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Abschiedsspaziergang des Lichtparcours 2016

Der vierte Braunschweiger Lichtparcours endete am 22. September, danach werden zwölf der 15 Kunstwerke, die seit Juni das Stadtbild verändern, wieder abgebaut. Grund genug noch einen letzten abendlichen Spaziergang entlang der Licht-Kunstwerke zu unternehmen.

Lichtparcours Braunschweig 2016 Rotes Haus

Während der späten Sommerdämmerung möchte ich meinen Lichtparcoursspaziergang endlich beginnen. Doch bevor es los geht, werfe ich einen Blick auf die Karte: Die sehr offensichtlichen Kunstwerke an prominenten Standorten wie Alfredo Jaars „Kultur = Kapital“ am Braunschweiger Einkaufsschloss oder Tobias Rehbergers beleuchteter Imbiss „BEI PESS u. PUSE“ am Kennedy-Platz habe ich bereits mehrmals gesehen, und plane sie erst einmal nicht in meine Route ein. Ich starte am Petritorwall. Dort soll mich ein Holzverschlag mit Neonröhren erwarten, der Titel lautet „OWN-AUS“. Bereits auf dem Weg merke ich an diesem lauen Sommerabend, dass ich nicht allein bin. Neben den „Pokémon GO“-Spielern an der Alten Waage, treffe ich auf zahlreiche kleine Gruppen, die mit der gleichen Karte in der Hand unterwegs sind. Am Kunstwerk angekommen, fallen zwei Sachen auf: Es ist verdammt hell und warum stehen die Leute da Schlange? Die beiden Seiten der Holzkonstruktion sind mit jeweils einem Wort versehen „OWN“ und „air“. Ich stelle mich an. Mit jedem Aufrücken (es sind wirklich viele Leute dagewesen) wird das seltsame Geräusch aus dem Inneren deutlicher. Etwas atmet! Ist es Darth Vader? Nicht ganz, denn bevor ich durch die Scheibe das Innenleben erforschen kann, blendet mich ein noch grelleres Licht an. Es reicht! Mit kleinen weißen Pünktchen in meinem Gesichtsfeld verlasse ich das erste Exponat.

Menschen, die tanzen, lachen und feiern – im Schein der Straßenlaternen und Bühnenbeleuchtung. Sommerabendgefühle deluxe.

Im Marsch durch in den dunklen Gauß-Park blitzen die Lichter der Oker-Häuser zwischen den Blättern hervor – irgendwie auch schön. Der Park ist trotz eines indigofarbenen Himmels sehr belebt. Ein paar junge Leute grillen. Ein Paar hat es sich auf einer Parkbank gemütlich gemacht und redet leise. Plötzlich flitzt ein kleiner Hund über die Wiese. Geradewegs zum nächsten Ausstellungsstück. Eine bessere Einleitung kann kein Künstler bekommen. Thilo Frank hat mit „You and me, wandering on the snake’s tail“ eine schöne kreisförmige Skulptur geschaffen, die man von innen und von außen betrachten kann. Im Park wirkt sie, als gehöre sie, wie die Bäume und Bänke, einfach dazu. Für Augen ist die Skulptur Ruhepol und Spannungselement zugleich. Der Hund schnüffelt neben mit am Gras, dann läuft er Richtung Oker weiter. Ich höre seine Besitzer nach ihm rufen und ich laufe in Richtung der Gauß-Statue, auch sie wirkt in dem Zwielicht, als wolle sie Teil des Parcours werden.

Im Marsch durch in den dunklen Gauß-Park blitzen die Lichter der Oker-Häuser zwischen den Blättern hervor – irgendwie auch schön. Der Park ist trotz eines indigofarbenen Himmels sehr belebt. Ein paar junge Leute grillen. Ein Paar hat es sich auf einer Parkbank gemütlich gemacht und redet leise. Plötzlich flitzt ein kleiner Hund über die Wiese. Geradewegs zum nächsten Ausstellungsstück. Eine bessere Einleitung kann kein Künstler bekommen. Thilo Frank hat mit „You and me, wandering on the snake’s tail“ eine schöne kreisförmige Skulptur geschaffen, die man von innen und von außen betrachten kann. Im Park wirkt sie, als gehöre sie, wie die Bäume und Bänke, einfach dazu. Für Augen ist die Skulptur Ruhepol und Spannungselement zugleich. Der Hund schnüffelt neben mit am Gras, dann läuft er Richtung Oker weiter. Ich höre seine Besitzer nach ihm rufen und ich laufe in Richtung der Gauß-Statue, auch sie wirkt in dem Zwielicht, als wolle sie Teil des Parcours werden.

Lichtparcours Braunschweig 2016 Draußen Installation

Neben dem Architekten-Turm der TU sehe ich den beleuchteten Bootsanleger, des von Tomás Saraceno, Bernd Schulz und Studierenden gestalteten mehrteiligen Exponats. Auf der Brücke stehen zu viele Menschen, die mit ihren Fahrrädern den Blick auf das Wasser blockieren. Der weiße Kubus auf dem Steg sieht leerer aus. Vom hell erleuchteten Innenraum aus sehe ich die quadratischen, übergroßen Schwimmkerzen. Wahrscheinlich ist es eines dieser Exponate, die vom Boot aus besser wirken. Als ich die kleine Treppe vom Steg wieder hochsteigen möchte, guckt mich der Terrier von vorher an. Wir grüßen uns mit Kennerblick. 

Es geht weiter: am Audimax vorbei in Richtung des Botanischen Gartens. Und nun kann ich es nicht länger abwarten, ein Blick auf mein mobiles Telefon muss sein. Ich habe ein Pokémon-Ei ausgebrütet und sehe auch ein Taubsi auf dem Weg vor mir. Auf dem Bültenweg wird „Pokémon GO“ wieder zur Nebensache: Was ist denn hier los? Unwissend bin ich auf das Straßenfest des Bültenwegs gestoßen, das mit ein paar Ständen (Speis und Getränk) und einer Bühne im vollen Gange war. Menschen, die tanzen, lachen und feiern – im Schein der Straßenlaternen und Bühnenbeleuchtung. Sommerabendgefühle deluxe. Nach ein paar kleinen Gesprächen mit zufällig getroffenen Bekannten, geht es weiter in den Theaterpark. Auch hier ist das Licht aus der Ferne, der erste Gruß des Exponats. Kevin Schmidt hat mit „… But No One’s Home“ ein surreales Erlebniswerk geschaffen.

 

Das Gartenhaus Haeckel wurde mit unzähligen Lichterketten behangen – innen wie außen. Ich betrete das Häuschen und höre die ersten seltsamen Geräusche. Elektronische unheimliche Geräusche klingen im Takt der flackernden bunten Weihnachtsbeleuchtung durch die leergeräumten Zimmer. Wie gut, dass ich gerade erst die Serie „Stranger Things“ (siehe Seite 40) angeschaut habe. Der Unheimlichkeitsfaktor vervielfacht sich mit jedem Schritt. Gut, dass noch andere Besucher zugegen sind. Das unheimliche Leuchte-Haus ist mein Höhepunkt, sorry „Solarkatze“. Der restliche Weg ist gemütlich und gemächlich, die Menschen, die ebenfalls ihre Spaziergänge zu den Kunstwerken unternommen haben, werden mit jedem Wegstück weniger. Als ich auf dem Rückweg noch einmal am Residenzschloss vorbeigehe, bohren sich die großen leuchtenden Lettern in meine Netzhaut: „Kultur = Kapital“. Gut, dass es diesen Lichtparcours gibt, denke ich. Hoffentlich ist für das nächste Mal genügend Kapital vorhanden.

Text & Fotos: Kathleen Kalle

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