bislang jedoch recht erfolglos, zum Leidwesen der bundesweit etwa 1,7 Millionen Pflegekräfte.

Die tägliche mediale Berichterstattung legt zudem zwar die Missstände offen, heizt das Problem laut Medienwissenschaftler:innen aber auch weiter an: Im Branchenvergleich zählt der Gesundheitssektor nämlich zu den Bereichen mit der negativsten Berichterstattung über Personalthemen.
Deshalb nutzen inzwischen immer mehr Pflegekräfte die sozialen Medien, um einen authentischen, unmittelbaren Einblick in ihren Berufsalltag zu gewähren. Zwei von ihnen kommen vom Klinikum Braunschweig: Seit November 2019 führen Vanessa und Josie ihren gleichnamigen Instagram-Account. Mehr als 11 000 Abonnent:innen folgen den Bloggerinnen inzwischen, die in ihren Posts über persönliche Erfahrungen sprechen, Denkanstöße geben oder offen Kritik ausüben – immer mit einem großen Ziel: „Wir möchten, dass sich etwas an den Umständen in der Pflege ändert, dass sich die Pflege organisiert und für sich einsteht“, verraten Josie und Vanessa im SUBWAY-Interview.
Es ist fünf nach zwölf. Realistische, nachhaltige Lösungen hätten am besten schon gestern umgesetzt werden müssen.
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Der demografische Wandel ist schließlich unaufhaltsam und verschärft den Pflegenotstand abermals. So droht der Umstand, dass in Zukunft immer mehr Pflegebedürftige von immer weniger Pflegekräften betreut werden müssen. Ein Ungleichgewicht, das nicht dauerhaft tragbar sein wird. „Wir als Berufsgruppe haben die Macht, Druck auf die Politik auszuüben. Deshalb wünschen wir uns, dass wir es endlich schaffen, uns gemeinsam zu organisieren – sei es in einem Berufsverband, einer Kammer oder einer Gewerkschaft“, plädiert das engagierte Duo.
Trotz der Missstände ist nämlich die Realität der Pflege besser als ihr Ruf. „Man arbeitet zum einen mit Menschen zusammen, zum anderen sind die Abläufe weniger planbar und dadurch abwechslungsreich. In der Pflege zu arbeiten bietet zudem viel Flexibilität und erfordert viel Wissen aus verschiedensten Fachbereichen wie Psychologie, Soziologie und Medizin“, veranschaulichen die Freundinnen ihren sinnstiftenden Beruf.
Ihre dreijährige Ausbildung zur examinierten Pflegekraft schlossen die sympathischen Bloggerinnen im Oktober 2021 erfolgreich ab. Zuvor hatte Vanessa eine Ausbildung zur Mediengestalterin absolviert und danach Medienkommunikation studiert; Josie beendete ihr Bachelorstudium in Biologie. „Für mich war Biologie einfach zu theoretisch“, offenbart die 26-Jährige, „das Studium hat mich einfach nicht begeistert.“ Durch ein Praktikum kamen sie deshalb zur Pflege. „Tag für Tag erkennt und lernt man, was Pflege wirklich bedeutet und wie gesellschaftsrelevant dieser Beruf für jede:n ist. Gesundheit ist das höchste Gut und alles andere wird unwichtig, wenn man manche Schicksale sieht“, erklären die Influencerinnen.
Beifall für die Pflege klatschen reicht nicht aus. Die Politik muss endlich agieren. Vanessa und Josie lassen uns an ihrem Aktivismus teilhaben: ehrlich und hautnah.
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Text Denise Rosenthal
Fotos Anna Jesse

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