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Die Hanfbar ist nicht totzukriegen. Statt nach all dem Stress den Kopf in den Sand zu stecken, preschen Bardia und Marcel nach vorne. „Alles ist entspannt, alles easy, alles legal“,
ließen sie uns wissen.
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Braunschweig hat sie, Berlin, Köln und neuerdings auch Bremen beheimaten Zweigstellen. Die Hanfbar. Was klingt, wie das Eldorado für den emsigsten Amsterdam Touristen ist in Wirklichkeit ein Gesundheitsladen durch und durch. Das Start-up Unternehmen hat in 2018 unglaublich an Bekanntheit gewonnen. Doch liegt das neben der Arbeit in der Unternehmung von Marcel Kaine und Bardia Hatefi selbst vor allem auch an großangelegten, medienwirksamen Polizeidurchsuchungen der Geschäftsräume und der fünf Wochen währenden Untersuchungshaft von Marcel. Das Konzept der Hanfbar klingt selbstredend erst mal ein bisschen nach Coffeeshop, und sei der Verkaufsgegenstand Hanfblüte auch zumindest ungewöhnlich, so umweht die Hanfbar doch eher ein Flair von Reformhaus und Bioladen. SUBWAY hat mit Chef Bardia Hatefi über sein boomendes Start-up und das verrufene Wunderkraut gesprochen.
Alter Hanf in neuen Schläuchen?
„Es ist ein Zurück zu den Wurzeln 2.0“, sagt Bardia und holt aus: „Hanf hat eine Jahrtausende alte Kultur, auch in Deutschland. Hanfprodukte wurden bei der Hälfte aller Krankheitsbilder eingesetzt. Es gibt so viele Möglichkeiten, die alle mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind.“ Wir sitzen auf Designersesseln, es gibt frisch gebrühten Hanftee aus einem Erlenmeyerkolben. Kriminelles „Breaking Bad“-Feeling kommt deswegen aber nicht auf. Das Ambiente ist gediegen, auf rustikalen Holzpalettenmöbeln türmen sich bunte Kissen, im Hintergrund rieseln entspannte Hip-Hop-Beats. Zu Anfang baute die Hanfbar noch auf ein reines Gastronomiekonzept und verschrieb sich ganz dem Anbieten von Getränken und Snacks mit Hanf als Inhaltsstoff. Mittlerweile wurde das Angebot aber vor allem auch um einen Gesundheitsaspekt erweitert.
„Es kommen viele kranke Leute zu uns, die mit klassischen Behandlungsmethoden mehr als unzufrieden waren und nun mit unseren Produkten bessere Ergebnisse erzielen, als sie sich zu wünschen gewagt hätten. Der gesunde Mensch hat tausend Wünsche, der Kranke hat nur einen. Es gibt so viele Senioren, die ihre Vorurteile über Bord werfen und sich dann mit Hanf beschäftigen, weil sie darin einen letzten Strohhalm sehen und sich sagen, dass es doch einen Versuch wert sein könnte. Ich kriege manchmal Gänsehaut, wenn ich sehe, wie deren Weltbild zusammenbricht und sie total glücklich und dankbar darüber sind, dass sie etwas gefunden haben, was ihnen hilft und sie wieder am Leben teilnehmen lässt“, so Bardia.
Die Aufregung über sein Unternehmen, die in mehrere Hausdurchsuchungen, umfangreiche Geldmittel- und Warenbeschlagnahmungen und schließlich sogar die Inhaftierng seines Geschäftspartners Marcel Kaine mündete, versteht der 36-Jährige Hanfunternehmer nur bedingt: „Es ist überall bekannt, dass unverarbeitete Hanfprodukte auch in Teeläden, Reformhäusern, Bioläden und in Apotheken rezeptfrei verkauft werden. Nur hat es einfach nie jemanden interessiert. Jetzt kommt ein Laden der sich Hanfbar nennt und das ganze ein bisschen größer aufzieht und schon wird der Daumen draufgehalten. Das wirft schon Fragen auf.“ Verwunderlich ist bisweilen vor allem die Auslegung der Bundesgesetze im Zusammenhang mit dem Verkauf von Hanfprodukten. Streitthema ist hierbei der Anteil von THC, dem berauschenden Bestandteil der Pflanze. „Leider ist nicht jeder Amtsinhaber gleichermaßen informiert“, bedauert Bardia. „In fortschrittlicheren Städten bestehen hier keinerlei Probleme.“
Laut Staatsanwaltschaft sollte noch 2018 Anklage gegen die Jungunternehmer erhoben werden, bei Redaktionsschluss kurz vor Weihnachten war dies nicht der Fall. „Ich glaube, die Behörden haben uns da auch einfach unterschätzt. Man hatte sicherlich erwartet, dass wir durch die finanzielle Belastung untergehen und die Lust verlieren. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir werden es wenn nötig bis zum europäischen Gerichtshof durchziehen. Dafür haben wir die Motivation, die Mittel, die Möglichkeiten und vor allem auch: Die Argumente.“
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Ausgebremste Aufklärung
Ursprünglich wollte die Hanfbar sogar eine wissenschaftliche Studie zu ihren Hanfprodukten anfertigen lassen und stand im Austausch mit Instituten im Ruhrgebiet. Ziel des Ganzen: Eine sachliche Aufbereitung und die Feststellung von Tatsachen im Umgang mit dem heiklen Thema Hanf, eine der Herzensangelegenheiten von Bardia Hatefi. Doch durch die finanzielle Belastung unter anderem durch Anwaltskosten musste das Projekt auf Eis gelegt werden: „Die Studie sollte im Jahr 2019 anlaufen und die Vorbereitungen laufen bereits seit einem Jahr. Das musste jetzt eingefroren werden, was schade ist, da viele Fragen, wie etwa der Einfluss auf die Schlafqualität durch Nutzhanf und seine Wirkstoffe jetzt nicht weiter erforscht werden können.“

Expansion trotz Gegenwind
Trotz des schwierigen Fahrwassers in dem sich der Hanfbar-Dampfer bewegt, hat das Unternehmen expandieren können. Das Konzept hat in vielen Ecken der Bundesrepublik Anklang gefunden. Mittlerweile gehen Marcel und Bardia daher auch dazu über, die Idee als solche zu vermarkten und die Rechte am Namen weiterzugeben. „Bremen ist die fünfte Filiale und gleichzeitig der erste Franchise-Nehmer. Die haben da jetzt ihre eigene Hanfbar. Nach wie vor wollen wir aber eng zusammenarbeiten und die Kollegen dort unterstützen. Es geht um unsere drei Kernpunkte: Gesundheit, Nachhaltigkeit und Genuss. Diese Grundsätze müssen von jedem der Franchise-Nehmer natürlich vertreten und gelebt werden.

„Unsere drei Kernpunkte: Gesundheit, Nachhaltigkeit und Genuss“

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Und wie steht es um die ersten Reaktionen der Bremer Behörden? Bardia ist guter Dinge: „Wir haben die Polizei zu uns eingeladen und der Bremer Revierleiter kam mit einem Kollegen vorbei. Die haben sich das angeschaut und wir haben ein langes, intensives Gespräch gehabt. Wir haben ganz klar
signalisiert, dass wir nicht nur gesprächsbereit sind, sondern auch gerne mit den Behörden zusammenarbeiten.“ Dass Hanf gerade auch im politischen Kontext ein immer größeres Thema wird, ist für Bardia ebenso sichtbar. Nicht umsonst steht bei einigen der großen Parteien schließlich inzwischen auch eine komplette Legalisierung auf der Agenda. „Seitens des Senats in Bremen kam bisher auch nur positives Feedback. Aus deren Sicht liegt eben kein Straftatbestand vor. Alles ist entspannt, alles easy, alles legal.“
Die Querelen in Braunschweig haben Bardia und Marcel zwar nicht den Spaß an der Sache genommen, stattdessen bahnt sich allerdings ein Tapetenwechsel an: „Uns hält nicht mehr viel hier. Wir werden unseren Hauptsitz aus Braunschweig entfernen und hier lediglich die Betriebsstätten erhalten. Der Sitz unserer GmbH und damit auch die zu zahlenden Steuern werden in ein Bundesland und eine Stadt verlegt, die es unserer Meinung nach verdient hat, die Hanfbar ihr eigen nennen zu dürfen.“ Immerhin hat sich das Start-up seit 2017 zu einer ernstzunehmenden mittelständischen Wirtschaftsinstanz aufgeschwungen, wie Bardia verdeutlicht: „Wir gehören zu den erfolgreichsten Start-ups des gesamten Landes. Wir haben innerhalb eines halben Jahres 22 Arbeitsplätze aufgebaut, die meisten davon fest. Wir haben nie damit gerechnet, dass uns eine Stadt wie Braunschweig den roten Teppich ausrollen und uns die Füße küssen würde, doch zumindest keine Steine in den Weg gelegt zu bekommen hatten wir schon erwartet.“ So starten Bardia und Marcel auf diesem Kurs auch weiter ins junge Jahr 2019. Zwei weitere neue Filialen sollen eröffnet werden. Die Standorte wollte Bardia während unseres Interviews noch nicht verraten. Es blieb bei dem Hinweis, dass der Ruhrpott, der hohe Norden und Ostdeutschland sich demnächst über eigene Hanfbar-Niederlassungen freuen dürfen. Die Antwort also auf den Behördenstress? Expansion mit voller Kraft.
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Raus aus der Filterblase
„Ich kann nur jedem ans Herz legen, nicht gleich das zu schlucken, was ihm aufgetischt wird, sondern Dinge zu hinterfragen und sich selber zu informieren. Nutzhanf ist die nachhaltigste Nutzpflanze der Welt. Hanf kann die eigene Ernährung immens aufwerten, dazu braucht man keine Superfoods vom anderen Ende der Welt zu importieren. Das geht mit dem Hanf, der hierzulande wächst. Man kann Plastik, Textilien und Baumaterialien aus Hanf herstellen. Der Hanfeigene Wirkstoff CBD ist ein Hausmittel gegen viele Beschwerden. Jeder sollte sich einfach nur ausreichend darüber informieren“, schließt er harmoniesuchend ab. „Ich möchte alle Kritiker dazu ermutigen, in den Laden zu kommen und mir ihre Fragen um die Ohren zu hauen. Einzige Bedingung ist, dass sie bereit sein müssen, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen, sofern die Argumente passen.“

Text Simon Henke
Fotos Robert Wiebusch, Till Faulbaum,
Joshua Rainey-Fotolia.com

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