Roberta Bergmann
gibt Tipps gegen Kreativflauten und Schaffenskrisen.
PK Kopffrei RBergmann Autorenfoto 5963 Art
Mit „Kopf frei für den kreativen Flow – Übungen, Impulse und Rezepte“ hat die Künstlerin und Autorin ihr zweites Sachbuch herausgebracht. Es soll dabei helfen, Denkblockaden nicht nur zu erkennen, sondern diese auch erfolgreich zu überwinden. Mit einem Erste-Hilfe-Kit für Kreative, quasi. Wir haben uns mit Roberta getroffen und natürlich selbst einige der Übungen ausprobiert.

Bist du in der kreativen Einbahnstraße gelandet?

SUBWAY verlost 2 x das Buch „Kopf frei für den kreativen Flow“. Um mitzumachen, schicke uns eine selbstgemachte Postkarte mit dem Stichwort „Flow“ und deiner Mail-Adresse oder Telefonnummer bis zum 30. April an S-Redaktion, Erzberg 45, 38126 Braunschweig. Viel Glück!
Du kommst ursprünglich aus Nordhausen, lebst aber seit fast 20 Jahren in Braunschweig. Warum hast du dich entschieden hierzubleiben?
Ich habe mein Leben nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben, dass ich nach dem HBK-Studium hiergeblieben bin. Schon während des Studiums habe ich mich zusammen mit vier Kommilitoninnen selbstständig gemacht und Tatendrang-Design gegründet. Dann hatten wir den Laden in Braunschweig, meine ganzen Freunde und mein Partner waren hier.

Was fehlt dir in der Kunstszene noch?
Eigentlich fehlt mir nichts so richtig. Viele kritisieren, dass es zwar viele Künstler aber wenig Galeristen gibt, die uns Künstler vertreten beziehungsweise ausstellen. Ausstellungsmöglichkeiten gibt es eigentlich genug. Neuerdings ja auch die halle267 – städtische galerie braunschweig, die Kunsthalle der Stadt. Aber wenn ich den Begriff „Kunst“ auf Musik und andere kulturelle Veranstaltungen erweitern würde, dann ist mir das manchmal zu sehr Mainstream, was hier geboten wird. Ich höre eher weniger normale Radio-Musik, sondern gerne Singer-Songwriter oder ungewöhnlichere Sachen. Dazu hat man live in Braunschweig nicht allzu oft die Möglichkeit. Das wäre etwa in Hamburg oder Berlin einfacher. Das gilt auch für den Bereich Kinofilme – wir haben zwar Kinos aber viele Filme gehen an mir vorbei, weil die hier nicht oder nur ganz kurz laufen. Oder zu den seltsamsten Uhrzeiten. Noch eine andere Sache aus Sicht des Künstlers: Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute gar nicht wissen, was es alles gibt oder nicht zu kleinen Veranstaltungen von eher unbekannten Künstlern gehen. Weil sie es nicht mitbekommen oder nicht aufmerksam sind. Da kann es für kleine Künstler schwierig sein, überhaupt Publikum zu ziehen. Alles in allem bin ich aber zufrieden mit Braunschweig.
Als Mitglied von verschiedenen Netzwerken und Projekten bist du in der Stadt und auch darüber hinaus sehr aktiv. Was waren deine wichtigsten Eckpfeiler?
Auf jeden Fall die Gründung meiner Firma und dass wir das Ladengeschäft, einen kulturellen Anlaufpunkt, so lange hatten. Das hat mich sehr geprägt. Dann auf jeden Fall die Kunstautomaten, die überall in der Stadt verteilt sind. Die zu bestücken ist sehr zeitaufwändig. Wir suchen immer wieder nach Lokalitäten für die Automaten und nach neuen Künstlern, die mitmachen wollen. Außerdem war ich sechs Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Professorin an der HBK beschäftigt, nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte. Das Professor-Sein war ein toller Lebensabschnitt, der mich sehr geprägt hat.

Unter anderem bist du am Projekt zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts beteiligt. Kannst du etwas über das Projekt erzählen und warum du Sibylle Berg gezeichnet hast?
Es ist eine Initiative von zwei Frauen aus Hamburg: Franziska Ruflair und Sabine Kranz haben das @100frauenprojekt ins Leben gerufen. Sie hatten die Idee, zu dem Anlass 100 Illustratorinnen zu bitten, 100 berühmte Frauen mit Deutschlandbezug zu illustrieren, um darauf aufmerksam zu machen, dass das Frauenwahlrecht immer noch sehr jung ist. Es gab eine Liste von berühmten Frauen der letzten 100 Jahre, aus der man sich jemanden aussuchen konnte. Ich lese Sibylle Berg sehr gerne und sie war noch frei (lacht). Sie ist eine tolle Frau, die ich schon drei Mal live bei Lesungen gesehen habe. Sie ist ungewöhnlich, gesellschaftskritisch und ihre gern mal politisch unkorrekte Meinung kann ich meistens unterschreiben. Ich habe sie auch gefragt, ob sie das Portrait okay findet und sie hat der Veröffentlichung zugestimmt.

„Ich habe die These aufgestellt, dass es verschiedene ­Kreativ- und Arbeits-Typen gibt“

Du hast mit „Kopf frei für den kreativen Flow“ dein zweites Sachbuch veröffentlicht. Wie kann es bei Blockaden helfen?
Das Buch ist für Menschen, die nicht mehr weiterkommen, weil sie blockiert sind oder in ihrem Alltag und ihrer eigenen Routine feststecken. Das ist meist die Gefahr, wenn man kreativ sein muss. Man hat aber oft dieselben Mechanismen, um auf Ideen zu kommen und dann fällt einem immer nur das Gleiche ein. In dem Buch erkläre ich zum einen 40 verschiedene Kreativitätstechniken, um Perspektiven aufzuzeigen, wie man auf neue Ideen kommen kann. Im zweiten Teil geht es um Blockaden und wie man diese lösen kann. Die blockierte Situation muss man zuerst realisieren, bevor man das Problem identifiziert und daran arbeiten kann.

Welche Probleme führen zu kreativen Blockaden?
Im Buch benenne ich verschiedene Gründe. Es gibt etwa Ängste und Kritik, die man bekommt, genauso sind Selbstkritik oder fehlendes Selbstbewusstsein Faktoren. Unvorhergesehene Situationen setzen einen unter Umständen unter Druck, was zu Stress führt. Energielosigkeit und Leere sind eine Vorstufe von Burn-out. Das kann man anhand der verschiedenen Erste-Hilfe-Maßnahmen in meinem Buch analysieren und dann etwas dagegen tun.

Richtet sich das Buch nur an Künstler?
Es ist für alle Kreativen. Es gibt den Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft, dazu gehören unter anderem Autoren, Filmemacher, Musiker, Architekten, bildende und darstellende Künstler, Designer und Entwickler von Computerspielen. Auch an die ist das Buch gerichtet, ich habe es recht allgemein formuliert, sodass es sich auf den jeweiligen Bereich anwenden lässt und es viele unterschiedliche Menschen nutzen können. Ich habe auf jeder Seite Beispiele, mit denen ich zeige, wie Leute meine Kreativ-Rezepte umsetzen. Beziehungsweise ich schließe von ihnen auf ein jeweiliges Rezept, eine kreative Methode. Ich stelle viele verschiedene Sparten vor, zum Thema „Musik“ etwa John Cage und David Bowie. Oder Marina Abramović und Francis Bacon aus der Bildenden Kunst. Und kreative Menschen, die kochen oder Möbel bauen. Ein interessantes Beispiel ist auch der technische Zeichner Henry Charles „Harry“ Beck, der den Londoner U-Bahn-Fahrplan entworfen hat, nachdem er einen elektrischen Schaltplan und die verschiedenfarbigen Schaltkreise sah.

PK Zeichnen Andrea Art

Gymnastik für’s Hirn: Viele Leute haben Angst vor dem weißen Blatt und wissen nicht, wie sie anfangen sollen. Synchronzeichnen zum locker werden ist eine gute Übung, um beide Gehirnhälften zu aktivieren. Man kann dabei nichts falsch machen und hat deswegen auch kein Negativerlebnis.

Du stellst auch Tricks von anderen vor, zum Beispiel David Bowies Zeitungsschnipsel-Technik für Liedtexte, bei der er Satzfetzen neu und intuitiv kombinierte. Hast du noch ein weiteres Beispiel?
Bezüglich des Rezepts „Üben, üben, üben“: Der Künstler und Bildhauer Alberto Giacometti war der Meinung, dass er überhaupt nicht gut war, in dem, was er tat. Er hat jeden Tag wie verrückt in seinem Atelier gearbeitet, war aber immer unzufrieden. Es gibt ein ganz tolles Buch von James Lord mit Interviews zwischen Giacometti und dem Autor. Lord hat ihn mehrere Male im Atelier besucht und mit ihm über seine Kunst geredet. Daher weiß man, dass Giacometti sehr an sich selbst zweifelte. Trotzdem hat er nicht aufgegeben und immer wieder versucht, eine perfekte Figur zu entwickeln. Ein anderes Rezept im Buch fordert dazu auf, ein kreatives Chaos zu produzieren. Das ist gerade für sehr ordentliche Menschen interessant und eine Herausforderung. Dafür gibt es zwei Beispiele im Buch. Illustratorin Ulrike Möltgen, die ich auch persönlich kenne, hat mal ein Foto von ihrem Wohnzimmer gepostet, auf dem man den Fußboden nicht mehr erkennen kann, weil er so voll mit ihren Arbeitsmaterialien ist. Das hat mich wiederum an Francis Bacon erinnert, der bekannt dafür war, seine Türen und Wände als Paletten zu benutzen. Das Ganze nahm messihafte Züge an, alles lag voll mit Papier und Arbeitsmaterialien. Aber er brauchte das, um kreativ zu sein.

Gibt es verschiedene Kreativ-Typen?
Ich habe die These aufgestellt, dass es verschiedene Kreativ- und Arbeits-Typen gibt. Dafür kann man in meinem Buch einen Fragebogen ausfüllen. Als Ergebnis erhält man eine „kreative Persönlichkeitsanalyse“, aus der man seine eigene Arbeitsweise ableiten kann und reflektiert bekommt, wie man auf andere wirkt und wo vielleicht die eigenen Stärken und Schwächen liegen.
Welcher bist du?
Ich bin eher eine Mischung aus dem pragmatisch-rationalen und dem künstlerisch-rebellischen Typ. Der Test ist so angelegt, dass man eine Tendenz ablesen kann, man muss nicht immer unbedingt nur zu einer Kategorie gehören. Bei dem Test geht es vor allem darum, sich mit sich selber zu beschäftigen und Dinge zu hinterfragen. Wie arbeite ich? Wie reagiere ich in bestimmten Situationen? Was bedeutet das für meine Arbeitsweise? Das macht man viel zu selten.

Wie diszipliniert muss man als Künstler sein?
Es kommt darauf an, was man erreichen will. Wenn man davon leben will, braucht man schon Durchhaltevermögen. Man muss sich mit Dingen beschäftigen, auf die man keine Lust hat. Es ist nicht leicht und macht auch nicht immer Spaß. Bei vielen ist es ein Kampf mit sich selbst oder mit der Sache, an der man arbeitet. Man kann eine Idee nicht immer so umsetzen, wie man es geplant hat. Wenn ich eine Idee für ein Bild habe, lande ich am Ende doch meist woanders. Aber das macht mir nichts. Picasso hat gesagt: „Ich fange mit einer bestimmten Absicht an und dann wird etwas ganz anderes daraus“. Genauso ist es bei den meisten Künstlern. Wer es schafft, es genauso umzusetzen wie geplant, ist meines Erachtens genial. Um zur Frage zurückzukommen: Wenn man Erfolg haben möchte, braucht es Disziplin und Enthusiasmus.
Was war deine größte kreative Flaute?
Eine gute Frage. So konkret fällt mir da nichts ein. Vielleicht: Ich fange manchmal Sachen an, von denen ich denke, die wären total cool (lacht). Irgendwann merke ich dann aber, dass das doch nicht so der große Wurf ist und höre wieder damit auf. Das ist aber in dem Sinne keine Flaute, weil ich ja etwas gemacht habe, oder? Vielleicht müsste ich aber in dem Moment auch länger durchhalten und mich quälen, bis der kreative Flow einsetzt? Ich habe so viele verschiedene Projekte, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn ich mal nicht weiterkomme und blockiert bin. Dann lege ich das erst mal weg und komme später darauf zurück.

Interview Katharina Holzberger
Fotos Roberta Bergmann, Katharina Holzberger

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