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Alleskönner Fynn Kliemann haut am 29. Mai sein zweites Album „Pop“ inklusive Kinofilm raus.
Zwischen Videoproduktionen und Papierkram hatten wir Fynn an der Strippe.
KF Fynn Kliemann c Nikita Teryoshin 01 art
Montagmorgen. Schnell nen Kaffee und ne Kippe und ab an den Schreibtisch. Dann fix ein paar Videos machen, E-Mails beantworten, zwischendurch telefonieren, die Katze streicheln und ne GoPro umschmeißen. So oder so ähnlich sieht ein typ-ischer Start in die Woche bei Fynn Kliemann aus, denn montags ist Office angesagt. Dann wird nicht in seinem Heimwerkerparadies im Kliemannsland gesägt, geschweißt oder gebaut und davon ein witziges YouTube-Video gedreht.

Bei Fynn Kliemann wird es niemals langweilig und gefühlt erfindet er sich jeden Tag neu, schmiedet neue Ideen und malt Pläne, die an „Kevin allein zu Haus“ erinnern – alles irgendwie improvisiert und mit kindlicher Begeisterung, aber einfach genial. Googelt man Fynn Kliemann, spuckt die Suchmaschine mittlerweile nicht mehr die Attribute „YouTuber“ oder „Heimwerker“ aus, sondern nun findet man ihn dort auch als „Musiker“ – jedoch ist Fynn viel mehr und irgendwie auch viel weniger als das. Trotz 1Live-Krone und goldener Schallplatte tourt er nicht und wir werden Fynn wohl nie in Braunschweig live singen hören, obwohl es kaum jemand anderes im Lande gibt, der die deutsche Sprache so cool und gleichzeitig wahnsinnig emotional und berührend klingen lässt. Die Musik steht Fynn schon ziemlich gut, aber gleichzeitig ist der fast 30-Jährige mit norddeutsch-salopper Schnauze auch noch Unternehmer seiner selbstgegründeten Medienagentur, hyperkreatives (und -aktives) Überraschungs-Ei und Gründer zahlreicher Start-Ups. Nachdem er 2018 sein Debütalbum „Nie“ veröffentlichte, welches eine der erfolgreichsten Platten des Jahres wurde, obwohl sie nur per Vorbestellung gekauft werden konnte, gab er vor Kurzem bekannt, auch im letzten Jahr heimlich an Musik gearbeitet zu haben. Am 29. Mai erscheint „Pop“ und manche Fans wären sogar bereit, eine Niere zu spenden, um an eine der neuen Scheiben zu kommen. Tja, wie Fynn selbst singt – „Wie lahm ist das Leben ohne Risiko?“

Während Fynn noch mitten im aktuellen Musikvideo-Projekt zur neuen Single „Schmeiß mein Leben auf den Müll“ steckte, zu dem er all seine Zuschauer in ihrer Quarantänezeit daheim aufforderte, Bilder aus dem Video nachzustellen, um daraus ein Bewegt-Bild-Mosaik zu erstellen, haben wir ihn am Telefon erwischt, um mit ihm über die neue Platte, das Quarantäne-Leben im Kliemannsland und sein Musiker-Dasein zu schnacken.
Wie läuft es mit der Videoproduktion zu „Schmeiß mein Leben auf den Müll“?
Wir hatten eigentlich zwei Wochen dafür geplant und wussten nicht mal, ob wir alle Frames vollkriegen, aber über Nacht war schon die Hälfte der Bilder belegt. Das war krass. Mittlerweile sind alle Frames vergeben – voll spannend. Jetzt kümmern wir uns um die Aufarbeitung des Videos und passen alle Bilder an, sodass sie perfekt passen. Das ist sehr viel mehr Arbeit, als wir dachten, aber es wird voll geil. (lacht)

Du bist Webdesigner, Unternehmer, Musiker, YouTuber... Wo siehst du dich selbst am ehesten?
Eigentlich finde ich die meisten dieser Begriffe ein bisschen eklig. (lacht) Am ehesten bin ich einfach ein Gründer. Ich gründe verschiedene Sachen. Ich habe irgendwelche Ideen, die ich dann umsetze. Das bin ich, glaube ich. Relativ hart runtergebrochen, aber ich würde dem ganzen keinen künstlerischen Überbegriff geben.

Woher kannst du all das? Frei Schnauze, learning by doing?
Voll. Ich kann nichts, was du nicht auch kannst. Ich glaube, wir können alle die gleichen Sachen. Ich interessiere mich einfach nur ganz doll für Sachen und beschäftige mich dann viel damit. Am Ende kommt dann irgendwas dabei raus. Ob das dann gut ist oder nicht, weiß ich vorher auch immer nicht so genau. Aber ich mach es einfach. Ich glaube nicht, dass ich da besonders talentiert für bin, sondern einfach nur sehr interessiert.

Was wolltest du als Kind werden?
Hmm, ich wollte immer fechten. (lacht) Und Skateboard-Profi werden. Beruflich habe ich mir überlegt, Luftballons an der A1 zu verkaufen, damit die Kinder, die im Stau stecken, was zu tun haben. Ich hätte es cool gefunden, Helium-Luftballons zu verteilen, damit kann man Spaß und eine komische Stimme haben. Ich habe auch mal überlegt, Tischler zu werden, aber dann hab ich gemerkt, dass das richtig handwerkliches Können erfordert und dann hatte ich da keinen Bock mehr drauf.
Dein Tag hat gefühlt mehr als 24 Stunden. Wie viele Stunden Schlaf gönnst du dir?
Joa, weiß ich nicht. Ich gehe schon spät ins Bett, aber ich schlafe auch manchmal länger – je nachdem, wie viel ich so brauche. Ich komme schon gut mit vier Stunden Schlaf aus, das ist kein Problem und das mach ich auch viel. Aber ich glaube, der eigentliche Unterschied ist eher, dass ich einfach den ganzen Tag über arbeite. Viele Leute sind ganz viel abgelenkt, fahren mal in den Urlaub oder gucken lange irgendwelche Filme oder so und das mache ich einfach nicht so viel. Ich tüddel immer an irgendetwas rum.

Wie kamst du dazu, alles, was du tust mit der Öffentlichkeit zu teilen? Wünscht du dir nicht manchmal mehr Privatsphäre?
Nö. Ich habe mich schon immer viel für das Internet interessiert. Alles, was sich da an Entwicklungen ergeben hat, finde ich spannend und seitdem ist es auch Teil meines Lebens. Ich habe jede Plattform, die es jemals gab, ausprobiert, mich immer überall angemeldet und damit rumgespielt. Dann habe ich angefangen, daraus irgendwas zu machen. Ich habe mir nie gedacht, nur bis zu einer gewissen Grenze zu gehen und zu veröffentlichen. Ich wollte immer nur gucken, wie man das alles am besten benutzt. Ich habe die Technologie immer tief in mein Leben gelassen und dann ist es halt so tief verankert, wie es halt passiert ist. Ich wollte nie Leute besonders irgendwo abholen, sondern habe geguckt, was Witziges in meinem Leben passiert – dahin habe ich Menschen mitgenommen und wie weit sie dann in mein Leben gucken können, ist halt die Konsequenz daraus.

Dein neues Album erscheint Ende Mai. Worum geht’s darauf?
Ich habe mich einfach hingesetzt und Musik gemacht. Ich saß jede Nacht oben in meinem Studio, dort schalte ich in meinen privaten Musik-Modus um und schreibe Dinge auf, die mich beschäftigen. Die Themen sind wieder sehr nah aus meinem Leben; Sachen, die mich in dem Moment beschäftigt und das Jahr über begleitet haben. Musikalisch gibt’s den roten Faden, aber inhaltlich eher nicht.
KF Fynn Kliemann c Nikita Teryoshin 03 art
In deinen Videos wirkst du immer sehr aufgedreht und laut – deine Musik hingegen ist sehr emotional und tiefgründig. Ist die Musik für dich eine Art Ventil? Etwas, das dich erdet?
Ja, schon irgendwie. (lacht) Das ist auf jeden Fall ein Gegenentwurf. Tagsüber ist immer alles geprägt von Schnelligkeit, Stress und Intensität. Abends ist es dann so, dass ich drei Gänge runterschalte, durchatme und einfach mal rumdüddel. Ein bisschen auf dem Klavier rumdrücke, irgendetwas singe und gucke, was es wird. Tagsüber geht das nicht, sich so treiben zu lassen. Ich bin auf jeden Fall voll der Nacht-Musiker, wenn alles um mich herum ruhig ist. So zwischen ein und zwei Uhr nachts bin ich dann fertig mit meinem normalen Alltag, danach klappe ich den Laptop zu und geh ins Studio. Wenn nix bei rauskommt, dann bin ich auch nach einer Stunde wieder raus. Wenns voll geil ist, bin ich halt die ganze Nacht da, schlafe ein Stündchen und gehe dann auf die Arbeit.

Nach deinem ersten Album „Nie“ wolltest du eigentlich keine Musik mehr rausbringen. Warum jetzt doch wieder?
Ich habe das in einer Phase gesagt, in der ich gemerkt habe, wie anstrengend das ist. Das war sozusagen ein Memo an mich selbst, so ein „Alter, mach das nicht nochmal“. Nie wieder diesen Stress. Wir haben ja alles selber gemacht: Label gegründet, Vertrieb vorbereitet, Musikvideos gedreht, Schnitt, Grafik – hinter alledem, was du dir so vorstellen kannst, steht ja eigentlich nur eine Person. Und ich dachte, ich schaffe das nicht nochmal. Emotional hat mich das ganz schön fertig gemacht, überhaupt diese Musik mit irgendwem da draußen zu teilen und diese Kombi wollte ich mir nie wieder antun. Dann habe ich aber ein Jahr lang rumgesessen und wieder ein bisschen Kram gemacht und gemerkt, dass ich die Musik auch nicht nicht veröffentlichen kann. Da sind Sachen dabei, die ich nicht für mich behalten kann. Musik entsteht auch dann, wenn sie auch gehört wird, hab ich so das Gefühl. Also musste ich es irgendwie doch wieder machen. Wie die Veröffentlichung am Ende ist, habe ich ja selbst in der Hand, aber jetzt bin ich in genau die gleiche Falle wieder getappt. (lacht) Es ist alles cool und ich freue mich, dass ich das mache, aber es ist wieder sehr anstrengend.

Am 29. Mai soll auch dein Film „100 000 – alles, was ich nie wollte“ ins Kino kommen ...
Genau, da geht es um die Entstehungsgeschichte von „Nie“. Da hat mich ein Kumpel über ein Jahr begleitet und alles gefilmt, was so in dem Jahr passiert ist. Man sieht, wie wir alles gemacht haben, wie alles passiert ist. Wie bringt man ein Album raus, wie gründet man ein Label, wie haben die Leute reagiert. Quasi, wie man ohne alles eines der erfolgreichsten Alben 2018 rausbringt. Wir haben einen eigenen Vertrieb dafür gegründet und auch da machen wir wieder alles in Eigenregie. Wir haben Leute gefragt, welche Kinos sie gerne besuchen würden und darauf haben sich 110 000 Leute gemeldet, die Kinos ausgewählt haben. Die gehen wir jetzt nach den beliebtesten durch und da wollen wir laufen. Jetzt grade ist noch so die Frage, wie wir das alles machen, weil uns Corona da ja auch reinspielt. Wir werden sehen, wie sich alles noch so entwickelt, aber geplant ist dann, den Film nur einmal an diesem Tag zu zeigen.

Auch dein Album kann man nur vorbestellen und nach Veröffentlichung nicht mehr kaufen. Warum hälst du an diesem „Nur-ein-Tag-Konzept“ fest?
Ich finde, irgendwie verläuft sich nach der Veröffentlichung immer alles so schnell. Es geht gar nicht um den einen speziellen Tag. Es ist auch cool, keinen Müll, sondern nur auf Vorbestellung zu produzieren. So muss man nicht auf eine kalkulierte Masse reagieren und die Exklusivität ist irgendwie cool; dass Leute, die einen frühzeitig unterstützen, auch ihr Produkt bekommen. Alle, die erst nachträglich auf den Zug aufspringen, haben das dann halt nicht. Das finde ich irgendwie geil, dass die Leute für ihr Vertrauen belohnt werden.
KF Fynn Kliemann c Nikita Teryoshin art
Das Video zu „1 Minute“ ist super crazy und wird auf YouTube total gefeiert – wie habt ihr das Video gemacht?
Wir haben mich mit so nem 3D-Scanner gescannt. Dein ganzer Körper wird dann von allen Seiten von Kameras fotografiert und dann gibt es eine 3D-Figur von dir, die man animieren kann. Das hat bei mir Vincent Ubags gemacht, den habe ich auf Instagram kennengelernt, angeschrieben und der hatte mega Bock. Über einen Monat haben wir dann jeden Tag zehn Stunden lang die Figuren animiert. Das war ganz schön aufwendig. (lacht)

Dein neues Album trägt den Namen „Pop“. Was bedeutet der Titel für dich? Siehst du deine Musik selbst als Popmusik?
Ja, so würde ich sie gerne nicht sehen, aber das ist sie nun mal, glaube ich. Das ist so die Frage, die ich mir auch gestellt habe. Ich wäre gerne ein harter Rapper, aber das bin ich halt nicht und immer, wenn ich etwas ernst meine, kommt da halt Musik raus, die ich am ehesten als Pop bezeichnen würde. Und dann muss man auch irgendwie einfach mal dazu stehen. Wichtig ist nur, dass es ehrlich gemeint ist und dass es von Herzen kommt. Auch wenn sich immer alle dagegen wehren, denke ich mir, was heißt schon Pop. Pop ist halt populäre Musik und das ist eigentlich voll das Kompliment, weil die Leute es mögen. Also habe ich es einfach so genannt.
Warum willst du nicht live spielen und mit deiner Musik touren?
Das werde ich jeden Tag zwanzig Mal gefragt. (lacht) Vielleicht sollte ich mal ein Video dazu machen. Ich habe einfach Angst davor, auf die Bühne zu gehen. Ich sehe das auch irgendwie als Zeitverschwendung an. Dieses ganze Warten, Warten, Warten ... Wenn du Live-Musik machst, wartest du eigentlich 24 Stunden, um eine Stunde zu musizieren. Ich habe Angst, was zu versemmeln und ich habe keine Lust, zu reisen. Ich bin viel lieber zu Hause. Ich habe auch das Gefühl, dass ich mehr schaffe, wenn ich das nicht mache. Außerdem muss man so eine Tour auch richtig vernünftig vorbereiten, sich intensiv damit beschäftigen, ein Konzept aufstellen, mit einer Band üben. All so ein Zeug. Ich kann ja nicht mal meine eigenen Texte! (lacht) Ich mag das alles irgendwie nicht.

Warum sieht man dein Gesicht nirgends auf den Promofotos?
Das neue Video zu „Schmeiß mein Leben auseinander“ ist das erste, in dem ich so performancemäßig in die Kamera singe – ich mag das nicht. Sonst bin ich immer gerne öffentlich und alles, aber bei Musik irgendwie nicht. Da soll der Song für sich sprechen. Auch bei den anderen Videos vorher bin ich nie richtig zu sehen. Ich habe immer versucht, dem aus dem Weg zu gehen – beispielsweise mit der animierten Figur. Jetzt ist das was Neues, aber da habe ich ja durch die Frames viele Leute mit dazugenommen. Es ist schön, wenn die Leute meine Musik hören, aber mein Gesicht und mein Name muss nicht unbedingt damit assoziiert werden. Ich weiß auch nicht, ich bin da irgendwie ein bisschen dumm oder zu schüchtern.
Zu guter Letzt noch das unumgängliche Thema Corona. Hat sich für dich durch die Ausgangsbeschränkungen auf dem Hof etwas verändert? Du bist ja quasi eh immer zu Hause ...
Ne, da hat sich gar nix verändert. Das einzige, was jetzt halt dumm ist, ist natürlich das mit dem Kinofilm und die Produktion vom Album, weil ja alle europäischen Grenzen dicht sind. Alles ist jetzt kompliziert. Auch das Kliemannsland besteht nur aus persönlichen Kontakten; also Events, Vermietung und dem Café. Da sind wir natürlich gerade gebeutelt, weil alles zu ist. Aber meinen eigentlichen Job bei Herrlich Media, also die Agentur-Arbeit, betrifft das gar nicht, weil wir eh alle immer im Home-Office komplett dezentral arbeiten. Wir bauen halt Webseiten – besser kann es uns nicht treffen. (lacht) Wir machen ja nur Internet-Zeug. Also mein persönliches Leben betrifft es nicht so, ich hänge eh den ganzen Tag nur vor dem Computer. Und wenn ich da nicht bin, bin ich in der Garage und treffe mich mit den zwei Freunden, mit denen ich mich jetzt quasi in gewählter Isolation befinde. Wir sind so eine Gruppe von vier, fünf Leuten im Kliemannsland und niemand geht rein oder raus. Das ist die Gruppe, mit der ich jetzt rumhänge, aber mit der ich auch sonst immer rumhänge. Glück gehabt.
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Interview Louisa Ferch
Fotos Nikita Teryoshin

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