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Underground Kassettenkultur

25. Mai / Drogerie (BS)

2018: Das neugegründete Braunschweiger Label Kasichrom hat sich voll und ganz der analogen Kassette verschrieben. Am 25. Mai kommt der erste Release, ein Labelsampler mit dem Titel „Künstlersozialkassette“. Der Name ist Programm.
KF KSK Kasichrom fotocredit Thurid Manleitner Art
Zwar schmeißen heutzutage alle wild mit dem Wort Mixtape um sich, aber mal ehrlich, wer kennt eigentlich noch Kassetten? Dabei haben die zigarettenschachtelgroßen Bandlaufwerke doch so viel Charme. Man kann nicht hektisch skippen, nimmt sich stattdessen Zeit für Musik. Man hört alles von hinten nach vorne durch und muss den Tonträger umdrehen und anfassen, wie eine Schallplatte. Man hat Mixtapes verschenkt, also echte Mixtapes, keine mp3-Ordner, man hat seine Inlays selbst geschrieben, gemalt, Aufkleber draufgeklebt und so weiter. Schön und cool war das. Und glaubt man den Worten des Braunschweiger Künstlers, Musikers und Komponisten Antimo, erleben Tapes heute ein ganz großes Comeback: „In Berlin und anderen kreativen Metropolen sprießen Shops aus dem Boden, die nur Tapes anbieten, weil es inzwischen wieder eine so krasse Fanbase gibt. Die Kassette erlebt ein Revival!“ Auch sein Kollege Lukas erkennt die unbestreitbare und zeitlose Größe der Musikkassette: „Tapes sind eine der am weitesten verbreiteten Formen des DIY. Sie bieten zudem extrem viel gestalterischen Spielraum und künstlerische Freiheit.
Zusammen mit vier weiteren befreundeten, leidenschaftlichen und ausgebildeten Musikern, Künstlern, Designern, Tontechnikern und Audiophilen haben sie daher im Spätsommer 2017 den Entschluss gefasst, ein reines Kassetten-Label zu realisieren. Entwickelt wurde „Kasichrom“, auf dem mehr als 20 bundesweit verortete Künstler Kassetten mit Musik zwischen Electronica, Boom-Bap-Beats, Experimental Noise, Psychedelic, Ambient und Synth Wave veröffentlichen werden. „Wir haben alle untereinander schon vorher zusammen Projekte gemacht und bringen eigentlich alles mit, was notwendig ist, um professionell zusammenzuarbeiten“, erzählt Lukas. Mitgründer Johannes ergänzt: „Es gab von jedem einen Haufen guter Aufnahmen, dann ist eins zum anderen gekommen. Wir haben uns gefragt: Wie realistisch ist ein physischer Release? Was ist am besten? Es soll analog sein, aber Vinyl ist zu teuer und technisch sehr aufwendig. Damit hätten wir uns am Ende kommerziell orientieren müssen.“ Schließlich kamen die sechs Gründer zu dem Konsens, dass Tapes genau das Richtige sind. Drei Vorteile gaben den Ausschlag: Der analoge Sound ist sehr gut, wenn richtig produziert; die Herstellung ist günstig, technisch verhältnismäßig wenig aufwändig realisierbar und natürlich ist ein Tape ein „sexy Sammlergegenstand“, wie Antimo meint. Von einem Retro-Fetischismus will sich Kasichrom allerdings abgrenzen. Auch das Mantra, dass Analog der Heilige Gral des Produzierens sei, ist ihnen fern. „Es geht wirklich vielmehr darum, mit verhältnismäßig geringem Aufwand ein gutes, ernstzunehmendes Produkt mit besonderen Qualitäten herstellen zu können“, meint Lukas. „Im Vordergrund stehen natürlich die analogen Klangcharakterisika. Aber genauso wichtig ist der Tonträger als physisch existierendes Medium, das wir autonom und nach Bedarf produzieren und gestalten können“, betont Antimo.
Der erste Release, die bereits erwähnte „Künstersozialkassette“, kurz „KSK“, die das gesamte Soundspektrum und die Diversität der Künstler des Labels abdeckt, fungiert als eine Art Solidaritätsprojekt, denn mit den Einnahmen aus dem Verkauf sollen die angeschaffte Schweizer Mastertape-Machine aus den späten 1980er Jahren – damals High-End-Technik – refinanziert und kommende Produktionen möglich gemacht werden. So wird sie auch zu einem stolzen, aber gerechtfertigten Preis von 13 Euro an den Mann gebracht. „Bewusst über dem Normalpreis“, so Antimo. Vor allem ist die „KSK“, die mit einer Erstauflage von 100 Stück erscheinen wird, aber ein Teaser für kommende Solo-Releases der Kasichrom-Artists. Die A-Seite hat etwas mehr Upbeat, die B-Seite ist eher mysteriös und melancholisch. Die Tracks sind wie bei einem guten Mixtape sorgsam in eine Reihenfolge gebracht. Der Abstimmungsprozess mit den zahlreichen Blickwinkeln der Label-Macher hat mehrere Tage in Anspruch genommen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, als ob wir eine Ausstellung kuratieren würden“, meint Johannes.
KF KSK Kasichrom fotocredit Fritz Weise Art
Warum eigentlich „Sozial“-Kassette? Ein Credo von Kasichrom ist „Künstler supporten Künstler“ – es geht um Vernetzung, Förderung, Kooperation, gegenseitigen Support bei Ideen und Konzepten und natürlich um das Bereitstellen von Infrastruktur und professionellem Know-how. Alles unabhängig und nicht gewinn-orientiert. Wie die Künstlersozialkasse wollen sie Musiker dabei unterstützen, in Ruhe ihrer Kunst nachgehen zu können. Zusammenkommen sollen alle und alles am 25. Mai in der Drogerie (Berliner Straße 99) zur großen Kasichrom-Label-Launch- und „KSK“-Releaseparty. Einem Vernissage-Event mit Kunst und natürlich Musik. Special: Ein besonders gestaltetes und live am Abend produziertes „KSK“-Unikat soll versteigert werden. „Vielleicht gibt’s ja auch gleich noch einen Walkman dazu“, scherzt Antimo. Und wer weiß, vielleicht haben wir den bald alle neben unserem Smartphone wieder in der Hosentasche.

Interview Benyamin Bahri
Fotos Thurid Manleitner, Fritz Weise

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