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The Giraffe Men

2. Februar / B58 (BS)

20 Jahre The Giraffe Men feat. Marietta Sisters.
Das Jubiläumskonzert steigt am 2. Februar im B58.
KF Giraffe Men MG 6139 c Mario Dfer art
Seit Ende der 1990er Jahre sind sie eine Rock’n’Roll-Institution in Braunschweig. In knappen giraffengemusterten Lendenschurzen und Kleidern bringen The Giraffe Men mit ihrem Backing-Chor The Marietta Sisters ein stilsicheres und einzigartiges oldschooliges Garage-Punkrock-Feuerwerk mit 60er-Beat-Einfluss auf die Bühne. Zum 20-jährien Bandbestehen hat SUBWAY die Band in ihrem gemütlichen bunten Proberaum im hinterletzten Dorf zwischen Braunschweig und Gifhorn besucht. Bei kühlen Feierabendbieren haben wir lange geredet. Die humorvollen tätowierten Rampensäue haben sehr offen von sich und der Gruppe erzählt, wir haben viel gelacht. Sänger Polli, Drummer Kevin, Bassist Bolle, Gitarrist Flippo und Sängerin Resi im Interview.
Wie stellt ihr euch vor? Was ist The Giraffe Men?
Polli Nicht jugendfrei. (lacht)
Kevin Viel, viel, viel nackte Haut.
Resi Unser Motto: „Hauptsache wir haben Spaß“.
Polli Es ist wilder Punkrock mit 60s-Einfluss, die Betonung liegt auf wild.
Resi Humorvoll auf jeden Fall.
Kevin Für jeden Spaß zu haben.
Resi Wir nehmen uns auch nicht so ganz ernst.

60s Garage-Punk-Rock´n´Roll – Was ist das?
Polli Man sagt, dass unser Sound ein Gemisch aus den Monsters, den Sonics und den B-525 ist. Die Sonics, die guten alten Punkrock-Urgesteine, haben uns sehr geprägt. Sie sind auch unser gemeinsamer Nenner. Wild, ruppig, primitiv. The Animal Side of 60s Punk fasst das gut zusammen.
Kevin Unser zweites Motto ist „think primitive“. Wir konstruieren nicht die aller abstraktesten Stücke, es geht relativ geradeaus. Dabei bleibt es aber auch sehr abwechslungsreich, laut, krachig.
Bolle Es ist eben kein 1-2-3-4-Punkrock, sondern auch technische Raffinesse, nicht nur Schrabbel.
Flippo Das Geilste bei unserer Mucke ist immer noch, dass sie abwechslungsreich ist und dass für jeden was dabei ist. Wir haben schon Konzerte gespielt, bei denen wir dachten, die laufen alle weg, wenn wir anfangen. Vor uns haben irgendwelche Surfbands was Liebliches, Entspanntes gespielt und wir haben gedacht, wenn wir anfangen ist in zehn Minuten der Saal leer. Aber die Leute fanden es total super und das ist das, was es ausmacht. Es ist dreckiger Punkrock, es ist dreckiger Rock´n´Roll, der uns allen sehr viel Spaß bereitet. Es ist die Abwechslung, mal schnell, mal langsam, mal gefühlvoller, mal ein In-die-Fresse-Brett. Die Leute finden sich alle immer irgendwo wieder und haben Spaß bei den Konzerten. Das sieht man jedes Mal.
Kevin Wir sind auch sehr bunt gemischt. Zwar sind wir alle aus dem Oberbegriff Punk-Rock´n’Roll, aber ich komm halt mehr aus dem Punk, Bolle und Polli kommen viel aus dem Psychobilly. Wir haben von vielen unterschiedlichen Genres Einflüsse bekommen. Flippo kommt ­irgendwie überall her. Er ist mit den Rolling Stones aufgewachsen, hat erst Metal dann Punkrock gehört und passt eigentlich nicht so richtig in irgendeine Schublade.
Resi Ich weiß gar nicht, ob irgendjemand von uns in eine wirkliche Schublade passt. Weil wir einfach so viel Spaß auf der Bühne haben, haben auch fast alle im Publikum immer unglaublich viel Spaß, selbst wenn sie vielleicht mit der Musik nicht viel anfangen können. Ich glaube, wir sind sehr mitreißend.
Flippo Es ist auch eine ganze Menge Show dabei, dass man in Lendenschurz auftritt, dass die Mädels vorne rumtanzen, das Dreigestirn mit Polli. Da ist richtig Feuer drin.
Kevin Natürlich könnte man es beschreiben, aber wir sagen einfach jedem, der fragt, er soll zu Konzerten kommen und es sich angucken. Und wenn es einem gefallen hat, kauft man eine CD oder einen anderen Tonträger, den wir da haben. Ein Ton sagt mehr als tausend Worte.

Wieso Giraffen?
Polli Daran ist unser erster Gitarrist Schuld. Er meinte, ob wir schon mal drauf geachtet haben, was Giraffen für geile Tiere sind. Giraffen sehen halt witzig aus. Also nannten wir uns Giraffe Men. Seitdem die Lendenschurze nicht mehr handgemalt sind, sondern es auch wirklich Giraffenstoff gibt, ist es gut. Irgendwann hat mal eine alte Besetzung nach fünf Jahren gesagt: „Ey, wir müssen was anderes machen, immer das gleiche ist doch total langweilig.“ Da meinte ich, dass wir uns einen Ruf als die nackten Verrückten erarbeitet haben und wenn wir uns jetzt anders anziehen und anders nennen ist das totaler Schwachsinn.
Gehört das Ausflippen auf der Bühne nur zu eurem Image oder ist es pure Emotion?
Kevin Wir sind einfach so.
Bolle Es ist nicht aufgesetzt.
Resi Grade bei uns dreien, die wir da vorne total durchdrehen, ist davon gar nichts überlegt.
Polli Wenn die Mucke losgeht, muss ich gar nicht überlegen was ich zum Publikum sage, sondern da geht es dann einfach mit mir durch.
Bolle Bis auf die Songs als solches ist nichts einstudiert, nichts aufgesetzt. Was passiert, passiert.
Kevin Eigentlich sind wir alle immer noch sechzehn. Es ist halt auch für alle ein guter Ausbruch aus dem Alltag, was wir da haben. Auf die Dienstagsprobe freuen wir uns alle, klar kann die Woche auch mal scheiße sein, man schleppt sich hierher, aber in der Regel, zu 99 Prozent, fährt man mit einem guten Gefühl nach Hause und freut sich auf die Konzerte. Wir haben auch schon Shows mit Urlaub verbunden, sodass wir zum Beispiel noch eine Woche länger in Kroatien geblieben sind. Es ist nicht nur Band, es ist auch einfach Familie, was wir hier haben.
KF Giraffe Men IMG 4284 art

„Ein Ton sagt mehr als tausend Worte“

Wie entstand die Band und wie hat sich die Konstellation in den 20 Jahren verändert?
Polli Ich war verliebt und hab der Frau einen Song geschrieben. Dann bin ich durch die Braunschweiger Nachtszene geschlüpft und nach einer Band gesucht, die mit mir mal einen Song vertont. Ich wurde von Leuten, die Bock auf ein Bandprojekt haben, angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte. Ich wollte eigentlich nur einen Song vertonen. Naja, jetzt, fast 21 Jahre später … (alle lachen) Wir sind wohl eine der Bands, die die meisten Members durchgetauscht hat. Ich bin der einzige aus der Originalbesetzung und hab immer andere Bands beneidet, die sich mit siebzehn kennengelernt haben und 30 Jahre zusammen Musik machen. Aber mir war es immer wichtig, dass die Band weitergeht. Die Band kommt bei mir an erster Stelle, da habe ich meine Jobs für geschmissen. Seit fünf Jahren sind wir in dieser Besetzung zusammen und seitdem weiß ich, wie sich das anfühlt, was ich mir mal gewünscht habe. Das habe ich jetzt.
Flippo Umbruch war immer. Ich bin mit zwölf Jahren der Band-Zweitälteste. Das Karussell hat sich gedreht. Die Leute hatten Bock auf die geile Mucke, aber sind irgendwann müde geworden.
Polli Das hier ist halt eine Band, die Energie braucht und keine müden alten Krieger.
Flippo Wir wollen raus auf die Bühne und abfeiern. Dafür brauchst du Leute die da Bock drauf haben. Jetzt sind wir in der Konstellation angekommen, wo alle sagen, dass es passt.

Ist die Musik euer Hauptberuf?
Flippo Das kannst du ja nicht vergleichen. Wir alle gehen arbeiten, weil wir Geld brauchen. Mit der Musik Geld zu verdienen, ist überhaupt gar nicht unsere Intention. Wir machen das, um Spaß zu haben. Der Weg ist das Ziel.
Polli In 20 Jahren haben wir genau ein einziges Mal Geld aufgeteilt, das wir noch überhatten, ansonsten kommt jede Mark in die Bandkasse. Wir machen sogar manchmal Gigs, die uns nicht ganz so gut gefallen, damit finanzieren wir zum Beispiel eine Fahrt nach Slowenien in einen Klub, der uns nicht bezahlen kann.
Bolle Job und Musik. Das eine machst du, um Kohle zu verdienen und um leben zu können und das andere machst du, um Spaß zu haben.
Resi Es ist ein ganz schöner Ausgleich, gerade wenn man so ein Erwachsenenleben hat. Ich brauche das total neben meinem normalen Job.
Ihr habt eine slowenisch-kroatische Tour gemacht. Warum Slowenien und Kroatien?
Polli Das fing alles einmal mit einem Festival in Maribor an, die haben uns auf YouTube gesehen und haben dann gesagt: „Ihr müsst als Headliner auf unserem Festival Garage Explosion spielen.“ Die Leute haben wir beim ersten Mal sofort lieben gelernt. Auf der Afterparty im MKNŽ haben wir dort die Leute kennengelernt.
Flippo Wir kommen viel rum und spielen so das Publikum nicht kaputt. Wenn du als Hausband fünf Mal im Jahr in irgendeinem Laden spielst, dann sind die irgendwann müde und es ist langweilig. Dann kommt vielleicht auch nicht mehr jeder. Wir sind nicht nur in Deutschland viel unterwegs, sondern in letzter Zeit, wie gesagt, auch im Ostblock, in Kroatien, in Slowenien, nächstes Jahr in Österreich und Belgien.
Polli Band-Kontakte machen viel aus.
Kevin Da unten sind schon Freundschaften entstanden, mit dem Klub und auch mit deren Crew. Wir haben eine befreundete Band aus Kroatien, die Heretics, Backstage kennengelernt. Es ist immer ein Geben und Nehmen. Man bleibt in Erinnerung und kann dem Klub was Gutes tun.
Polli Richtig Spaß macht es aber erst, wenn die Leute eine andere Sprache sprechen. Es ist immer noch eine Herausforderung, wenn du im Ausland spielst. Die haben oft bei der ersten Tour keine Ahnung, was du da machst. Es ist noch keiner weggerannt. Wir schaffen es, die verschiedensten Leute zu begeistern, weil man uns anmerkt, dass wir das, was wir auf der Bühne machen, leben.

Ihr feiert im Feburar zusammen mit den Bukowskis im B58 eine Jubiläumsfeier. Was für eine Beziehung habt ihr zu der Band?
Flippo Wir haben einfach eine Band gesucht, mit der wir zusammen spielen können und wir haben natürlich auch viele befreundete Bands mit denen wir schon tausendmal zusammen gespielt haben, aber wir dachten zum Jubiläum müssen wir irgendwas machen, was so noch nicht da gewesen ist. Das muss dann halt aber auch musikalisch zusammenpassen.
Polli Unsere Jubiläen machen wir eigentlich immer ohne Eintritt, aber find mal einen Klub in Braunschweig, in dem du nicht pay to play machen musst. Jetzt mussten wir mit dem B58 einen Deal aushandeln und wollen dem Pu-
blikum was anderes bieten. Wir haben ein paar Geschenke anfertigen lassen und haben uns darauf geeinigt, dass wir uns noch einen Ausgleich überlegen.
Wie geht ihr mit der heutigen Modernisierung der Musik mit?
Polli Das ignorieren wir komplett.
Bolle Es werden immer Gruppierungen bestehen, die sich auf diverse Szenen spezialisieren. Wir haben immer einen verschiedene Subkulturen im Saal vereint und die wird es immer geben. Deswegen besteht gar keine Notwendigkeit, sich in irgendeine Richtung anzupassen.
Polli Ich hab auf einer Tour mal das Programm umgeschrieben. Da saßen nur Familien mit Kindern im Publikum. Ich dachte, dass das zu hart wird und hab ich fünf wilde Nummern raus gestrichen. Im Endeffekt mussten wir diese fünf Songs in der Zugabe mehrfach spielen, weil darauf alle am meisten abgegangen sind. Man muss einfach sein Ding machen, das weiß das Publikum zu schätzen.

Was sind eurer Meinung nach die wichtigsten Aufgaben und Funktionen von Musik?
Polli Sie muss einen emotional berühren, auf die eine oder andere Art und Weise. Ob sie einem Wut entlockt, die man raustanzt, weil man den ganzen Tag Frust hatte, oder ob man sich einfach totlacht, weil man gute Laune hat.
Bolle Oder sich im Pit die Nase krumm schlägt.
Kevin Oder man grinst über beide Ohren.
Polli Das Seltsamste, was mir mal passiert ist, war, als ein Punk – 120 Kilo, 1,90 Meter groß, mit Lederjacke, Nieten und einem fetten schwarzen Iro – mitten im Publikum stand und sich nicht gerührt hat. Wir haben gespielt und gespielt, alle Leute um ihn herum sind abgegangen. Dann bin ich auf ihn zugegangen und hab unsere eine Ballade, eine richtig schöne langsame Schnulze, gesungen. Ich hab das Publikum geteilt, hab ihm Nase an Nase direkt in die Augen geguckt und hab ihn angesungen. Wenn du jemanden, das kann selbst der stumpfeste Typ oder der mieseste Schläger sein, anfasst und er menschliche Wärme spürt, dann kannst du ihn berühren. Ich habe also vor ihm ein bisschen rumgewogt und getanzt und habe ihm meine Hand aufs Herz gelegt. Er hat echt angefangen sich mit zu bewegen. Die nächste Nummer war wieder ein Punkrock-Stück und der Typ ist total abgegangen (alle lachen).

„Es ist nicht nur Band, es ist auch einfach Familie was wir hier haben“

Interview Louise Noeske
Fotos Mario Düfer

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