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Lesetage

2. bis 28. November /
Hallenbad / Sauna-Klub /
Stadtbibliothek / Planetarium (WOB)


Die elften Lesetage in vier Wolfsburger Locations bieten ein großes Spektrum aktueller Literaturthemen. Von Lachern zu Weinern, vom Boden der Realität zur bodenlosen Satire.
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PK Heinz Strunk 2019 Dennis Dirksen art
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PK Max Goldt c axel martens art
Eine Lesung zu erleben, ist so viel mehr, als sich mit den eigenen Scheuklappen selbst durch ein Buch zu arbeiten. Auch weit mehr, als gemütlich einem Hörbuch zu lauschen. Der Autor befindet sich im selben Raum, er erzählt, er geht auf sein Publikum ein, er unterbricht sein Programm vielleicht hier und da, schweift ab für eine Anekdote oder einen Kommentar. Aber vor allem beobachtet man den Schriftsteller dabei, wie er sich mit seinem eigenen Schaffen konfrontiert sieht, wie er sich verhält im Angesicht seiner Leser und Zuhörer, mit welchen Worten und Gesten er sein Werk vertritt, bewirbt oder auch mal selbst kritisiert. Die einmalige Gelegenheit, ein Buch, in das man sich vertieft hat, das einem vielleicht nahe gegangen ist oder einen zum Lachen gebracht hat, ganz neu und vor allem durch seinen Ursprung neu kennenzulernen.
Eine besonders exquisite Auswahl deutscher Autoren wird bei den diesjährigen Lesetagen im Hallenbad über ihre Machwerke sprechen. Seit den ersten Lesetagen 2008 hält das Programm ein sehr hohes Niveau, dem auch die Veranstaltungen in diesem Jahr in nichts nachstehen: Literaturgröße trifft Popkultur, trifft Gesellschaftskritik, trifft Regionalität. Wir haben uns einige Highlights herausgepickt.
Gesellschaftssatiren
Für seinen grotesken Humor und seine beißende Ironie wurde der Berliner Autor Max Goldt schon vielfach ausgezeichnet. Der 1958 Geborene hat in den 1980er im rebellischen Westberlin als Sänger und Musiker Platten herausgebracht und sich erst spät der Literatur gewidmet. Seither sind zahlreiche kurzweilige Bücher und Kolumnen, unter anderem für das Satire-Magazin Titanic, erschienen. Zusammen mit dem Cartoonisten Stephan Katz hat er sechs Kurz-Comics herausgebracht und nicht zuletzt unzählige Hörbücher veröffentlicht, in denen seine intelligenten Pointen, sein Wortwitz und seine sprachliche Eleganz besonders gut zum Ausdruck kommen.

„Das Publikum klatscht doch nicht, weil ein Lied besonders gut ist, sondern weil es ein Lied bereits kennt. Es beklatscht sein eigenes Gedächtnis“, hat er mal gesagt. Eben mit diesem sympathisch-schonungslosen Realismus wird er seinem Publikum auch im Hallenbad den Spiegel vorhalten, wenn er am 2. November neue und alte seiner Texte vorträgt.

In einem ähnlichen Teich fischt das Hamburger Komik-Multitalent Heinz Strunk. Einzigartig und unvergleichlich ist sein augenzwinkernder Blick auf gesellschaftliche Geschehnisse und Vorgänge, amüsante, bissige und absurde Alltagsbeobachtungen, die vielfach schlicht und ergreifend Quatsch sind, bei genauerem Hinsehen aber auch einiges an Trüb- und Tiefsinn in sich tragen.

Mancher alte Hardcore-Fan erinnert sich noch an die urkomischen Telefonstreiche von Strunks Komiker-Trio Studio Braun Ende der 1990er. Mit seinen Kompagnons Rocko Schamoni und Jacques Palminger hat er 2012 auch die Mockumentary „Fraktus“ gedreht. Andere kennen Strunks Musik, seine Filmauftritte und seit „Fleisch ist mein Gemüse“ von 2004 auch dessen Bücher. Ein breites Fernsehpublikum schätzt seit sechs Jahren seine Beiträge im Satire-Wochenmagazin Extra 3.


Am 17. September erschien das aktuelle Buch „Nach Notat zu Bett“ der 57-Jährigen bei Rowohlt. Über sein letztes Buch, „Der goldene Handschuh“, und dessen diesjährige Kinoverfilmung durch Kult-Regisseur Fatih Akin wird aktuell viel gesprochen. Für seine Werke ist Heinz Strunk mehrfach ausgezeichnet worden. Am 22. November wird er über alles sprechen, was ihn momentan juckt. Mit dabei: Texte aus Strunks Blog „Intimschatulle“ und sein Saxophon.

Zum SUBWAY-Interview im vergangenen Februar war Heinzer nicht besonders gut drauf. Am 22. November im Hallenbad wird er sicherlich bessere Laune mitbringen, auch wenn er vorher schon neun abendliche Auftritte am Stück in der ganzen Republik absolviert haben wird.
Was uns bewegt
In starkem Gegensatz zu Goldt und Strunk steht sicherlich das aktuelle Thema der quirligen, selbstbewussten Moderatorin und Schriftstellerin Sarah Kuttner, die doch eigentlich immer für ihren ansteckenden Frohsinn und provokanten Humor bekannt ist. In ihrem im Frühjahr erschienenen Roman „Kurt“ schreibt sie über Verlust, Trauer und Kraft nach einem Kindstod. Emotional und ohne Kitsch malt Kuttner mit Worten Bilder, die die Facetten jenes Schmerzes nachvollziehbar machen können. Eine tiefstechende Tragödie, rührend und dabei doch wunderschön. Und sogar auch mit etwas Humor, denn ganz ohne geht es bei Kuttner nicht. Harter Tobak, den die 40-Jährige sensibel und rührend zu vermitteln versteht. Kuttner stellt „Kurt“ am 15. November vor.

Ebenso treffende und nachvollziehbare Worte für Existenzielles, das uns jenseits von Humor und Sorglosigkeit im Alltag bewegt, findet stets auch der Ausnahmepolitiker Gregor Gysi. Direkt, ehrlich und unverblümt spricht der Star der linken Szene über gesellschaftspolitische Themen und Zusammenhänge und schöpft dabei aus seiner jahrzehntelangen persönlichen Erfahrung als Politiker. Aber auch seine anderen vielfachen Lebensrollen – Anwalt, Autor, Moderator und Familienvater – haben ihn geprägt und weiter gebracht. Vor zwei Jahren erschien Gysis Autobiographie „Ein Leben ist zu wenig“, über die der 71-Jährige am 28. November zum Abschluss der Lesetage sprechen wird. Der Auftritt des Profi-Redners soll keine klassische Lesung werden, sondern vielmehr ein lockerer Unterhaltungsabend, an dem sicherlich auch viel gelacht werden wird.
Programmperipherie
Einige weitere Literatur-Promis und -Profis werden bei den Lesetagen mit dabei sein, darunter die Schauspielerinnen und Synchronsprecherinnen Katrin Bauerfeind und Suzanne von Borsody oder der einstige Spex-Chefredakteur Dietmar Dath.
Aber auch die Literaturszene der Region ist vertreten: Der Braunschweiger Schriftsteller Frank Schäfer wird am 9. November über seine aktuelle Buchveröffentlichung „Hear ‘em All“ sprechen, in der es um sein Lieblingsthema geht, den Heavy Metal. Aus seiner Plattensammlung stellt er nicht nur die Must-Know-Welthits vor, sondern gräbt auch unbekanntere Songs aus, die für einen echten Metalhead ebenso als Klassiker gelten sollten. Krönender Abschluss wird natürlich eine Party sein, auf der zu all den zuvor durchexerzierten Meisterwerken abgefeiert und geheadbangt werden darf.

Text Benyamin Bahri
Fotos Axel Martens, Katharina Hintze, Joachim Gern, Dennis Dirksen

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