Schrottgrenze sind zurück | Die Wurzeln der Hamburger Indieband reichen bis ins hiesige Peine. Aus den ehemaligen Schul-Punks wurde nach dem Umzug in die Hansestadt eine vielgepriesene Rockgruppe, die mit ihrem ganz eigenen Sound überzeugt. Auf dem neuen Album „Glitzer auf Beton“ gibt sich die Band reifer und bunter. Wir haben mit Sänger Alex über Schrottgrenze, Queerness und die Toilettenfrage gesprochen.

KF Schrottgrenze c Chantal Weber 01

Beschreibe Schrottgrenze in drei Worten.
Das ist schwer … ich probiere es: DIY, Freundschaft und Indierock.

Wie kam es zum Neustart?
Es gab dahinter keine konkrete Intention, es war eine schleichende Entwicklung. Es begann eigentlich 2014, als die Gruppe Herrenmagazin ihren zehnjährigen Geburtstag in Hamburg feierte und sie sich gewünscht hat, dass wir dort mit einem Special-Guest-Set auftreten. Das haben wir auch getan und gemerkt, wie viel Spaß uns das nach der jahrelangen Pause macht. Dann kamen wir auf die Idee, ein paar Gigs zu spielen und so kam eins zum anderen.

Ist das Album auch so unverhofft entstanden?
Nee, das war schon geplanter. Wir hatten im Vorfeld getourt und eine Best-of-Compilation herausgebracht. Es gab daraufhin viele Nachfragen, ob denn auch was Neues kommen würde. An dem Punkt war es für uns besonders wichtig, dass keine leeren Versprechungen in den Raum gestellt werden. Wir haben also erst einmal gesammelt und gemerkt, wir haben Spaß daran und es sind gute Songs dabei, eun erst dann haben wir das Album offiziell angekündigt.

Was ist das Thema von „Glitzer auf Beton“?
Auf jeden Fall die Themen „Queer Life“ und „Queerness“. Die ganzen Gender oder LGBT-Themen waren für mich zentrale Bausteine beziehungsweise Motivatoren, eine neue Platte zu texten. Heute nach zehn Jahren hat sich unsere Perspektive stark weiterentwickelt und dementsprechend war es uns wichtig, dass diese Aspekte auf unserer Platte thematisiert werden.

Was kann Pop zum Thema beitragen?
Ziemlich viel! Rock und Pop sind schließlich wichtige Bestandteile von Kultur. Es ist auffällig, dass diese Themen dort noch nicht wirklich etabliert sind. Viele Menschen äußern sich in Deutschland zwar positiv über solche Themen, aber es gibt eigentlich kaum Musik darüber – vor allem kaum Popmusik. Das ist in Rap- oder Undergroundbereichen schon viel weiter. Ich finde es seltsam, dass eine so offene Kultur wie Pop, Rock und Indie da so wenig Impact haben. Dabei könnten viele Menschen einen Blick auf die Dinge bekommen, der empathischer ist als wenn man das einfach nur trocken in der Uni oder in Polit-Kontexten wahrnimmt.

Zurück zur Geschlechteridentität: Du bist als Saskia Lavaux in Hamburg unterwegs. Welche Toilettentür benutzt Saskia?
Saskia geht auf jeden Fall aufs Damenklo. (lacht) Aber ich bin da ziemlich pragmatisch. Für mich hängt sich das nicht an solchen Feinheiten auf. Es wird so ein Politikum daraus gemacht. So entsteht für mich der Eindruck, als wenn es Transpersonen generell darum gehen würde – vielleicht ist es ja einigen wichtig. Ich kann nicht für alle sprechen. Aber geht es doch eigentlich um die Anerkennung, dass man existiert. Weil einfach viele Menschen es gar nicht wissen oder eigentlich gar nicht wahrhaben wollen.

Brauchen wir getrennte Toiletten überhaupt?
Das ist die nächste Frage. In vielen Clubs und progressiveren Umgebungen ist das Unisex-Klo normal. Es gibt schon viele Lösungen für solche Fragen, aber die Grundfrage oder -idee muss doch eigentlich sein, die Gefühlswelt der anderen Leute anzuerkennen.

Das Album habt ihr in einer limitierten Edition auf Kassette herausgebracht. Warum?
Es gab eine Anfrage von einem kleinen Tape-Label, „Last Exit Music“, und das betreibt ein großer Fan von uns. Er hat sich gemeldet, als das Album angekündigt wurde. Ich finde das super, weil ich mit meinen anderen Musikprojekten immer Tapes gemacht habe. Es hat den gewissen Retrofaktor und ist ein Medium, was gerade für diese Do-it-yourself-Sache steht.

Wie tastest du dich ans Schreiben heran?
Beim Texten bin ich auch nach all diesen Jahren immer noch unsicher. Ich sammle Zeilen oder Themen in meinen Notizbüchern oder im Handy, dann verdichte ich das zu Texten. Das ist ein sehr technischer Prozess. Ab einem gewissen Punkt zeige ich das den anderen und wir diskutieren darüber. So kommen zu meinen Texten noch ein paar wichtige Dinge dazu.

... aber die Grundfrage oder -idee muss doch eigentlich sein, die Gefühlswelt der anderen Leute anzuerkennen.

Was braucht ein Schrottgrenze-Album, um ein Schrottgrenze-Album zu sein?
Das haben wir uns auch gefragt, bevor wir mit dem Album angefangen haben. (lacht) Wir haben nach den ersten Songs unseren Sound wiederentdeckt und uns gefragt, wo der herkommt. Ich glaube, es ist die Art wie wir die Gitarren benutzen und das Zusammenspiel der Gitarren mit meiner Stimme. Ich finde es gut, dass wir so ungeplant einen eigenen Sound haben.

Ihr seid jetzt auf Tour. Worauf freut man sich bei Konzerten? Und was ist nervig am Touren?
Ich finde das Busfahren ziemlich nervig. Das finden sicherlich alle Musiker total ätzend. Autofahrluft macht die Atemwege krank und reisen ist eben anstrengend. Aber was ich cool finde, sind die Leute, die wir durch dieses mittlerweile aufgebaute Netzwerk treffen. Es kommen Leute, die wir seit 20 Jahren kennen und viele neue, jüngere Leute. Das freut mich sehr.

Was wünscht sich Schrottgrenze?
Das klingt etwas kitschig, aber wir wünschen uns, dass die Gesundheit der Band erhalten bleibt. Solange wir gesund und zufrieden sind, können wir auch noch lange weitermachen.

Text: Kathleen Kalle
Fotos: Chantal Weber

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