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Suchtpotenzial

24. Januar/ Brunsviga (BS)

Das prämierte Comedy-Duo Suchtpotenzial singt dem Sexismus
am 24. Januar in der Brunsviga den Kampf an.
PK Suchtpotenzial 2019 Fotocredit DominicPencz MG 4037 klein art
Ja, auch Frauen können lustig sein und das beweisen Julia Gámez Martin (r.) und Ariane Müller (l.) aka Suchtpotenzial sofort, wenn sie die Bühne betreten: Von Liedern über den Weltfrieden über das Austauschen von absurden Gedankengängen bis hin zu einem ordentlichen Zickenkrieg bleibt nichts unausgesprochen. Sowohl die Ulmerin Ariane als auch die Berlinerin Julia sind preisgekrönte Musikerinnen, die in ihren Shows zudem mit derbem Humor, pointierten Alltagsbeobachtungen und geballter Frauenpower überzeugen. Angefangen hat alles am Ulmer Theater. Seit 2013 sind die zwei Ladys als Suchtpotenzial gemeinsam unterwegs. Meist singt Julia und wird von Ariane mit Klavier oder Gitarre begleitet. Momentan sind sie mit ihrem dritten Programm „Sexuelle Belustigung“ auf Tour und konnten dafür sogar ganz frisch den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson, Musik und Lied ergattern. Am 24. Januar gibt’s das Programm in der Brunsviga zu erleben. Ariane hat sich für uns in ihre schickste Jogginghose geworfen und mit uns über Sexismus, Tabuthemen und die Dominanz von Männern in der Comedy-Szene geschwätzt.
Zwischen Ulm und Berlin liegen rund 600 Kilometer. Wie schafft ihr es, trotz dieser Entfernung zusammen zu arbeiten?
Während der Anfangszeit war Julia in Ulm, weil sie dort am Theater war und dann haben wir angefangen, unsere Show zu machen. Klar, jetzt müssen wir uns natürlich immer treffen. Wir schreiben zwar beide unabhängig voneinander Texte und jeder schreibt so vor sich hin, aber wir haben uns über Ostern auch mal eine Woche in Málaga eingeschlossen, um dort an unserem Programm zu arbeiten. Wir treffen uns also oft und das funktioniert auch ganz gut. Es gibt ja viele Gruppen, die nicht in derselben Stadt leben. Man muss sich halt gut organisieren.

Wann und wo erfahrt ihr Sexismus im Alltag?
Eigentlich die ganze Zeit. Das fängt schon damit an, von Typen komisch angequatscht zu werden. Gerade auch bei uns am Theater sind die Hierarchien sehr männlich dominiert – der Intendant, der Regisseur ... Als Frau wird man nicht immer ernst genommen oder muss sich ständig irgendwelche Sprüche anhören. In der Comedy-Branche ist es ähnlich. Wir hören oft so Sachen wie „Für Frauen seid ihr echt voll lustig“ oder „Wow, für eine Frau spielst du aber echt gut Klavier“ und ich denke mir so ja, warum auch nicht? Ich habe ja auch 30 Jahre lang geübt. Solche Sachen sind irgendwie ständig Thema. Wir bekommen auch öfter so einen „Frauen-Humor“- oder „Frauen-Comedy“-Stempel aufgedrückt, als wären wir nur für Frauen interessant. Ich als Frau gehe ja auch zu nem männlichen Comedian und frage mich dann nicht, ob dieser Männer-Humor wirklich was für mich ist. Da gibt es auf jeden Fall noch viel Nachholbedarf.

Gerade die Comedy-Szene wird stark von Männern dominiert ...
Es verbessert sich schon so ein bisschen. Es gibt zum Beispiel große Aktionen wie „Sisters of Comedy“, wo wir auch schon mit Hunderten von Künstlerinnen aufgetreten sind. Komikerinnen wie beispielsweise Carolin Kebekus zerstören zum Glück seit ein paar Jahren solche Frauen-Klischees. Da ist schon was in Bewegung, aber ich hoffe sehr, dass noch mehr coole Frauen nachkommen und das irgendwann einfach gar kein Thema mehr ist.
Habt ihr im Alltag auch so eine große Klappe wie auf der Bühne? Eckt ihr damit manchmal an?
Zweimal ja! Aber in unserem Umfeld kennt man uns ja und, naja, Julia ist Berlinerin und da sind die Menschen schon sehr direkt und es ist auch okay, wenn man jemanden mal beleidigt. (lacht)

Wenn du für einen Tag ein Mann sein könntest, was würdest du tun?
Wahrscheinlich würde ich ziemlich viel an meinem Penis rumspielen. (lacht) Der größte Unterschied ist ja einfach biologischer Art und deshalb würde ich mich sehr viel mit dem Körper beschäftigen. Und zwar vielleicht auch im Gegenseitigen, falls du verstehst ... Diese körperliche Komponente würde mich dann schon sehr viel mehr interessieren, als als Mann in die Kneipe zu gehen.

Wie fühlt es sich an, auf offener Bühne über „Tabuthemen“ wie Menstruation zu reden?
Für uns sind solche Themen einfach ganz normal. Die Sicht darauf, was in der Gesellschaft ein Tabuthema ist, ist doch sehr unterschiedlich. In unserer Altersklasse ist es für uns Frauen gar kein Problem, ficken zu sagen oder ein lustiges Lied über Menstruation und Regelschmerzen zu machen. Aber bei älteren Leuten ist das anders. Die sind dann auch mal geschockt, wenn sie unseren Song „Ficken für den Frieden“ hören und mitsingen sollen. So ein bisschen auszuchecken und zu gucken, was für welche Menschen wie krass ist, macht viel Spaß. Und wenn man sich anguckt, was junge Stand-Upper so raushauen, ist das oft schon ganz schön direkt und dirty. Für die jüngeren Leute ist das völlig normal, aber für die Älteren noch gewöhnungsbedürftig.

Wie kommt das bei Männern an?
Bei uns in den Shows sitzen rund 50 Prozent Männer mit drin und die lachen sich kaputt. Ich glaube, da fragt sich niemand, ob das jetzt speziell Frauen-Humor ist. Wir machen halt Witze und Songs aus unserer Perspektive, die nun mal weiblich ist. Aber ist das nicht gerade für Männer besonders interessant? Man will ja nicht nur bestätigt werden, sondern auch mal was Neues hören. Und das kommt gut an: Männer finden es cool zu erfahren, was sich zwei Frauen so denken.
PK Suchtpotenzial 2019 Fotocredit DominicPencz MG 4550 klein art
Was inspiriert euch für neue Songs?
Eigentlich alles, weil wir unsere Songs aus dem Alltag heraus schreiben und über die alltäglichen Dinge singen. Themen aus den Nachrichten oder Kartoffelsalat – was uns so die Flinte kreuzt, kann verarbeitet werden. Natürlich erleben wir auch super viel gemeinsam, weil wir einfach wahnsinnig viel zusammen unterwegs sind und da entwickeln sich auch viele neue Ideen aus dem Gespräch heraus – was machst du so? Was regt dich so auf? So läuft das bei uns.

Ihr habt gerade den Deutschen Kleinkunstpreis in der Kategorie Chanson, Lied und Musik gewonnen. Wie fühlt sich das an?
Total mega. Das klingt zwar vielleicht geheuchelt, aber wir haben wirklich überhaupt nicht damit gerechnet. Dieser Preis wirkt erst mal so klein, aber wenn du in einer Reihe mit Konstantin Wecker und Reinhard Mey genannt wirst, ist das schon ein richtig krasser Ritterschlag für uns. Wir freuen uns wirklich richtig dolle, weil man sich ja auch nicht um so einen Preis bewirbt, sondern von einer Jury ausgewählt wird. Früher haben wir eher mal Publikumspreise bekommen und wurden von Jurys oft als zu vulgär und zu wenig relevant abgestempelt. Jetzt haben wir diesen Preis genau dafür bekommen, dass wir auf eine so direkte Art kritisch und feministisch sind. Das sind vielleicht jetzt die Früchte für unsere harte Arbeit, denn wir haben uns in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt und gut eingespielt. Ich glaube, unsere ersten beiden Shows waren schon deutlich schwächer als „Sexuelle Belustigung“, denn mittlerweile wissen wir genau, wie wir funktionieren und aktuell macht es, glaube ich, wirklich richtig Bock, uns zuzugucken. Wir freuen uns jetzt schon total, unser neues Programm in Braunschweig zu spielen.
Klischee-Check

Bier oder Sekt
Wir sind beide richtige Bier-Ladys. Prosecco nach der Show? Äh, nein danke.

Pink oder Blau

Blau, weil man von Bier auch blau wird.

Steak oder Salat

Salat für mich und Steak für Julia. Darüber haben wir auch einen Song geschrieben.

„GNTM“ oder „Alarm für Cobra 11“

Alles ist besser als „Germany’s Next Topmodel“.

Kneipe oder Club

Ich bin über 30. Da geht’s besser in die Kneipe.

Wellnesswochenende oder Ballermann

Erst Ballermann, dann Wellness.

Kleid oder Jogginghose

Wenn man viel auf der Bühne ist, ist die Jogginghose danach umso geiler.

Wacken oder Coachella

Was zur Hölle ist Coachella?
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Interview Louisa Ferch
Fotos Dominic Pencz

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