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Der Harzer Hörspielproduzent Martin Bolik erschafft mit seiner Hörbuch-Trilogie
„Zeitschiff Unicorn“ ein generationsübergreifendes Erinnerungs-Projekt.
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Das menschliche Ohr ist schon ein faszinierendes Organ. So sorgt es zum einen dafür, dass wir unseren Körper im Gleichgewicht halten, zum anderen wandelt es Schallwellen in elektrische Impulse um, die wiederum über den Hörnerv an das Hörzentrum im Gehirn geleitet werden – alles im Bruchteil einer Sekunde. Fast 23 Millionen Menschen in Deutschland nutzen ihr Gehör dabei am liebsten zum genussvollen Lauschen von Hörbüchern oder Hörspielen.
Während das Hörbuch von einer einzelnen Person vorgelesen wird und somit an eine Gute-Nacht-Geschichte erinnert, verkörpert das Hörspiel mit seinem Ensemble aus mehreren Sprechern das Kino für die Ohren. Das lebendige Zusammenspiel aus Stimmen, Soundeffekten, Musik und Dramaturgie lässt den Hörer in fremde Welten tauchen und durch seine Fantasie aktiver Teil der Geschichte werden. Bereits in den 1920er Jahren tönten die ersten Hörspiele durch die weltweiten Rundfunkgeräte. In Deutschland erlebten sie ihren großen Hype zwischen 1945 und 1960 als Substitut für die zerstörten Theater und Kinos durch den zweiten Weltkrieg. Seitdem haben sie nie an Popularität verloren. Besonders Kassettenkinder der Vorjahrtausendwende erinnern sich noch an unzählige Stunden mit „Bibi Blocksberg“, „Benjamin Blümchen“ oder an die spannenden Kriminalfälle der „Drei ???“, die bis heute spektakuläre 205 Hörspiele zählen. Jedoch ist das akustische Kino keinesfalls nur etwas für Kinder, denn auch Vampirjäger „John Sinclair“, Sci-Fi-Held „Perry Rhodan“ oder Reclam-Klassiker wie „Hamlet“ ziehen so manchen Erwachsenen in ihren Bann. Das bis heute wohl legendärste Hörspiel durchdrang am 30. Oktober 1938 den US-amerikanischen Äther: „Krieg der Welten“ von Orsen Welles verpackte die Geschichte einer Marsmenschen-Invasion in das akustische Gewand einer Live-Reportage und versetzte durch seine spürbare Authentizität viele Einwohner New Yorks und New Jerseys in Panik.
Flucht vor dem Vergessen
Auch im Harz werden fleißig Hörspiele produziert. Mit „Zeitschiff Unicorn“ hat Hörspielproduzent und Autor Martin Bolik alias Mr. Crocodile einen spannenden Fantasy-Sci-Fi-Mix um den aus Pommerellen stammenden Kire geschaffen, der die Fähigkeit besitzt, durch die Zeit zu reisen. Das Fundament der spannenden Trilogie beruht dabei auf wahren, historischen Ereignissen. So muss der Zeitschiffkapitän Kire im dritten Teil der Reihe „Krieg der Zeiten“ als Auserwählter in das Jahr 1945 zurückreisen, um seine durch die Schatten des Krieges verdunkelte Kindheit wiederzufinden. Um das sensible Thema Flucht und Vertreibung authentisch darstellen zu können, interviewte Mr. Crocodile vorab Zeitzeugen und involvierte Sprecher, die selbst noch den zweiten Weltkrieg miterlebt haben. „Da wir thematisch in unsere deutsche Fluchtvergangenheit gegangen sind, haben wir auch Kinder und Jugendliche eingebunden, die selbst einen Fluchthintergrund haben oder deren Großeltern geflohen sind“, erzählt Martin und erschafft mit „Zeitschiff Unicorn“ eine Art mediale Erinnerungs-Schatztruhe, die es auch auf Spotify zu hören gibt.
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Die Sprecher-Crew des Zeitschiffs besteht dabei aus Kindern und Jugendlichen sowie Starschauspielern und Sprechern wie Helmut Krauss, Heinz Hoenig, Ex-No Angel Jessica Wahls und Spongebob-Stimme Santiago Ziesmer, die während des dreijährigen Projekts zu einer Art großer Familie zusammenwuchsen. „Durch unsere Kinderhilfsinitiative ‚Children of Paradise‘ haben wir Kinder und Jugendliche gesucht, die zum einen nah am Thema sind und zum anderen etwas Besonderes haben. Das kann auch ein Handycap sein, welches dich auf ganz eigene Art besonders macht oder dich zwingt, über dich hinauszuwachsen“, verrät Mr. Crocodile, der auch jeden Samstag um 17 Uhr bei Radio Okerwelle für „Good Vibrations“ sorgt.
Die Idee stammt aus seinem privaten Umfeld, denn Martins ältester Sohn Louis hatte aufgrund einer nicht erkannten chronischen Ohrenentzündung vor der Schulzeit selbst eine Hör- und Sprachbehinderung. „Ich habe ihn die Gedichte meiner Mutter zitieren lassen, die Sprachstörungen herauseditiert und die fertigen Gedichte dann bei Okerwelle in ‚Good Vibrations‘ gesendet – die Geburtsstunde von ‚Louigies Lyrik‘. Dieses Zitatkonzept hat so gut funktioniert, dass ich es für die Hörspielproduktionen mit Kindern übernommen habe“, erklärt Martin. 15 Jahre später ist Louis immer noch mit Leidenschaft dabei und unterstützt seinen Vater bei der Produktion der Hörspiele, spricht in „Krieg der Zeiten“ den Zack und steht bei den Live-Auftritten mit auf der Bühne.
Die Umsetzung eines so großen Independent-Projekts wäre ohne den Support von Familie und Freunden nicht machbar gewesen, so Martin. So stehen dem enthusiastischen Autor nicht nur seine Frau und seine zwei Söhne zur Seite, auch die regionalen Musiker Volker und Billy Ray Schlag steuerten den harmonischen Soundtrack zu „Krieg der Zeiten“ bei. „Ich halte es für immens wichtig, dass man sich gerade regional unterstützt und gegenseitig mitnimmt – insbesondere, wenn dann auch der Erfolg kommt“, erzählt der 55-Jährige, „als Einzelkämpfer ist es heutzutage fast unmöglich, sein Projekt nach oben zu bringen. Gerade, wenn man unabhängig bleiben will.“ Denn seine Unabhängigkeit möchte sich Mr. Crocodile trotz des überraschenden Erfolgs von „Zeitschiff Unicorn“ weiterhin bewahren. Obwohl schon einige Produktionsfirmen ihr Interesse an den Filmrechten der Trilogie kundgegeben haben, besitzt Martin noch immer sämtliche Veröffentlichungsrechte. Als die Corona-Pandemie in diesem Jahr jedoch die Premiere von „Krieg der Zeiten“ auf der Leipziger Buchmesse durchkreuzte, sicherte sich der Hörfunksender MDR Tweens die Lizenz zum Erstsenden – mit allem, was dazugehört: Making-of, Kinotrailer, Interviews und alle drei Staffeln der Hörspielreihe. Der Beweis für Martin, dass es sich lohnt, seinen Träumen zu folgen.
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Kopf der Indie-Hörspiel-Szene
Trotz seiner 3 000 Sendestunden als „Good Vibrations“-Moderator auf Okerwelle und seinem Erfolg als erfolgreicher Hörspielproduzent und Autor hatte es Martin bislang nie in Betracht gezogen, selbst als Sprecher in „Zeitschiff Unicorn“ aufzutreten. Erst als sein Freund Helmut Krauss, bekannt aus „Löwenzahn“, ihm die Rolle als Erzähler ans Herz legte, weckte dies Mr. Crocodiles Neugier. „Er hatte die Liveshows gesehen, mich schon als Regisseur in der Produktion erlebt und wollte mit mir mit einer Brecht-Lesung auf Tour gehen“, erinnert sich Martin, „zuerst habe ich das natürlich kategorisch abgelehnt, da Radiomoderation und Liveshows eine Sache sind und professionelles Erzählen eine andere.“ Doch nach einigen erfolgreichen Probelesungen und Vorführungen wagte Martin den kalten Sprung ins Sprecher-Dasein und wurde durch die positiven Publikumsreaktionen zum Weitermachen motiviert.

„Ich möchte eine generationslose Geschichte für die Ewigkeit erschaffen“

Martins größter Traum wurzelt auf den Büchern und Filmen seiner Kindheit – mit „Zeitschiff Unicorn“ möchte er eine generationslose Geschichte für die Ewigkeit und ein Monument für die Menschen schaffen, die Teil der Geschichte sind, doch leider nicht mehr unter uns weilen. „Ich möchte meiner Mutter, aber auch meinen Freunden Helmut Krauss und Rolf Losansky, dem Meisterregisseur, gern mit den Geschichten ein literarisches Denkmal setzten.“

Text Denise Rosenthal
Fotos Martin Bolik

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