Festival Theaterformen
Ace Tee und Kwam.e

8. Juni / Festivalzentrum
Theaterpark (BS)


Ace Tee und Kwam.e lassen das Festivalzentrum im Theaterpark bouncen.
Ihre Kunst ist inspiriert von der R&B- und Hip-Hop-Szene der 90er, ihr erster Song „Bist du down?“ ist in den USA raketenartig viral gegangen, ihr Style ist so fresh, dass die US-Vogue und H&M sie angefragt haben und ihre EP „Tee Time“ macht richtig Bock auf das bald kommende Album „Sip Slow“. Rapperin Tarin Wilder aka Ace Tee im Interview.

Hi Tarin, was würdest du dir aus den 90ern zurückwünschen?
Echtheit vielleicht. Früher war alles kreativer und auch verrückter, was die Videogestaltung aber auch Texte angeht. Es war Künstlern eher möglich, in eine Traumwelt zu switchen.

Gibt es auch was, bei dem du froh bist, dass es weg ist?
Ja, zwischendurch, in den 2000ern, gab es eine ganz schlimme Zeit. Die coolen Menschen, die in den 90ern erfolgreich waren, sind es auch geblieben. Aber diese Dance- und Trancephase musste nicht sein. Vieles aus den 90ern wurde auch kopiert und wieder neu aufgelegt, das ist ja heute noch so, aber mit immer weniger Seele drin.

Deine Musik ist jetzt glücklicher, funkier als früher bei MEDUZV.
MEDUZV bin immer noch ich, so wahr ich lebe. Es war mir schon immer wichtig, was ganz anderes zu machen als das, was gerade auf dem Markt ist. Fast hätte ich damit auch was released, aber dann habe ich überlegt: Ok, es ist nice und voll kreativ, aber es bewegt sich von meiner Seele weg, von dem, wofür ich stehen möchte. Und ich dachte: Warte, Stopp. I gotta come back to myself. Ich stehe für Liebe und das passt viel besser zu mir. Und dann ist Ace Tee entstanden. Tee als Abkürzung für Tarin, so nennt mich jeder, und Ace, weil ich mich neugeboren prachtvoll fühle.
PK DSC1469 Credit ArnorldHammer Art
Und warum bist du auf Deutsch umgestiegen?
Ich bin deutsch. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Wenn ich mich musikalisch entfalten möchte, muss ich erst mal meine eigene Homebase überzeugen. Wenn ich es auf Deutsch schaffe, mich auszudrücken und gehört zu werden, dann ist Englisch kein Problem. Da ist es eh einfacher, Dinge zu flowen. Auf Deutsch hast du so viele Wörter, die du in einen Reim drückst vor dem eigentlichen Wort, das du als Punchline hast, und alles muss Sinn machen. Da kommt man schon ins Schwitzen. Weil ich erst englisch gerappt habe, ahnen die Leute: Ich bin eine coole aus der Hood, die einfach macht, was sie liebt (lacht).

Was liebst du an deiner Hood Hamburg?
Der Vibe in der Stadt ist so krass. Alle Menschen fühlen fast gleich, wenn es regnet oder die Sonne scheint. Mit dem Wetterwechsel ist es bei uns ja noch schlimmer als überall. Es gibt unglaublich schöne Momente, bestimmte Orte, bestimmte Ereignisse, die einfach nur in Hamburg stattfinden können. Und auch wie krass die Hip-Hop-Kultur hier gepusht wird. Mit der HipHop Academy, Rapschulen und anderen Sachen. Alle sind up to date und es gibt viele Talente. Die Leute sind miteinander connencted und verfeinden sich nicht. Jeder kennt jeden, alle sind cool miteinander und haben diesen Gemeinschaftsdrang. Das ist nice.
Gentrifizierung ist ein großes Problem. Gerade ist die OZM Gallery plattgemacht worden, wo du noch dein Video gedreht hast.
Das ist scheiße, weil Oz dort gemalt hat. Das ist eine Gedenkstätte für ihn, da ist so viel Culture mit eingebunden. Echt schade. Das meine ich auch mit einmaligen Momenten: So was wirst du niemals wieder genau so haben. Das macht mich sauer! Aber letztendlich, wenn etwas kaputt gemacht wird, wird auch immer etwas Neues geschaffen.

Was willst du jungen Künstlern mitgeben?
A lot! Denen, die noch viele Trust-Issues haben und zu sehr darauf fokussiert sind, was im Internet abgeht: Du musst dich selbst erst mal kennenlernen. Es gibt viele, die machen, machen, machen, und das ist auch ok, aber man braucht vorher den richtigen Draht zu sich selbst. Wir sind alle Knospen, die erblühen wollen. Ich bin eine Lotusknospe.

Wie kriegt man das hin?
Lustig ist, dass es viele verlernt haben. Du musst allein sein. Schmeiß dein scheiß Handy in die Ecke! It‘s not controlling your life. Du darfst dir eine Auszeit gönnen, solltest es sogar, um dir ein paar Gedanken zu machen. Menschen fürchten sich immer davor und lenken sich ab. Wenn du meinst, alles ist scheiße, dann ist eben alles scheiße. Aber gestehe dir das selbst ein, schluck es nicht runter. Du bist das Resultat deiner Gedanken.

„ich bin keine Diva. Nur manchmal“

Was macht Kwam.e und dich zum Superteam?
Kwam.e und ich sind zwei unterschiedliche Wesen, aber wir connecten so krass seelisch. Ich vertraue ihm komplett und er mir genauso. Wir nennen uns rough & smooth, ich bin smooth und er ist rough. Wie kann man ihn beschreiben? Er ist die neue Brise der 90er. (lacht) Ich mache mehr so R&B und er macht richtig Boom Bap. Und das trifft sich in der Mitte. Das ist das Geile daran, was so gut funktioniert.

Willst du auch mal einen ganz neuen Flow ausprobieren?
Ich bin super offen dafür. Ich heule und schreie die ganze Zeit nach jemandem, der mir einen geilen modernen rockigen Beat gibt. Ich habe richtig Bock auf was komplett Neues, das mehr von mir beansprucht, weil es nicht etwas ist, das ich schon kann. Sobald ich in eine Schublade gesteckt werde, läuten bei mir die Alarmglocken. Versuch keinen Zwilling in eine Box zu tun (lacht). Dann komme raus und mache es noch kranker. Wenn wir unterschätzt werden, zerstören wir einfach alles.
Und wie sieht es mit kritischeren Texten aus?
Ein bisschen. Aber es muss immer im Vibe bleiben. Ich bin keine Politikerin. Ich spreche Dinge an wie Nackedei-Frauen oder Braids bei hellhäutigen Personen. Und Männer: Dieses ganze „Du bist die eine“-Liebesgeschwafel ... Echte Liebe ist, wenn du den Menschen jeden Tag fragen könntest, wie es ihm geht, ’cause you really care. Und nicht dieses scheinbeziehungsmäßige Drama. Darum wird es demnächst viel gehen.

Was ist dein Lieblingstee?
Ingwer mit Zitrone und Honig. Und wenn es keinen frischen gibt, nehme ich auch einen frischen Pfefferminztee. Teebeutel bin ich nicht so der Fan von. Aber ich trinke auch alles außer Schwarztee, wenn mal nur Beutel da sind. Ich bin keine Diva. Nur manchmal.
PK Ace Tee August 2017 326A2586 innen jannick plume Art
Wann hast du deine Diva-Momente?
Wenn ich zum Beispiel Hunger habe, ganz schlimm. Dann kann es passieren, dass ich die ganze Zeit alles falsch verstehen will. Dann sagt mein Manager immer: „Oh-oh, Tariah Carey ist wieder da.“ Und ich merke, dass ich übertrieben habe und muss mich erst mal beruhigen.

Beim letzten Festival Theaterformen in Braunschweig waren Chefboss hier. Kennt ihr euch? Alice meinte, sie findet deine Musik derbe geil.
Oh, nice! Ja, die kenn ich. Ein paar Mädels von denen haben bei mir letztes Jahr auch getanzt. Richtig lustig ist, dass Maike, die Fronttänzerin, noch meine Krump-Lehrerin war. Da war ich 13, 14 oder so und habe angefangen zu krumpen. Es ist so verrückt, wie sich jetzt alles ergibt.

Bringst du auch neue Songs nach Braunschweig mit?
Auf jeden Fall. Ich mache ja nicht diesen „Ich hau dir in die Fresse“-Trap, aber es wird gesanglich schon ein bisschen trapig. So R&B-Trap mit funky 90er-Timberland-ish Vibe. Irgendwie die Mitte dazwischen (lacht).

Warst du schon mal hier?
Nee, noch nie. Ich bin ehrlich gesagt gespannt und freu mich drauf. We‘re gonna rock the place!

Text Evelyn Waldt
Fotos Jannick Plume, Arnorld Hammer

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