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Soultecniques

26. Januar | B58 (BS)

Alternativer Rap und Reggae-Dancehall mit eindeutigem Fokus auf Live-­Performance, so kann man die Braunschweiger Soultecniques wohl mit wenigen Worten ganz gut beschreiben.
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A als brüderlich-unzertrennliches Künstler-Trio sind die Braunschweiger Musiker Niki, Basti und Robi seit 2004 unterwegs. Mit deepen, vielseitigen und unaufdringlichen Texten, experimentierfreudigen Beats und immer wieder tanzbaren Reaggae- und Punkrock-Sessions mit Bands haben sie Gigs in ganz Deutschland gespielt, die Bühne mit Hochkarätern wie Kool Savas, Culcha Candela, Prinz Pi, Nosliw oder Ronny Trettmann geteilt. Die Soulteccas waren lange Zeit wohl die einzige Rap-Gruppe Deutschlands, die auf HipHop-Jams, Reggae Festivals und Punk-Konzerte gleichermaßen eingeladen wurde. Zahlreiche Alben und Singles sind auf Art4Real erschienen, dem Label eines Bielefelder Freundes, des MCs und Produzenten Mad Cap. Nach ihrem letzten großen Release, dem 2009er Album „Weltmusik“, wurde es sehr ruhig um die Soultecs, die drei gingen vorerst getrennte künstlerische Wege: Niki hat sich für Synthisizer-Electro-Experimente im Studio eingeigelt, Basti solo zwei Alben veröffentlicht und Robert mal hier und mal da DJ-Bookings angenommen. Ein Ende der Kreativpause kam 2017 in Sicht, als die drei nach neun Jahren wieder ein Festival spielten und überraschend die Single „La Carretera“ rausbrachten. Nun sind sie im Januar wieder gemeinsam da, wo sie hingehören – auf der Bühne – und feiern „Auf die gute alte Zeit“. Vorab haben wir uns mit Laocz, Minari und DJ Amigo, wie sie sich heute nennen, über damals und heute, Väterchen Hip-Hop und die Bedeutung kreativer Unabhängigkeit unterhalten.
Zum Einstieg: Warum werdet ihr euer Leben lang Hip-Hop hören?
Minari Hip-Hop ist ein großer Teil unseres Lebens, unserer Gedankenwelt. Es ist keine Jugend-, sondern eine Weltkultur, die sich immer weiter verändert und Neues erschafft. Sie spiegelt unsere Welt direkt wider und wird uns daher bis zum Lebensende begleiten.
Laocz Wir sind ein fester Teil dieser Kultur. Und die Kultur, in der du mehr als 20 Jahre gelebt hast, wird immer Teil von dir bleiben.

Eure jahrelange Pause – was war da los?
Laocz Das war wohl mein Impuls. Zu der Zeit hatte unsere Mucke schon deutschlandweit Anklang gefunden und wir waren viel unterwegs. Ich hatte damals massiv die Schnauze voll davon, dass wir uns mehr um Booking und Promo kümmern mussten, als Musik zu machen, zu schauen, wie es uns damit geht und miteinander zu reden. Und es war irgendwie wichtig geworden, was anderen gefallen würde. Das hatte für mich nichts mehr mit Musik zu tun. Der Hype um Klicks und Social Media war größer, als die Kunst und die Crew. Das war der Punkt, an dem ich nicht mehr weitermachen wollte. Die Basis war gefühlt verlorengegangen. Und es hat lange gedauert, bis wir sie zu dritt wieder gefunden haben.

Ihr kommt langsam aber sicher zurück auf die Bildfläche: Wird es ein neues Album geben?
Minari Ein Album kann hier keiner garantieren, aber neue Songs sind in der Pipeline.
Laocz Besser gesagt: Ein Haufen neuer Songs liegt auf der Festplatte.
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Was ist an diesen Songs neu?
Minari Unseren Style zu beschreiben, ist nach wie vor sehr schwer. Wir schauen nicht über den Tellerand, sondern klettern drüber. Wir haben vor zehn Jahren schon Autotune-Hooks über Dancehall-Riddims gebracht, als Hip-Hop davon noch meilenweit entfernt war.
Laocz Ich kann heute problemlos 808er über Offbeats rattern lassen, gepaart mit dubbigen Basslinien, auf äthiopischen Jazzsamples, ohne das Gefühl zu haben, dass es nicht real ist. Ein Song braucht für mich auch nicht immer Sprache. Musikalische Grenzen im Kopf sind kaum noch vorhanden – halt dieses Soultec-Ding.

Wie wichtig ist euch heute eine politische Botschaft? Empfinden manche das als „anstrengend“?
Laocz Drei Leute in der Band, drei Positionen! Für mich ist es wichtiger denn je, deutlich zu machen, wo wir stehen. Darum können die Leute sich auch aussuchen, wieviel Eintritt sie zahlen wollen. Das ist keine Promo, sondern eine Haltung. Anstrengend ist es doch in einer Welt zu leben, wo jemand drei Jobs hat, um die Miete zu zahlen, Rassisten offen aufrufen, Menschen zu jagen oder Konzerne Landwirten vorschreiben, was sie anbauen sollen oder Wasser privatisieren wollen.

Wie steht ihr zu Battle-Rap?
Amigo Ich feier Battle-Rap, natürlich nicht alles. Zum Beispiel Eins-gegen-Eins-Accapella-Battles kann ich mir Stunden reinziehen. Für mich stehen dabei Wortwitz und Cleverness ganz hoch im Kurs.
Gibt es heutzutage auf den großen Bühnen deutsche Rapper, die euch richtig kicken?
Laocz Ich glaub, es gab selten so viel gute Rapmusik. Hör dir mal Mauli oder Marvin Game an, die bringen tausendmal mehr Hippie und Punk in den Hip-Hop, als wir es je geschafft haben. Trap, Cloud, Straßenrap, überall finde ich was, das flashed. Es gibt mega guten Sound überall, scheiß auf Kategorien, es geht doch um Kunst. Als wir unseren Lauf hatten, gab es wenig Mucke, die ehrlich war. Deswegen waren wir dann vielleicht deutschlandweit connected und haben die Fahne oben gehalten. Davon handelt zum Beispiel unser Tune „Feuer“, der so oft für Abriss gesorgt hat, weil er den Menschen aus dem Herzen gesprochen hat. Zieh dir rein, was für deutsche Rapmusik damals populär war. Heute ist das anders. Straßenrap erzählt aus dem Leben, vom Strugglen, von Hoffnung – geht kritisch mit dem System um.

Was waren eure größten Karriere-Highlights? Und macht ihr jetzt nur just for fun weiter?
Amigo Wir hatten so viele unvergessliche Momente, da könnte ich mich nie festlegen. An die Jam mit Galla erinnere ich mich sehr gern zurück und ich kann mich immer noch über Culcha Candela totlachen. Es ist immer ein Familienausflug, den man mit einem fetten Konzert beendet und so soll es bleiben. Hauptsache Mucke machen!
Laocz Word!
„Auf die gute alte Zeit“ steigt im B58. Was verbindet euch mit dem Club?
Minari Mit keiner Location sind wir mehr verbunden. Wir haben da unfassbar viele Konzerte gemacht, alle Alben veröffentlicht und hatten über Jahre einen Proberaum mit Loudog hier. Frank und das B58 waren immer offen für Ideen und dabei immer der Kunst zugewandt. Hier hat man in Braunschweig das Herz am richtigen Fleck.

Wer kommt als Support zum Revival-Konzert?
Minari Unsere Bielefelder Jungs Mad Cap & Tokin One werden ein geiles Konzert abliefern. Dazu werden sich zahlreiche Künstler aus Braunschweig, die in all den Jahren unsere Wege gekreuzt haben, in einer einmaligen Session im fliegenden Wechsel das Mic zuwerfen: Jonny S, Eins A, Das vorläufige Synonym, Eckse Lenz, Dreistil, Tobi Wan, Jeffa und viele mehr. Als DJs stehen neben Amigo Selecta Jahmike und DJ Danny bereit.

Was habt ihr sonst noch geplant?
Minari Wir werden natürlich alte Songs performen und da wird so manchem dann doch die Erinnerung in den Kopf schießen.
Laocz Naja und dann werden wir den einen oder anderen Remix spielen und live an den Controllern schrauben. Also die neuen Entwicklungen der letzten zehn Jahre einfließen lassen.
Worauf sollten sich Leute einstellen, die noch nie auf einem Soultecniques-Konzert waren?
Amigo Die Leute können sich wie immer auf ein energiegeladenes Konzert freuen, egal ob junge oder alte Generation. Wenn wir live spielen, holen wir die Leute einfach ab.
Laocz Ich denke, live reißen wir ziemlich ab.
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Interview Benyamin Bahri
Fotos Soultecniques

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