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Die zwölften Lesetage des Wolfsburger Hallenbad
mussten leider aufgrund des November-Lockdowns abgesagt werden. Trotzdem wollen wir euch drei spannende Autorinnen nicht vorenthalten.
Greift der Mensch zum Buch, wird er meist zum Einsiedlerkrebs. Gemütlich eingekuschelt auf der Couch, im Strandkorb an der Küste oder auf dem Arbeitsweg in der Bahn – durchs Lesen flüchten wir in eine andere Welt und stimulieren zeitgleich tausende Gehirnzellen, fördern die Fantasie und fordern uns heraus, das Gelesene zu reflektieren.
Doch so schön es auch sein mag, für sich allein in einem Buch zu schmökern, noch eindrucksvoller ist eine Autorenlesung: Wenn der Schriftsteller höchstpersönlich sein Buch vor Publikum liest und ein Raum geschaffen wird, seine eigene Interpretation mit der Intention des Autors zu vergleichen.
Die alljährlichen Lesetage im Wolfsburger Kulturzentrum Hallenbad zeichneten sich in der Vergangenheit durch namhafte, prominente Gäste aus wie dem kürzlich verstorbenen Journalisten und Kabarettisten Herbert Feuerstein, die Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis, den Satiriker Heinz Strunk oder die spitzzüngige Grande Dame der Unterhaltungskunst Désirée Nick. Auch in diesem Jahr sollten Persönlichkeiten höchster Güteklasse ihre literarischen Werke präsentieren, doch aufgrund des November-Lockdowns mussten die diesjährigen Lesetage leider abgesagt werden. Neben dem Kabarettisten Frank Goosen, dem komödiantischen Puppenspieler René Marik, dem Musiker Heinz Rudolf Kunze oder dem deutschen Literaturkritiker Ijoma Mangold hätte die beliebte Veranstaltungsreihe auch drei eindrucksvollen Frauen eine Bühne geboten, die wir euch aber trotzdem nicht vorenthalten wollen. Scheuklappen absetzen, Lauscher spitzen: Nun wird es ansatzweise feministisch.
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Is this a man’s world?
Billie Eilish, Beyoncé, Rihanna, Ariana Grande, Dua Lipa, Taylor Swift, Cardi B: Der derzeitige Pop-Himmel scheint nur so zu strotzen vor weiblichen Superstars. Doch während 2006 noch etwa 40 Prozent der Songs in den deutschen Charts von Frauen stammten, ist ihr Anteil bis zum heutigen Tag deutlich gesunken. So waren beispielsweise im vergangenen Oktober nur 22 Künstlerinnen in den Top 100 der deutschen Single Charts vertreten – sieben von ihnen aufgrund eines Features mit meist männlichen Rappern.
Man mag meinen, diese Diskrepanz sei ein Genre-Problem. Männerdominierter Deutsch-Rap ist schließlich fresher denn je und die Spot-ify Modus-Mio-Playlist momentan womöglich der einflussreichste Gatekeeper der Szene.
Doch diese Unausgewogenheit lässt sich auch häufig auf Festival-Plakaten beobachten: Im vergangenen Jahr zählte das Rock im Park Festival unter seinen 250 Acts nicht mal zehn Künstlerinnen. Von den Headliner-Slots fangen wir jetzt erst gar nicht an.
Und auch im Pop-Kosmos stehen Frauen derzeit nur noch in der zweiten Reihe. Woran liegt das? Gibt es einfach zu wenig gute Musikerinnen im Showbusiness?
In ihrem Herausgeberband „These Girls“ vollzieht die Kulturwissenschaftlerin und Musikredakteurin Juliane Streich einen Streifzug durch die feministische Musikgeschichte und präsentiert etliche inspirierende Künstlerinnen, die mit ihrem Griff zum Mikro, Instrument oder zur DJ-Software zu Rollenvorbildern wurden und anderen Frauen den Weg in die Musikindustrie ebneten.
Journalisten, Studenten, Fans und Freunde schreiben über Bands, die sie prägten, Frauen, die dem Feminismus eine neue Facette gaben und Lieblingsplatten, die den passenden Soundtrack zur aktuellen Lebenslage lieferten. Von Patti Smith über Nina Hagen bis zu Rihanna entblößen die jeweiligen Autoren ihre intimsten Anekdoten, Erfahrungen oder Meinungen zu ihren musikalischen Idolen. Dabei geht es um Selbstermächtigung, Gleichberechtigung, Wut, Sex, Drugs and Rock'n'Roll – aber auch vor allem um Musik.
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Pop, Punk und Paula
Einer Kritik am männerdominierten Musikbetrieb widmet sich auch Kolumnistin und Autorin Paula Irmschler in ihrem Romandebüt „Superbusen“. Mit ihrem Erstlingswerk lässt die „Titanic“-Redakteurin die Ära der Pop-Literatur wieder aufleben und tritt damit in die gewaltigen Fußstapfen des Schrift-Virtuosen Benjamin von Stuckrad-Barre.
Schlüsselfigur der Coming-of-Age-Geschichte ist Gisela, eine junge Frau in der Selbstfindung. Um sich von ihrer Familie und toxischen Freundschaften abzunabeln, zieht die Protagonistin zum Studieren von Dresden nach Chemnitz – eine Stadt, in die ungefähr niemand freiwillig zu ziehen scheint, die aber trotzdem zum Sehnsuchtsort in diesem Roman wird. Mit ihren neu gefundenen Freundinnen gründet sie die All-Female-Punk-Band Superbusen. Sie kiffen, trinken, feiern, bekämpfen Nazis. Damit demonstrieren sie, dass es auch Frauenfreundschaften abseits des „Sex and the City“-Klischees rund ums Shoppen, Bumsen und Heiraten gibt.
Die 31-jährige Jungautorin porträtiert in ihrem Pop-Roman nicht nur detailreich den genre-typischen selbstzweifelnden Gemütszustand der Twenty-Somethings, sondern implementiert auch eine kompromisslose politische Ebene. Ironisch, ehrlich, authentisch – „Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater. Magisch“, rezensierte Spiegel-Bestsellerautorin Margarete Stokowski den Debüt-Roman der Redakteurin.

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Die unendliche Geschichte der Selbstfindung
Niemand konnte in den 2000ern den geschwungenen IKEA-Spiegel so schön inszenieren wie Tine Wittler – Vorsitzende des letzten Deko-Handgriffs und Königin des schwedischen Mobiliars. Zehn Jahre moderierte die gutgelaunte Blondine das RTL-Format „Einsatz in 4 Wänden“ und inspirierte Millionen Fernsehzuschauer dazu, ihr Interieur zu modifizieren.
Doch noch bevor die Kult-Show über die deutschen Bildschirme flimmerte, veröffentlichte die studierte Kultur- und Kommunikations-wissenschaftlerin ihren Debütroman „Die Prinzessin und der Horst“, der bis heute ein absoluter Dauerbrenner in der Chick-Lit-Szene ist.
Humorvoll und ironisch erzählt Wittler die unterhaltsame Geschichte, um das chaotisch-anrührende Freundinnenpaar Mona und Eske. Während Talkshowredakteurin Mona glücklich mit ihrem Freund Crispin zusammenlebt, ist ihre BFF Eske Single und zu allem Übel auch noch gerade 30 geworden. Sich selbst dazu berufen, diesen Notstand zu beenden, durchforstet Mona das Internet nach potenziellem Heiratsmaterial für Eske. Der schlaue Plan funktioniert einwandfrei, bis sich ein ominöser „Rockster“ einmischt ...
Ein Roman à la „Bridget Jones“, der auf den ersten Blick zwar wenig feministisch wirkt, aber die Lebenswelt so mancher Frau auf Liebessuche realitätsnah beschreibt und schlussendlich zur erstrebenswerten Selbstfindung führt.

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Text Denise Rosenthal
Fotos Franziska Barth, Line Tsoj, Jessica Barthel

User Rating: 5 / 5

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