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Junge Kunst

4. September, Vernissage/
5. September - 21. November
Kunstgalerie (WOB)

Die Ausstellung „Fjármálahljóð“ des Künstlers Philipp Valenta bietet ab dem 5. September im Verein für Junge Kunst Wolfsburg Einblicke in die isländische Finanzwelt. Im Rahmen der phaenomenale zeigt Valenta zudem Lichtinstallationen am Schloss Wolfsburg.
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Seit über 20 Jahren wird in Wolfsburg die Kunst der heranwachsenden Generationen gefördert. Der Junge Kunst e. V. diente Künstlern schon oft als Sprungbrett, um auch überregional Aufmerksamkeit zu wecken. Als Teil des Wolfsburger Kunst-Netzwerks bietet der Verein eine große Vielfalt an künstlerischem Schaffen und in der Regel finden drei bis vier Ausstellungen pro Jahr statt. In diesem Jahr fiel die Entscheidung auf Philipp Valenta, der nach einem Aufenthalt in Island neue künstlerische Perspektiven auf die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 und die besondere Natur des Insel-Staates bietet. In der Ausstellung „Fjármálahljóð“, zu Deutsch „Finanzgeräusch“, vom 5. September bis 21. November in der Kunstgalerie Wolfsburg, macht der HBK-Absolvent die isländische Finanzwelt durch Sound erfahrbar und beschäftigt sich mit der Frage: Wie stark darf man die Natur für die wirtschaftliche Entwicklung ausnutzen? Ein Blick in die Landschaft, der gleichzeitig die Industrie zeigt: Ein abstraktes Gefühl, das künstlich wirkt. Wir haben uns mit dem 33-jährigen Hattinger für ein Interview getroffen und mit ihm über seine Arbeit und sein Kunstverständnis gesprochen.
War es eine Überwindung den Weg in die Kunst einzuschlagen?
Tatsächlich habe ich nie mit dem Gedanken gespielt, Kunst zu studieren, sondern Architektur. In Weimar schrieb ich mich für Werkstoff-Technik und für Freie Kunst ein. Schlussendlich bin ich bei der Kunst hängen geblieben. Jetzt geht mein Stipendium in Northeim zu Ende und die Wohnungssuche als selbstständiger Künstler ist schwierig. Aber ich habe meine Entscheidung nie bereut.

Welche Vorurteile haben die Menschen, wenn du ihnen erzählst, dass du Künstler bist?
(lacht) Es gab schon ganz interessante Kommentare. Ich hatte ein Einser-Abi und viele waren irritiert, dass ich Kunst studiere. Da dachte ich: Moment, deine Note sagt doch nicht viel aus. Aus der Familie und Verwandtschaft kam natürlich die Sorge, wie es weitergeht. Das war präsent, aber meine Eltern haben mich unterstützt und ohne sie hätte ich das Ganze auch nicht so durchziehen können.
Frustriert es dich, wenn Menschen deine Kunst nicht verstehen?
Weimar ist eine sehr konzeptuelle Schule und meine Arbeit ist das auch. Ich habe lange in der Kunst-Vermittlung gearbeitet und das immer so dargestellt, dass es eine gewisse Konzept-Mauer gibt. Beginnt man aber Kunst zu begreifen, kann man über diese Mauer hinwegsteigen. Man hat einerseits die Möglichkeit, das Konzept erklärend zu begleiten. Andererseits bin ich der Meinung, dass man es sich selber erschließen kann, wenn man sich dafür interessiert.

Was bedeutet Erfolg für dich?
Es ist so ein bisschen wie beim Besteigen eines Gipfels und man sieht nur den Nächsthöheren. Das macht die Sache manchmal ein bisschen anstrengend. Ich glaube aber, das ist ein Symptom der Gesellschaft. Ein Mechanismus des Erfolgs, den die Gesellschaft promotet. Für mich wäre Erfolg, wenn ich irgendwann sagen kann, dass ich der Vergangenheit nur wenig hinzuzufügen habe.

Deine Kunst behandelt vorwiegend gesellschaftskritische Themen. Wenn du eine Sache auf der Welt verbessern könntest, was wäre das?
(lacht) Das schwankt. Ich habe im Moment den Eindruck, dass es gar keinen alleinigen Ansatz gibt, um wie bei einer Stellschraube irgendwie alles in die richtige Richtung zu drehen. Mehr Bewusstsein, mehr Maßnahmen, um die Umwelt zu schützen, das wäre nachhaltig. Dass man sich bewusst wird, dass jeder nur Mensch ist. Einfach mal miteinander klarkommen, vorbehaltlos von allen Eigenschaften, die man hat.

Mit deiner Kunst hältst du der Gesellschaft den Spiegel vor Augen. Was siehst du, wenn du selbst in den Spiegel blickst?
(lacht laut) Uuuh. Zu lange Haare. (lacht nochmal) Wenn ich es philosophisch packe: Jemanden im Werden. (lacht wieder)
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2018 hast du ein Residenzstipendium für das Skaftfell Center for Visual Art in Seydisfjördur, Island, bekommen. Inwieweit hat dich der Aufenthalt geprägt?
Die Zeit in Island war besonders. Die Ausstellung hier ist die erste Präsentation des Projektes. Ich kannte das Institut schon, aber ich hatte es lange Zeit nicht auf dem Schirm, weil ein Residenzstudium für mich nicht realisierbar war. Das Goethe-Institut übernahm aber alle Kosten und ich begann, mich zehn Jahre später mit der Finanzkrise zu befassen und sie mit der musikalischen Tradition Islands zu verknüpfen. Ein Faktor hat mich auch nachhaltig beeinflusst: sich der Umwelt bewusst werden, in Form von Wetter. Geh raus, wenn die Sonne scheint, es kommen noch genug Regentage. Bei mir führt das zu einer enormen Entspannung.

„Fjármálahljóð“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen der isländischen Krise. Wie zeigt dieses Ereignis die Kraft des Finanzmarktes?
Das liegt vor allem daran, dass Island ein kleines Land ist. Im globalen Kontext ist Island außerdem eine sehr junge Volkswirtschaft. Das hat natürlich irgendwo einen großen beeinflussenden Effekt, sobald eine der großen Banken kippt, die ein Vielfaches der Wirtschaftsleistung des Staates ausmachen. Dadurch ist Island mehr oder weniger zusammengebrochen. Das hat zu einer Veränderung geführt. Island ist deshalb ein gutes Beispiel einer Nation, die – im Finanz-Jargon ausgedrückt – sehr volatil ist und ständig hin- und herschwingt.

Du sagtest mal: „Geld ist nur bedrucktes Papier“. Wie stehst du zur westlichen Luxus- und Überflussgesellschaft?
Einerseits kann sich niemand von uns davon freimachen, dass wir in dieser Gesellschaft leben. Was wir hier tun, gehört in gewisser Weise auch zum Luxussegment. Es stellt sich die Frage, inwieweit es möglich ist, aus einem System heraus, eben dieses hackerartig anzugreifen? Wie fest beißt man dabei in die Hand, die einen füttert? Sicherlich bin ich mir irgendwie meiner privilegierten Position bewusst, trotzdem ist es natürlich schwierig. Was mir immer klarer wird, ist die Frage, wie ökologisch die Gesellschaft ist. Was könnte man effizienter gestalten? Es ist eindeutig leichter, unökologischer zu arbeiten, wenn man weniger Geld hat.
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Warum ist Kunst wichtig für die Gesellschaft?
Ich glaube, dass viele sich gar nicht darüber bewusst sind, wie viel Kunst sie eigentlich tagtäglich sehen. Das fängt schon bei der Aldi-Tüte an. Die konkrete, konstruktive Kunst, die man im Museum sieht und die immer noch viele Gemüter beunruhigt, ist eingegangen in unser kollektives Designverständnis: Man möchte nur Schlichtes, klare Linien. Kunst ist ein wesentlicher Teil von ästhetischer Bildung: Die Möglichkeit, eine nicht nur auf wirtschaftliche Ambitionen ausgerichtete Perspektive zu haben. Mit diesem Blick können Zusammenhänge wahrgenommen werden, die man vorher vielleicht nicht gesehen hat.

Was erhoffst du dir hier von der Ausstellung in Wolfsburg?
Gute Rückmeldung! (lacht) Ich bin gespannt, wie die Ausstellung ankommt. Dadurch, dass es eben die erste Präsentation des Projektes ist, sind viele Dinge auch neu für mich. Ich bin sehr gespannt auf die Meinung der Leute.

Gibt es für dich einen Traum-Ort, an dem du gerne mal ausstellen würdest und wenn ja, wo?
Früher habe ich immer ein oder zwei Sachen gesagt. Mittlerweile denke ich, es gibt einige Ausstellungshäuser, die ich benennen könnte. Es gibt aber auch viele Off-Orte, die manchmal viel schöner sind; alleine von den Rückmeldungen, der Situation, dem Zusammensein. Das macht viel mehr Spaß. Objektivbetrachtet ist der Verein für Junge Kunst Wolfsburg sehr gut dabei, deshalb habe ich mich über die Einladung sehr gefreut.

Warum ist Kunst wichtig für die Gesellschaft?
Ich glaube, dass viele sich gar nicht darüber bewusst sind, wie viel Kunst sie eigentlich tagtäglich sehen. Das fängt schon bei der Aldi-Tüte an. Die konkrete, konstruktive Kunst, die man im Museum sieht und die immer noch viele Gemüter beunruhigt, ist eingegangen in unser kollektives Designverständnis:
Man möchte nur Schlichtes, klare Linien. Kunst ist ein wesentlicher Teil von ästhetischer Bildung: Die Möglichkeit, eine nicht nur auf wirtschaftliche Ambitionen ausgerichtete Perspektive zu haben. Mit diesem Blick können Zusammenhänge wahrgenommen werden, die man vorher vielleicht nicht gesehen hat.

Was erhoffst du dir hier von der Ausstellung in Wolfsburg?
Gute Rückmeldung! (lacht) Ich bin gespannt, wie die Ausstellung ankommt. Dadurch, dass es eben die erste Präsentation des Projektes ist, sind viele Dinge auch neu für mich. Ich bin sehr gespannt auf die Meinung der Leute.

Gibt es für dich einen Traum-Ort, an dem du gerne mal ausstellen würdest und wenn ja, wo?
Früher habe ich immer ein oder zwei Sachen gesagt. Mittlerweile denke ich, es gibt einige Ausstellungshäuser, die ich benennen könnte. Es gibt aber auch viele Off-Orte, die manchmal viel schöner sind; alleine von den Rückmeldungen, der Situation, dem Zusammensein. Das macht viel mehr Spaß. Objektivbetrachtet ist der Verein für Junge Kunst Wolfsburg sehr gut dabei, deshalb habe ich mich über die Einladung sehr gefreut.

Interview & Fotos Merle Scholz

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