Zu den beiden Gründungsmitgliedern, Schlagzeuger Reinhard „Ralli“ Lewitzki und Keyboarder Lothar Brandes, sind nun
Leadsänger Adrian Polewka, Sängerin Jule Frenk, Bassist Sven Dillenburger und Gitarrist Oliver Schmidt neu dazugekommen.

 

Für vorerst zwei Konzerte sind Fee -total recall- in der Region zu sehen. Ralli, Sven und Jule haben uns einen Besuch abgestattet.
Ich habe im Archiv euren SUBWAY-Titel von 1992 gefunden …
Ralli Das ist genau die Ankündigung zu dem Konzert, was auf der aktuellen CD mitgeschnitten wurde. Wir haben im letzten Jahr exakt das gleiche Programm gemacht wie ‘92. Es war unglaublich. Ein bisschen anders war es vom Feeling natürlich schon. Das Atlantis war damals entsprechend größer. Letztes Jahr haben wir dann im BZV Medienhaus gespielt, da passen ungefähr 400 Leute rein.
Sven Dort gibt es Tagungsräume mit verschiebbaren Trennwänden. Aus drei Räumen macht man einen großen.
Ralli Es hatte ein bisschen was vom FBZ.
Sven Das haben wir dann weggespielt. (lacht)
Ralli In dem Größenbereich gibt es in Braunschweig aber auch einfach nichts. Es wäre ganz am Anfang vielleicht ein bisschen vermessen gewesen, direkt in der Stadthalle zu spielen, vielleicht hätten wir sie aber auch vollbekommen, ich weiß es nicht. Das Risiko war uns auf jeden Fall zu hoch. Dann habe ich mir erst mal die Tagungsräume im Medienhaus angeguckt. War zwar ganz schön teuer, aber hat geklappt. (lacht) Mittwoch war der Artikel draußen und Samstag war das Konzert ausverkauft.

Kannst du dich noch an euer Interview in der SUBWAY damals erinnern?
Ralli Sehr gut sogar, das haben Tom und ich geführt. Eingefädelt hat das Christian Eitner. Wir haben das Interview im Stil guter Cop/böser Cop gemacht und uns gegenseitig angemacht. Im Grunde war alles fake. (lacht) Natürlich haben wir uns gut verstanden, wir waren die besten Freunde. Aber alles, was da drin steht, stimmt auch.

Jule, wie war dein Eindruck vom „Best Of“-Konzert?
Jule Ich war damals noch vor der Bühne dabei. Ich muss sagen, dass ich vorher wegen der neuen Besetzung sehr skeptisch war. Ich bin mit Fee aufgewachsen und habe eine sehr emotionale Bindung zu der Band. Das ging im Übrigen vielen Fans so. Aber alle, die sich darauf eingelassen haben, wurden eines Besseren belehrt. Es war richtig geil und hat viel Spaß gemacht.
Wie ist die Neubesetzung der Bandmitglieder abgelaufen?
Ralli Lothar und ich haben im Vorfeld alle alten Mitglieder gefragt, ob sie Bock auf eine Reunion haben. Andreas kann nicht, Tom, der Sänger, hatte keine Lust mehr, mit den Sängerinnen war es auch schon vor Längerem auseinandergegangen. Ich habe mit Gert und Tom Anfang des Jahres gesprochen und sie haben uns ihr o.k. gegeben. Bei der Scheibe wussten sie noch nicht, wie die ist, weil sie noch nicht gepresst war. Ich habe gesagt, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht, weil die remastert wurde. Dann war alles gut. Aber wenn es nicht abgesegnet gewesen wäre, hätten wir es auch nicht gemacht. Einen Krieg wollten wir nicht vom Zaun brechen und schon gar nicht bei alten Kumpels. Wir sind ja nach wie vor befreundet.

Jule, inwieweit kannst du als neues Mitglied den alten Spirit von Holde Fee wieder aufleben lassen?
Jule Zu der Verbindung: Mein Vater hat damals mit Lothar und Ralli Holde Fee gegründet. Meine Mutter war immer das schöne Gesicht auf den Plattencovern. Sie war quasi die holde Fee. Nachdem sich die Band aufgelöst hatte, gab es Fee. Die Mitglieder waren alle befreundet und kannten mich auch schon von klein auf. Ich bin mit der Musik großgeworden und fand die schon als Kind geil. Mein Bruder und ich haben die ganzen Duette nachgesungen – einer eine Bürste, der andere eine Banane in der Hand. Die Texte sind erschreckend aktuell. Ich mag das Überspitzte, auch den weiblichen Gesang, das Affektierte, die kritische Spiegelung des Frauenbilds. Ich bin jetzt 38 und kann mich damit total identifizieren. Viele in meiner Generation kennen Fee nicht mehr, aber wenn sie mich fragen, was ich mache, sind die immer geflasht. Ich sage immer, es ist NDW-Punkrock. Das ist etwas Besonderes. Ich habe eben diese Verbindung zur Band und bin da total drin aber ich wünsche mir, dass auch meine Generation genauso wie Jüngere es dankbar annehmen. Deswegen habe ich auch nicht nachdenken müssen, ob ich bei total recall dabei bin. Es gibt im Moment nichts Vergleichbares.

KF Album Cover FEE Art

Seid ihr überhaupt noch dieselbe Band, wenn sich so viel verändert hat?
Ralli Gut, dass du das ansprichst. Wir betonen es immer wieder, aber leider geht es manchmal unter: Wir heißen jetzt Fee -total recall-, also totale Erinnerung. Dieser Zusatz muss unbedingt dazu, darauf legen wir viel Wert. Auch alle zukünftigen Sachen, die wir machen, heißen so. Wir sind zwei Sechstel der Originalbesetzung, aber es gibt so viele Bands, bei denen nur noch einer oder gar keiner aus der alten Konstellation dabei ist, der Name aber trotzdem bleibt.
Jule Das ist mir auch super wichtig. Ich bin die Tochter von Holde-Fee-Gründer Hartmut „Hamu“ und befreundet mit Tom. Ich habe zwei Jahre lang fast 50 Vorstellungen mit ihm in dieser 80er-Jahre-Revue im Staatstheater auf der Bühne gestanden. Da haben wir auch „Doswidanja“ gesungen, sind da sehr wieder zusammengewachsen und auch jetzt noch im Kontakt. Es soll einfach klar sein, dass wir nicht Fee sind und uns nicht als Fee verkaufen. Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken und auf eine Bandkarriere zurückblicken, mit der ich nichts zu tun habe. Für mich ist es eine große Ehre, dabei sein zu dürfen, weil ich damit auch Marlies, Andreas Becker und Tom Ruhstorfer meinen Respekt zolle. Als Jüngste feiere ich sie und finde es cool, dass ich die Sachen jetzt spielen darf. Andreas ist für mich im Übrigen einer der besten Gitarristen der Welt. Der Bandname ist auf jeden Fall eine Sache, die ich ständig korrigieren muss, weil die Leute nicht zuhören und sich dann wundern. Es hat zu keinem Zeitpunkt jemand behauptet, dass wir immer noch dieselbe Band sind.

Meine Mutter war quasi die Holde Fee

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Schreibt ihr auch neue Songs?
Ralli Das wollen wir. Wir haben noch Material von Holde Fee und Fee – der Übergang war lückenlos. Beim Durchhören sind Sven ein paar Sachen aus den 70ern aufgefallen, die textlich überarbeitet werden müssten. Die sind nämlich noch auf Englisch.
Sven Ich bin gerade der Archiv-Guru. Ich mache alles, was ansteht: Design, Plakate, Aufkleber. In dem Zuge habe ich mir von Ralli alles zeigen lassen. Da waren eben auch eine Aufnahme von Holde Fee und ein Mitschnitt vom NDR dabei.
Da hört man Fragmente, die hinterher zu den Songs geworden sind. Es gibt noch einige Titel, mit denen man etwas machen kann. Auf das Englische müssen jetzt neue Texte drauf. Natürlich auch im Stil von Fee. Gerade dieses Politische, Süffisante und die Satire. Es muss außerdem ein Duett-Song drauf, weil diese Band auszeichnet, dass es weiblichen und männlichen Frontgesang gibt. Das gibt es in der aktuellen deutschen Musiklandschaft nicht oft.

Wie aktuell sind eure politischen Texte heute?
Jule Aktueller denn je.
Ralli Trump, Reagan – man kann ja alles fast eins zu eins vergleichen. Es ist so brandaktuell, dass es erschreckend ist.
Jule Eigentlich ist es sogar noch schlimmer geworden.
Ralli Es kommt einem so vor, als ob die ganze Welt darauf gewartet hat, dass wir mit Fee endlich wieder loslegen. Aus Jux hat Sven als unser Administrator nach der letzten ESC-Pleite mal gesagt, dass wir uns für Helsinki bewerben sollen. Da gab es tatsächlich Fans, die geschrieben haben, dass wir das mal machen sollten und das toll wäre. (lacht) Damit will ich eigentlich nur sagen: Die weichgespülte Musikszene heute geht uns allen ziemlich auf den Sender. Besonders im deutschsprachigen Bereich. Witzigerweise sagt das das Publikum auch …
… damit meint ihr die deutschen Singer-Songwriter mit austauschbaren Texten, von denen es im Moment ziemlich viele gibt?
Jule Es gibt natürlich solche und solche. Ich habe Respekt vor jedem, der sich die Mühe macht, sich an einen Song zu setzen, ihn veröffentlicht und vor Publikum spielt. Es ist immer Arbeit, ob es gefällt oder nicht. Aber die Welle der deutschen Singer-Songwriter mit weichgespültem Pop … (überlegt) die heißen ja auch alle so ähnlich. Das sind so viele, dass man sie alle kaum auseinanderhalten kann. Wer sich positioniert, egal in welche Richtung, eckt an. Es muss also alles möglichst allgemein und oberflächlich sein. Aber eigentlich steht ja alles in Flammen, weltpolitisch und umweltpolitisch. Ich finde es insgesamt eine traurige Entwicklung, dass Bands von damals, wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen, mit denen ich großgeworden bin, heute mit „Tage wie diese“ bei der WM gespielt werden. Fürchterlich. Diese Bands waren damals ganz krass politisch. Ich mag die immer noch gerne, das waren die Helden meiner Jugend. Ich finde, es ist mal wieder an der Zeit für Bands, sich da zu positionieren. Damit kann ich mich identifizieren und das war mir auch ein Anliegen bei Fee. Auch, wenn ich das Küken bin.

In eurem Lied „Amerika“ habt ihr damals die Präsidentschaft von Reagan kritisiert. Wie würdet ihr heute einen Song über Trump nennen?
Ralli Ich schreibe gerade an einem neuen Lied, gemeinsam mit einem Kumpel von mir, der Pastor ist. Darin nehmen wir Trump hoch, mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.

Sven, deine ersten Berührungspunkte mit der Band waren als Fan. Wie hast du den Kult damals wahrgenommen?
Sven Es gibt eine Jeansjacke mit dem alten Fee-Logo hinten drauf. Die habe ich im zarten Alter von zwölf Jahren selber nachgemacht. Damals gab es ja keine Patches, sondern nur Stoffmalfarbe in Tuben. Mein Vater hat mir das Logo von der Platte auf dem Fotokopierer groß gezogen, ich habe es ausgeschnitten, auf Stoff übertragen und es dann stundenlang ausgemalt. Meine Mutter hat es auf meine Jacke genäht und ich hatte sie bestimmt über 20 Jahre vor der Bühne an, sie ist immer mitgekommen. Jetzt habe ich sie wieder rausgekramt und bei den ersten beiden Konzerten war sie auf der Bühne dabei. Adri passt da tatsächlich noch rein. Das Bandlogo habe ich inzwischen überarbeitet, weil es das nicht mehr in digitalisierter Form gab. Es musste aber erkennbar bleiben, ist ja auch geil. Jetzt ist der Schriftzug etwas an die Seite gerückt und der
Blutstropfen fetter.

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Termine

25.1. + 28.1.2018
KuBa-Halle (WF) + KultBahnhof (GF)
fee-band.de

Jemand hat in einem Interview gesagt, dass es immer weniger Bands gibt, aber immer mehr Menschen, die zu Hause alleine Musik machen …
Ralli Genau, die Möglichkeiten hatte man damals noch gar nicht. Man braucht auch nicht mehr unbedingt ein Plattenstudio. Wir haben von sieben Tagen, die wir gespielt haben, fünf im Übungsraum verbracht. Es war so intensiv, das kann heute gar keiner mehr. Es ist auch gar nicht gewollt beziehungsweise nicht mehr nötig. Jeder hat seinen Laptop und kann eigene Musik machen. Unser großes Glück damals war, dass wir uns entwickeln und ausprobieren durften. Wir sind mit Holde Fee durch ganz Deutschland gefahren und hatten nicht ein einziges Demo. Das war alles Mundpropaganda. Wir waren in Stuttgart und Hamburg, haben mit weltbekannten Musikern zusammen gespielt, Steve Marriott zum Beispiel. Heute wird man produziert und fertig. Dann kommt das Nächste. Im Braunschweig der 70er Jahre kannte jeder jeden und auch die Bands waren untereinander vernetzt. Es gab einen unheimlichen Zusammenhalt, der jetzt nicht mehr so ist. Ich weiß nicht, warum.
Ihr geht 2018 auf Tour, in der Region habt ihr Auftritte in Gifhorn und Wolfenbüttel. Gibt es noch weitere Daten?
Ralli Wir machen jetzt erst mal neun Termine. Danach wollten wir uns zusammensetzen und an alten neuen Titeln beziehungsweise neuen Texten arbeiten. Wir haben vorgesehen, im Sommer einige Festivals zu spielen. Darüber darf ich aber noch nichts sagen.
Ralli Eines der besten Konzerte haben wir übrigens für ein SUBWAY-Jubiläum in der VW Halle gemacht. 8 000 Zuschauer waren da, undercover hat das Ganze organisiert. Wir haben als Top-Act gespielt und den Laden weggefegt.

Wie sehr freut ihr euch auf die Tour?
Jule Wir sind heiß und haben Bock. Ich freue mich schon besonders auf unseren Auftritt in Berlin im Wild At Heart. Das ist ein kleiner Punk-Rock-Club, in dem ich schon viele geile Konzerte gesehen habe. Winzig und abgerockt.

Text: Katharina Holzberger
Fotos: Evelyn Waldt, Photos Hajuke

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