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Die Wolfenbüttler Band El Andaluz veröffentlichte 4/20 ihr neues Album
mit dem schlüpfrigen Titel „Magnum Dong“.
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Brennende Mittaghitze, rote Seide, saure Zitronen und Flamenco – danach klingt der Name El Andaluz. Die Worte „Magnum Dong“ hingegen erscheinen als anstößiges Internet-Geplänkel, das sich zwangsläufig selbst auf die Schippe nimmt. Irgendwo in der Fusion dieser beiden Dinge und doch ganz woanders liegt der Kern der Wolfenbütteler Band El Andaluz, deren neuestes Album „Magnum Dong“ grasgrün und frisch am 24. April 2020 erschienen ist. eitung
Der Andalusier des Trios ist Martin (24), Sänger wie auch Gitarrist, der die Band 2009 in alter Besetzung ins Leben rief. In Sevilla geboren, lebt er seit seinem dritten Lebensjahr in Wolfenbüttel. Die Grobfassungen von Texten und Musik stammen gewöhnlich aus seiner Feder, werden in die Runde geworfen, gewogen, gemessen, beurteilt, verschoben, umgeschrieben und in eine Form gebracht, die den Charakter der gesamten Band widerspiegelt. Schlagzeuger Kilian (20) schloss sich fünf Jahre nach Gründung an und kümmert sich seither um technische Fragen: Er mischt ab, produziert und grätscht Martin das eine oder andere Mal in seine fixen Ideen hinein. Justin (19) hingegen, der das Trio zwei Jahre später vervollständigte, stellt mit seinem brummenden Bass den Ruhepol der Runde und holt seine Bandkollegen wieder auf den Teppich, wenn es mal hoch hergeht.
Offen für alles
Nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten, auch unterschiedliche Musikgeschmäcker führen dazu, dass El Andaluz hochgreifend den Wankelmut zelebrieren. Nur schwer lässt sich das Sammelsurium an Kuriositäten, das die Band an den Tag legt, in einem Genre zusammenfassen.
Egal, ob Blues, Metal oder Musicals, überall lässt sich etwas mitnehmen, davon sind die drei überzeugt. „Wenn man Musikrichtungen prinzipiell ablehnt, versperrt man sich. Deshalb ist es uns wichtig, offen für alles zu bleiben“, deklariert Martin. Ein Credo, das nicht nur in musikalischer, sondern auch in sprachlicher Hinsicht greift. Zwar singen El Andaluz primär auf Englisch und auf Spanisch, „trotzdem haben wir schon versucht, ein viersprachiges Lied zu schreiben, auf Deutsch, Englisch, Spanisch und mit einer japanischen Bridge. Das sparen wir uns aber erstmal doch für ein anderes Album auf“, lacht Martin. Experimentell erscheint auch ihr YouTube-Account, der neben Musikvideos auch satirisch anmutende Teaser und Promovideos zum Besten gibt.
Nichtsdestotrotz versucht man, konzeptionell im Gleichgewicht zu bleiben. Ihr letztes Album, „Drunk Weirdo Blues“, haben sie 2018 unter der professionellen Leitung von Harry Baumgartner aufgenommen, der auch Jeanette Biedermann und Ich+Ich produzierte. „Seitdem legen wir mehr Wert auf Organisation und gehen strukturierter heran“, erklärt Drummer Kilian.

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Ihr neuestes Werk, „Magnum Dong“, profitiert von dieser Lektion, obwohl es erneut in ihrem hauseigenen Studio sowie im Proberaum im Keller unter einer Kirche entstand. 13 Lieder umfasst das neue Album, das im Lofi-Garage-Rock-Gewand daherkommt und seine Inspiration in den unendlichen Weiten des Internets fand: Digitalisierte Datingvideos aus den 80ern haben die Jungs gemeinsam mit einem anrüchigen Danny-DeVito-Meme auf den Trichter gebracht, für ihr neuestes Album Schnurrbärte und Hawaiihemden zu tragen. Das Cover erinnert stark an Tom Selleck in seiner Rolle als Privatdetektiv Magnum, aber auch Texte und Promo liefern alle möglichen Anspielungen, die 80er-Fan-Herzen höherschlagen lassen. Dennoch werden viele zeitgenössische Einflüsse verarbeitet: Im Produktionsprozess wurden laut Martin neben Bob Dylan auch die Black Keys gehört und haben mit Sicherheit ihre Spuren hinterlassen.
Der Stil von El Andaluz lässt Experimente mit Country, Blues, Balladen und Pop erkennen, die Vocals erinnern entfernt an Pete Doherty, der Stil an die Artic Monkeys. Ihre Texte sind wild durcheinander. Hier gibt es zwar keine andalusischen Hunde, aber humpelnde Katzen. Hauptsächlich geht es jedoch um Liebe, Trauer oder Eifersucht, aber auch um Nostalgie. Obwohl ihr bunt-beflissener 80's-Chic romantisierend wirken mag, haben sich die drei nicht in vergangenen Tagen verloren. Lost in the 80's?
„Es war eben eine völlig andere Zeit“, sagt Justin. „Heute ist es einfacher, technisch hochwertig zu arbeiten, dafür geht man allerdings auch eher unter“, pflichtet ihm Kilian bei. „Deshalb nehmen wir es, wie es kommt. Keiner weiß, was die Zukunft bringt, also ergibt es auch keinen Sinn, sich in Pläne zu verrennen.“ Trotzdem freuen sich die drei Wolfenbütteler darauf, noch lange als El Andaluz auf der Bühne zu stehen. Mit den Erwartungen brechen, sich selbst nicht zu ernst nehmen und Spaß an der Sache haben, das ist ihnen wichtig. „Musik hält der Gesellschaft den Spiegel vor“, betont Justin, „sie begleitet Menschen in so vielen unterschiedlichen Lebenslagen. Es ist schön, ein Teil davon zu sein“.

Eine Band mit Potenzial, die ihren nächsten Gig leider noch eine kleine Weile herbeisehnen muss: Nach der pandemiebedingten Pause geben sich die drei Eklektiker auf dem Bandcontest Plattsounds im November die Ehre, wo sie ihren Song „Magnum Dong“, übersetzt ins Plattdeutsche, performen werden. ¡Qué guay!

Text Isabel Pinkowski
Fotos Pia Abdin

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