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Lilly Among Clouds

1. Februar/ Eulenglück (BS)

Lilly Among Clouds verzaubert am 1. Februar ihr Publikum im
Eulenglück.
KF LAC 2019 Credit SonjaStadelmaier 2 art
Twelve points go to Germany – so hätte es heißen können, wenn wir Lilly Among Clouds im letzten Jahr zum Eurovision Song Contest nach Israel geschickt hätten. Denn die 30-jährige Niederbayerin kann vor allem eins: kraftvoll-imposante Pop-Balladen auf internationalem Niveau. Dabei wollte die sympathische Songwriterin eigentlich nie Musikerin werden. Als Teenager zu schüchtern, um ihr Talent zu präsentieren; für ein Musikstudium nicht selbstbewusst genug, entschied sich die verträumte Songwriterin glücklicherweise später doch dazu, an einem Songwettbewerb teilzunehmen. Bestärkt durch das unglaubliche Feedback setzte sie alles auf eine Karte. Zwei starke Alben, ein ESC-Vorentscheid und viele Konzerte später konnte sich die talentierte Sängerin mit ihren melancholischen Lyrics und stimmgewaltigen Performances eine treue Fangemeinde erspielen. Am 1. Februar macht die nachdenkliche Pop-Poetin auch Halt in der Braunschweiger Eule. Im Interview sprachen wir mit Lilly Among Clouds über ihre musikalischen Vorbilder, den ESC und ihre große Stärke, dem Songwriting.
Dein aktuelles Album „Green Flash“ ist dieses Jahr erschienen. Inwieweit war der Schreib- und Produktionsprozess ein anderer als bei „Aerial Perspective“?
Der Schreibprozess war eigentlich ein ähnlicher, weil wir querbeet aus den unterschiedlichsten Jahren Songs rausgepickt haben und angegangen sind. Manche Songs sind 15 Jahre alt, andere nur ein halbes Jahr. Produktionstechnisch war ich allerdings viel neugieriger. Ich glaube, mein erstes Album war notwendig, um mich vollends ins Künstlertum zu stürzen und mir mehr zuzutrauen. Einige der letzten Songs, die wir für das erste Album bearbeitet haben, waren neu arrangiert und haben mir eine total neue Welt an musikalischen Ideen, Möglichkeiten und Vorlieben eröffnet. Ich hab mich gefühlt wie ein Kind in einem Spielwarenladen. Es ging nicht mehr nur ums Song schreiben und singen, sondern um das Gestalten, live spielen und seinen Weg finden. Alles war auf einmal nicht mehr belastend, sondern inspirierend und aufregend.
Du schreibst ja alle deine Texte selbst. Was inspiriert dich?
Das pure und einfache Leben. Psychologie und alles, was so vor meinen Augen passiert. Ich bin öfter auch mal alleine unterwegs und ich kann es nicht lassen, ständig alles was ich sehe, im Kopf zu durchdenken und mir Geschichten dahinter zu überlegen. Da ich meistens eher wenig Musik unterwegs höre, ist das so meine Beschäftigung, um das Gegrübel gleich in Songs zu packen.

Warum hast du dich dazu entschieden, deine Songs auf Englisch zu schreiben?
Das kann ich leider nicht so genau sagen. Ich habe zwar einen ganzen Schwung deutscher Gedichte und Geschichten geschrieben, aber wenn ich selbst Musik gehört habe, bin ich immer sehr schnell eher beim Englischen hängen geblieben. Und weil mir das Schreiben und Denken auf Englisch leicht fällt, hab ich das irgendwie nie entschieden – es war einfach so.

Und woher kommt die Melancholie in deinen Songs?
Die kommt oft daher, dass mich der Mensch und seine Art und Weise, wie er mit anderen und mit der Welt umgeht, auch manchmal sehr frustriert oder traurig macht. Weil ich zu oft denke, dass der Mensch sich über die Jahrhunderte in seinen Mustern, trotz all seiner Bildung und technologischen Entwicklung, einfach wenig ändert in dem, was er priorisiert, was ihn lenkt oder egoistisch sein lässt. Und dazu der Klassiker eben: Wenn ich gut drauf bin, bin ich gern unter Freunden, wenn mich etwas bewegt, verkriech ich mich ans Klavier.

Du hörst selbst gar nicht so gern Singer-Songwriter-Musik. Gibt es trotzdem musikalische Vorbilder?
Ich selber höre eher Bandmusik. Vorbilder hab ich keine spezifischen. Wie gesagt, wenn man andere Künstler nicht mit einem „ich möchte so sein wie ...“ zuhört, dann entsteht so ein festes Vorbild nicht. Ich verliebe mich oft eher in einzelne Songs oder in das Soundbild einer Band. Ich höre immer gerne Mal Lykke Li, die Arctic Monkeys, Feist, Jack Johnson, Balthazar oder auch Hundreds. Als Kind dann eher Lauryn Hill, Alanis Morisette oder Avril Lavigne.
Du hast 2019 beim ESC-Vorentscheid mitgemacht. Welche Erwartungen hattest du? Warst du enttäuscht, dass es nicht geklappt hat?
Ich hatte wenige konkrete Erwartungen. Ich war tierisch neugierig auf das Fernsehen, weil ich wissen wollte, ob es mir dort vielleicht Spaß macht, mitzuwirken. Und ich war neugierig, wie das ESC-Publikum so meine Art und meinen Song aufnimmt. Ich hatte so gar kein Gefühl dafür, ob ich eine Chance hatte zu gewinnen oder nicht. Aber dass der ESC grundsätzlich offen für alle Künstler und Stilrichtungen ist, fand ich spannend. Enttäuscht war ich am Ende nicht. Ich hätte alles gegeben, wenn es weiter gegangen wäre. Und mit einem Fernsehteam zu arbeiten macht mir unglaublich Spaß. Aber da ich so tolles Feedback und Liebe vom Publikum bekommen habe, hat sich auch kein doofes Gefühl einschleichen können.

Hat sich etwas durch den ESC-Vorentscheid für dich geändert?
Ich hab einen ganzen Schwung toller neuer Fans dazu gewonnen. Herzliche Menschen, die ich jetzt auf der Tour auch beim Merch oftmals treffe und als musikverliebte Menschen kennenlerne. Und die ein faires Publikum waren. Im Netz sind Leute ja oft schnell dabei, etwas als „schlecht“ abzustempeln. Das ESC-Publikum hat hingegen, auch wenn ihnen mein Song nicht gefallen hat, so was wie „ist nicht so meins, aber schon 'ne einzigartige Künstlerin“ gebracht, was ich sehr respektvoll fand.
Du wirkst sehr naturverbunden. Was erdet dich?
Die Realität. Oberflächlichkeit hat mich noch nie beeindruckt. Man merkt innerlich immer, wenn etwas von Herzen kommt. Der Mensch hat dafür sehr feine Sinne, auf die er vielleicht öfter hören sollte. Die Natur ist da genauso. Du kannst ihr nichts vormachen. Sie hat ihre eigenen Wege, ist überhaupt nicht romantisch oder niedlich und nicht vorhersehbar. Jedes Jahr, jede Saison, jedes Wetter gestaltet die Natur anders. Du kannst ständig Neues entdecken und es wird nie langweilig. Wenn du etwas auf dich gestellt tun willst, in deinem eigenen Tempo und mit eigener Herausforderung, sind die Natur, der Garten und die Tiere die beste Übung. Ich rede natürlich nicht von unserem tollen ordentlichen Wald oder Parks – das sind für mich sehr langweilige Orte. Viele Menschen fühlen sich, glaube ich, sicherer, wenn die Natur vorhersehbar und aufgeräumt ist, weil das Leben schon genug Überraschungen hat. Ich finde, die Natur kann einem von den anstrengenden Überraschungen des Lebens erden und klar machen, dass das alles zusammengehört und es immer noch zählt, was man mit den Umständen selber daraus macht.
Hast du einen Vorsatz für das Jahr 2020?
Dankbar zu bleiben für das, was ich habe und demütig mit dem zu sein, was ich wirklich brauche und nicht nur möchte.

Was magst du am Touren beziehungsweise an Live-Auftritten?
Die Emotionen, die urplötzlich bei Live-Auftritten entstehen können. Die Musik zu teilen ist schon wie beim Chor oder gemeinsamen Singen toll. Ich glaube, es beflügelt oder heilt manchmal ein Stück weit oder lenkt einfach auch mal nur ab. Aber es hat, gerade wenn man als naturinteressierter Mensch auch Musiker ist, schon eine Faszination, dass etwas, das wir nicht essen können oder das uns nicht warm hält, unserem Inneren so gut tun kann. Dass ich dieses Gefühl gleich zweimal erlebe, beim Song schreiben und dann beim Song live spielen, ist doppelt schön.
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Interview Denise Rosenthal
Foto Sonja Stadelmaier

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