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Festival Theaterformen

2. bis 12. Juli/ div. Orte (BS)

theaterformen.de

Das Festival Theaterformen wird in diesem Jahr als pandemietaugliche
Sonderausgabe „A Sea Of Islands“ vom 2. bis zum 12. Juli in Braunschweig
und online stattfinden. Die Künstlerische Festivalleiterin
Martine Dennewald im SUBWAY-Interview.
MartineDennewald Foto KatrinRibbe art
Eigentlich wollte Martine Dennewald, die als künstlerische Leiterin bereits sechs Mal das Festival Theaterformen kuratierte, mit dem diesjährigen 30. Jubiläum des Festivals ihren Abschied feiern. Doch die Corona-Pandemie stellte die gebürtige Luxemburgerin vor eine noch nie dagewesene Herausforderung. Aufgeben war jedoch nie eine Option, deshalb kommt das Festival in diesem Jahr als pandemietaugliche Sonderausgabe „A Sea Of Islands“ daher und nimmt seine Zuschauer vom 2. bis zum 12. Juli mit auf eine künstlerisch-partizipative Insel-Expedition. Wir haben mit der studierten Dramaturgin über die Herausforderungen sowie Chancen und Möglichkeit eines digitalen Festivals gesprochen und nachgefragt, wie schwer ihr der Abschied unter diesen Umständen fällt.

Martine, andere Veranstalter verschieben ihre Festivals einfach auf das nächste Jahr. Warum haltet ihr an einer Realisierung des Festivals Theaterformen fest?
Das 30-jährige Jubiläum des Festivals Theaterformen ist meine sechste und gleichzeitig letzte Ausgabe. Ab Herbst wird meine Nachfolgerin Anna Mülter das Festival leiten und es findet 2021 in Hannover statt. Eine Verschiebung ist damit aus dispositionellen und personellen Gründen ausgeschlossen. Zudem hatten wir mit den in der Welt verstreuten Inseln, ihrer isolierten Lage und gleichzeitigen Verbundenheit, ein Thema gewählt, das gerade jetzt Relevanz hat. Es lohnte sich also, mit den eingeladenen Künstler*innen nach pandemietauglichen Lösungen zu suchen.

Seit 2014 bist du künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen – 2020 folgt nun die letzte Ausgabe des Festivals unter deiner Leitung. Wie schwer fällt dir der Abschied? Bist du enttäuscht, dass das Corona-Virus eure Festivalplanung durchkreuzt hat?
Die Pandemie und ihre Folgen sind Ereignisse von globaler Tragweite, da fällt ein Theaterfestival, das sich neu erfinden muss, nicht wirklich ins Gewicht, und für die Kunst- und Kulturpolitik stellen sich in den nächsten Monaten grundlegende Fragen, die wir als einzelnes Festival nicht beantworten können. Aber in der kurzen Zeit, die wir haben, machen wir das Beste draus. Auch wenn nichts das gemeinsame Theatererlebnis ersetzen kann, freue ich mich auf die Kunstwerke, die wir als Installationen unter Wahrung der Hygienevorschriften und als neu entstandene Videoarbeiten auf unserer Website zeigen.
Wie kann man sich die Planung eines digitalen Festivals vorstellen?
Für uns war entscheidend, dass wir bei unserem Inselthema bleiben und weiterhin mit den bereits eingeladenen Künstler*innen arbeiten. Es ging also nicht darum, ein von Grund auf neu konzipiertes digitales Festival zu kuratieren. Das Festival Theaterformen 2020 wird nur zur Hälfte digital stattfinden, denn zwei Compagnien haben sich dafür entschieden, ihrem Publikum etwas nach Hause zu schicken, und weitere fünf Werke sind als Installationen in Braunschweig mit sicherem Abstand zu besichtigen.

Welche Unterstützung erhaltet ihr?
Wir sind sehr dankbar, dass unsere Förderer uns treu geblieben sind und diese „Sonderausgabe“ des Festivals angemessen unterstützen.

Welche Chancen und Möglichkeiten bietet ein digitales Festival Theaterformen?
Es ist, wie gesagt, nur etwa die Hälfte des Festivals, die in digitaler Form stattfindet. Wir können hier ein viel breiter gestreutes Publikum erreichen als sonst, vom internationalen Fachpublikum bis zu den lokalen Fans der Künstler*innen in ihren Heimatländern. Gleichzeitig schafft das Internet aber auch Zugangsbarrieren, wenn etwa jemand mit der Technik nicht so vertraut ist. Wir werden uns sehr bemühen, alle mitzunehmen.

Es soll nicht bei einem rein digitalen Festival bleiben, da ein nicht unwesentlicher Teil auch analog in Braunschweig stattfinden kann. Kannst du verraten, was geplant ist und wie die Umsetzung aussehen wird?
Grenzgänge zwischen dem zeitgenössischen Theater und der bildenden Kunst sind nicht so ungewöhnlich, wie man meinen könnte. Heutzutage setzen viele Theaterkünstler*innen Mittel wie Video, Musik, Text und szenische Gestaltung auch jenseits der Bühne ein, ganz gleich, ob sie ihre Installationen dann im Museum, im Theater oder auf einer Kunstbiennale zeigen. Gerade jetzt haben diese Werke den Vorteil, dass man sie einzeln und mit Abstand betrachten kann und sie einem dennoch ein dreidimensionales, alle Sinne ansprechendes Erlebnis bieten, so wie auch das Theater es tut.

Der Titel des Festivals ist auch Programm: Die Besucher werden während der elf Festivaltage Inselhopping betreiben und mit der politischen Lage, Geschichte und Kultur oftmals „fremder“ Inseln in Berührung kommen. Das Festival Theaterformen ist ja bekannt dafür, einen Raum für künstlerischen und diskursiven Austausch zu bieten. Aufgrund des „Physical Distancing“ fällt es nun schwer mit anderen Menschen über das Erlebte/Gesehene zu diskutieren. Wird es die Möglichkeit geben, sich während des Live-Streams im Chat auszutauschen?
Wir planen als Teil unseres digitalen Angebots auch Live-Gespräche mit den Künstler*innen, in denen das Publikum über einen Chat zu Wort kommen kann. Ich habe versprochen, dass die Compagnie mit der besten Einschaltquote ein kleines Geschenk bekommt, Sie können also Ihre*n Lieblingskünstler*in aktiv unterstützen, indem Sie zuschauen!
2018 MartineDennewald Foto JacquelineMoschkau art

In europäischen Industriestaaten herrscht vorwiegend ethnozentrisches Denken vor. Somit ist die Sichtbarmachung „fremder“ Kulturen äußerst relevant, um den Eindruck scheinbarer Fremdartigkeit zu zerschlagen. Was ist eure Intention hinter „A Sea Of Islands“?
Diese Unterscheidung von „fremd“ und „vertraut“ ist mir grundsätzlich suspekt. Auf ausreichend hartnäckige Nachfrage hin stellt sich meistens heraus, dass diese Begriffe willkürliche Zuordnungen sind. Nicht selten dienen sie ideologischen oder politischen Zwecken, die sie zudem noch verschleiern, indem der Unterschied als naturgegeben dargestellt wird. So gut wie alle geisteswissenschaftlichen Disziplinen haben in den letzten Jahrzehnten erforscht, wie das weiße europäische Denken sich seit der Aufklärung ein „Anderes“, „Fremdes“ konstruiert hat. Und welche katastrophalen Folgen diese Konstruktion für diejenigen hatte und noch hat, die sich auf der falschen Seite der Gleichung befinden. „A Sea of Islands“ versucht ganz einfach, unseren Blick auf die Welt ein klein wenig zu verrücken, indem die vermeintliche Peripherie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gelangt – und sich dabei überhaupt nicht als marginal, sondern als vielfältig, aufschlussreich und relevant entpuppt.

Worauf freust du dich am meisten?
Am meisten freue ich mich auf die Installation „A Thousand Ways“ des US-amerikanischen Regieduos 600 HIGHWAYMEN. Unter all unseren pandemietauglichen Formaten ist diese hygienisch sichere Begegnung mit einer gänzlich fremden Person das, was einem Theatererlebnis am nächsten kommt.

Interview Denise Rosenthal
Fotos Katrin Ribbe, Jacqueline Moschkau

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