Producer „Rottheo“ Theodor Striese im Interview |

Mit fünf fing er das Klavierspielen an, später brachte sich Theodor das Produzieren bei. Inzwischen hat der gebürtige Braunschweiger diverse Musikpreise wie den Jugend-Kompositions-Wettbewerb gewonnen. Theo tüftelt an eigenen elektronischen Beats, übernimmt Auftragsarbeiten und sprüht vor Kreativität. Der heute 18-Jährige hat seine Berufung früh gefunden. Wir sprachen mit dem Allrounder.
Hi Theo, wann hast du deine Leidenschaft zur Musik und zum Komponieren entdeckt?
Die Liebe zur Musik habe ich bereits als Kleinkind entdeckt. Mein Vater spielt E-Gitarre. Ich habe mit drei Jahren schon AC/DC zum Einschlafen gehört und fand das toll. Kinderlieder mochte ich damals schon nicht. Ich bin einmal aus der Sporthalle gerannt, weil ich in einer Kinderturngruppe mitmachen sollte und die Trainerin eine Kassette mit Schlumpf-Liedern anmachte. Das war schrecklich. Bei uns zu Hause stand ein altes Klavier, auf dem ich zum Glück fast zu jeder Zeit herumprobieren durfte. Musik faszinierte mich und ich verbrachte viel Zeit damit. Ich wollte dann kurz vor meinem fünften Geburtstag Klavierunterricht haben. Zum Glück geriet ich an die richtige Lehrerin. Frau Lotz-Wiesenthal hat mir das Klavierspielen so beigebracht, dass ich die Freude daran nicht verloren habe.

Kannst du deinen musikalischen Werdegang kurz beschreiben?
In der Grundschule spielte ich zu Festveranstaltungen schon kleine einfache Stücke auf dem Klavier. Außerdem spielte ich erste Kompositionen, die ich zu Hause mit Zahnbürste im Mund eingeübt hatte, vor der Schulklasse. Es waren rhythmische Stücke, ich würde sagen, es war eine Mischung von schrägem Jazz und Ragtime mit einigen kompositorischen Fehlern, aber es war der Anfang meiner Karriere. Danach suchte ich bewusst nach einem Musikgymnasium und machte die Aufnahmeprüfung am Landesgymnasium für Musik in Wernigerode. Das Musikgymnasium mit angeschlossenem Internat war ein Glücksfall für mich. Hier lernte ich nicht nur intensiv Musiktheorie, Gesang und Chorleitung, sondern konnte auch Kontakte zu anderen Musikern knüpfen. Ich wurde Mitglied der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt und nutzte die Schulferien für kompositorische Fortbildungen. Später kamen privat gebuchte Orchester-Dirigierkurse hinzu. Ich nahm mir zusätzlich auch in Wernigerode Violin- und Orchesterleitungsunterricht und gewann einige Kompositionswettbewerbe. Dazwischen, in jeder freien Minute, versuchte ich, aus meinem Laptop elektronische Musik herauszuholen. Ich probierte verschiedene Tools aus, nahm irgendwann selbst unterschiedliche Dinge auf und machte daraus Musik. So landete ich bei Produkten der Firma Ableton und brachte mir selbst das Produzieren bei. Schließlich wurde mir von der GEMA 2015 das europäische Musikautorenstipendium für elektronische Musik verliehen.
Du bist in Braunschweig geboren, lebst aktuell in Wernigerode. Was verbindet dich mit der Löwenstadt? Bist du noch oft hier? Was magst du an Braunschweig?
Ich verbringe viele Wochenenden im Jahr bei meinen Eltern. Zum Shoppen gehe ich dann ins Musikhaus Schulte – ich mag Einzelhandel mit persönlicher Beratung. Da ich verschiedene Musikinstrumente sammle und spiele, finde ich dort immer etwas. Das Kultur-Angebot in Braunschweig ist okay. Ich besuche das Staatstheater genauso gerne wie die Baßgeige und den Brain Klub. Zum Craft-Beer trinken gehe ich gerne ins Wild Geese. Ich mag die Gründerzeithäuser im Ringgebiet und rund um den Prinzenpark besonders und gehe dort oft spazieren. Spaziergänge sind sehr heilsam, wenn man, wie ich, den ganzen Tag nur Musik im Kopf hat!

Vor nicht allzu langer Zeit hast du sogar das Staatsorchester Braunschweig dirigiert. Was war das für ein Gefühl?
Das Staatstheater Braunschweig habe ich schon als kleines Kind oft besucht, vom ersten Rang habe ich immer in den Orchestergraben gesehen. Für mich war es deshalb ein „nach Hause kommen“, als ich dort auftreten durfte. Ich hatte auch gar keine Zeit, aufgeregt zu sein, weil die Dame der Zeitung mich hinter der Bühne so lange befragte, bis die Lampe leuchtete und ich raus musste. Dann, als ich über die Bühne auf die vielen Musiker zuging, auf das Dirigentenpodest, war ich sofort hochkonzentriert bei der Arbeit. Die Profi-Musiker haben sich auf mein Dirigat eingelassen und nicht einfach drauflos gespielt. Sie haben sich von mir führen lassen. Dafür bin ich sehr dankbar und freute mich, dass sie mit meinem Dirigat zurechtkamen. Trotzdem: Mein Weg, ein richtig guter Dirigent zu werden, ist noch lang, es gibt noch viel zu lernen in diesem Bereich, aber ich werde daran weiter arbeiten.

Musikalische Traditionen spielen auch in der elektronischen Musik eine Rolle

Seit einigen Jahren beschäftigst du dich nicht nur mit klassischer, sondern auch mit elektronischer Musik und bist unter dem Namen „Rottheo“ bei iTunes oder Spotify vertreten. Nutzt du vorgefertigte Samples oder nimmst du auch eigene Klänge auf?
Ich verweigere die Nutzung vorgefertigter Samples oder Presets. Alles entsteht aus entweder eigenen Aufnahmen oder synthetisierten Klängen, die ich mit viel Zeit forme. Ich denke, das Nutzen ausschließlich eigenen Materials fördert nicht nur die Kreativität, sondern hilft auch zu einem homogeneren Klangbild in allen Songs, egal welches Genre sie letztendlich sind. Ich experimentiere dann auch gerne damit, verschiedenste Field-Recordings über bestimmte Synths drüberzulegen und diese weiter verschmelzen zu lassen, um interessantere Texturen zu bekommen. Natürlich ist das gerade genannte Verfahren nur ein Ausschnitt der Sounddesign-Methoden, die ich verwende, Sounddesign nimmt fast schon die meiste Zeit in meiner Arbeit bezüglich elektronischer Musik ein.
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Und ist es dein Ziel, dass diese Tracks in den Clubs gespielt werden? Wie läuft eine solche Produktion ab?
Ja natürlich sollen meine Tracks in Clubs gespielt werden. Letztes Wochenende war ich gerade auf „Ableton Loop 2017, A Summit for Music Makers“ im Funkhaus in Berlin. Dort haben sich bekannte Musiker aus aller Welt getroffen und in Workshops, Gesprächen und Sessions untereinander Erfahrungen ausgetauscht. Interessant ist hierbei, dass es eben nicht nur um neue Beats geht, sondern auch um Tradition und Erhaltung kultureller Vielfalt. Musikalische Traditionen spielen auch in der elektronischen Musik weiterhin eine Rolle. Deshalb ist es aus meiner Sicht richtig, wenn ich zum Beispiel mit meiner Oud oder indianischen Flöte Töne aufnehme und in meine Tracks einbeziehe. Für meine eigenen Produktionen verwende ich viele selbst aufgenommene Töne. Mit einem Mikrofon nehme ich etwa Wassertropfen auf oder Instrumente und verwende diese. Für meinen Track „Tri“ habe ich viele Geigenaufnahmen verwendet und für die Drums zum Beispiel einen auf den Tisch fallenden Löffel und andere Dinge aufgenommen und verarbeitet. Für die Produktion verwende ich hauptsächlich Ableton Live. Ich verzichte oft auf externe Plug-ins, da ich die Effekte, die Live bietet, ausreichend für alles finde, und im Übrigen ist es auch oft gut, sich selbst Limits zu setzen.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Ich bin irgendwie so gestrickt, dass ich den ganzen Tag neue Musik im Kopf entwickle, aber dann muss ich diese ja sortieren und in ein Schema bringen. Dazu brauche ich Ruhe – und manchmal passen dann all die Töne doch nicht zueinander. Es gibt einen ganzen Haufen zu beachten und das muss man gelernt haben. Am besten kann ich mich in der Natur konzentrieren, in einem guten Café in entspannter Atmosphäre, oder daheim in meinen kleinen Homestudio.
Wo siehst du dich in zehn Jahren? Eher in der elektronischen oder klassischen Ebene?
Nächstes Jahr nach meinem Musikabitur gehe ich nach Berlin und mache ein Diplom im Abbey Road Institute. Es heißt Advanced Diploma in Music Production & Sound Engineering. Die Entscheidung, mich zuerst in der elektronischen Musik fortzubilden und erst danach klassisch Musik zu studieren, habe ich bewusst getroffen. Ich denke, dass ich in zehn Jahren irgendwo fest angestellt bin in einem schönen Tonstudio und zusätzlich ein Ensemble gegründet haben werde. Die Vielseitigkeit werde ich nicht verlieren, das macht mich aus. Vielleicht darf ich dann noch einmal das Staatsorchester Braunschweig dirigieren, das hat mir sehr viel Spaß gemacht anlässlich des Theaterfestes in diesem Jahr.

Dein aktueller Wohnort Wernigerode ist besonders zur Winterzeit bei Touristen beliebt. Was sind deine drei Lieblingsorte in der Stadt?
In Wernigerode bin ich heimisch geworden. Die kleinen Gassen rund um die Schule und der Schlossberg sind Orte, auf denen ich häufig zu finden bin. Auch das Salzbergtal hinter dem Internatsgebäude ist ein schönes Stück Natur. Und dann gibt es noch Plätze mit schöner Aussicht ins Tal, die die Touristen eher weniger kennen – die möchte ich hier auch nicht verraten, damit den Einheimischen bei über zwei Millionen Touristen jährlich noch kleine Geheimnisse bleiben ... Am Ende der Gasse in der Altstadt, in der ich seit einiger Zeit eine kleine Wohnung bewohne, ist ein Weinhändler. Kleine Läden sind für mich ein Stück Lebensqualität – gut beraten und in Maßen mit Freunden eine besondere Flasche Wein zu genießen, zu einem gemeinsam gekochten Essen, das ist wunderbar. Für uns ist aber auch das Brauhaus hin und wieder ein fester Treffpunkt. In der Adventszeit, wenn alles festlich geschmückt ist, schneit es in Wernigerode häufiger als in Braunschweig. Der Weihnachtsmarkt ist dann besonders idyllisch. Manchmal hört man die Schüler meines Musikgymnasiums Lieder singen. Wenn ich dann durch die schöne Altstadt in Wernigerode schlendere, habe ich schon die nächsten Beats im Ohr, die ich produzieren möchte ...

Text: Lisa Matschinsky
Fotos: Sahnefoto Wolfsburg, Privat

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