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Stimme und Gitarre 4

Der Braunschweiger Musiker Cosmo Thunder tigert nun schon zum vierten Mal mit seiner Konzertreihe „Stimme und Gitarre“ durch das Braunschweiger Umland und bringt vom 22. bis 24. Juni neben seiner eigenen Musik auch noch die von fünf befreundeten Interpreten auf die Bühne. Wir haben mit ihm vorab ein bisschen über seine Konzertreihe gequatscht.

Zum vierten Mal findet Stimme und Gitarre nun schon statt. Wie plant man so ein Event überhaupt?
Ich wüsste auch gerne, wie man das richtig macht. Das ist immer ein ganz schönes Chaos. Man muss ständig rumtelefonieren und Freunde um Hilfe bitten und so weiter. Die größte Waffe ist da echt das Handy. Und Mittlerweile sind ja die Locations schon fest. Das Stimme und Gitarre hat ja damals angefangen als Singer-Songwriter-Event, das ich mit ein paar Freunden machen wollte. Da haben wir im Rockcafé Wittingen angefangen und ich wollte damit immer an Orte ziehen, mit denen ich etwas verbinde. Im Rockcafé war das weil ich da groß geworden bin, seit meinem vierzehnten Lebensjahr dahin gehe und schon in sämtlichen Konstellationen dort gespielt habe. Das war immer der Anlaufpunkt für uns.
Im Folgejahr darauf war es dann auf der Streuobstwiese in Rade, denn ich mag das Projekt einfach total gerne, wie dieses Biotop da entsteht und Schüler dorthin können um sich zu informieren. Ich war da auch in der Landjugend und habe Bezug zum Ort. Da haben wir am gleichen Abend unseres Konzertes dort festgestellt, jo, das machen wir nächstes Mal auf jeden Fall noch mal hier. Es war einfach schön in der freien Natur da, wo beim Aufbau die Gänse noch frei rumlaufen. Wir haben da dann ein Zelt aufgebaut, von einem Kumpel eine PA ausgeliehen und damit dieser Wandercharakter halt bleibt, haben wir es dann am Tag davor in der DRK KaufBar veranstaltet. Ich habe dort selber gearbeitet und mag diesen Ort total gerne. Es ist eine tolle Plattform für Liedermacher. Wir haben das Stimme und Gitarre dann also auf zwei Tage ausgeweitet und dieses Jahr sind es sogar drei Tage geworden.

Es wird immer größer.
Genau. Ich bin jetzt nach Hildesheim gezogen und dort wird dann am dritten Tag in der Bootschaft der Abschluss der Konzertreihe stattfinden. Alex, der Schlagzeuger von GR:MM, führt den Laden, ich arbeite da auch ein bisschen und dadurch ist es wieder wie ein Zuhause für mich. Ich fühle mich wohl und habe richtig Bock drauf. Leider fällt das erste Konzert der Reihe in diesem Jahr in der KaufBar aus und findet stattdessen in der VeränderBar in Wolfenbüttel statt.

Warum eigentlich wechselnde Locations?
Der Wandercharakter soll halt beibehalten werden. Das ist Musikmachen für mich: Rumreisen, neue Leute kennenlernen und alte Bekannte wiedersehen. Es gibt so viele schöne Orte, an denen ich das machen möchte. Das hat was von Tour. Es ist cool, an einem Wochenende einfach mal aus dem Koffer zu leben, zu hoffen die Spritkosten rauszukriegen und Pizza zu bestellen. Dieses Liedermacher-, Singer-Songwriter-Ding ist es, was es ausmacht. Auch ein bisschen risikoreich, es kann ja sein, dass man mal liegenbleibt oder so. Abenteuer! Mit Freunden rumreisen und Mucke machen.
Am ersten Tag seid ihr in Wolfenbüttel.
Genau, Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch mal in der VeränderBar anfragen sollte. Die Location hat einen ähnlichen Charakter wie die KaufBar und die Bushaltestelle ist direkt davor, also auch für Braunschweiger gut zu erreichen. Ich hab mich mit dem Team in Verbindung gesetzt und die hatten auch sofort Bock und ich hatte da direkt ein sehr gutes Gefühl.
cosmo1 c Frank Tobian

Ich will die Leute anstiften, lieber einfach mal raus auf eine Wiese zu gehen, bisschen Musik zu hören und einen schönen Abend zu haben ...

Die Veranstaltungsorte sind von sich aus schon sehr unterschiedlich. Mal spielst du auf einer Streuobstwiese, mal in einem Burgerladen. Wie wirken die Locations auf die Auftritte?
Es ist sehr unterschiedlich. In der Bootschaft habe ich auch schon öfter gespielt und es ist manchmal schon seltsam, weil im Publikum viel gegessen wird. Die Bootschaft ist ein Burgerladen mit Bar und da wird Live-Musik dann schnell zum nebenbei-Medium. Den Auftritt jetzt bei Stimme und Gitarre haben wir deswegen nach hinten verlegt. Eine Stunde ist dann Zeit zum Essen, dann schließt die Küche um 22 Uhr und dann hören vielleicht auch mehr Leute auf die Mucke. Problematisch ist auch, dass ich irgendwie das Talent dafür habe, Stimme und Gitarre immer an einem Fußballwochenende zu veranstalten. Vorletztes Jahr habe ich während des Elfmeterschießens Deutschland gegen Italien im Viertelfinale der Europameisterschaft gespielt. Da war die Aufmerksamkeit natürlich komplett weg. Diesmal habe ich extra geschaut, ob jetzt bei der WM irgendein Spiel ansteht, aber da dürfte eigentlich nichts sein, wenn wir auf der Bühne stehen (lacht).
Ansonsten ist es schwer zu sagen, inwieweit das Flair der Locations auf die Auftritte wirken. Es ist einfach ein Moment-Ding. Ich fand es aber immer auf der Streuobstwiese schön. Das Bild, was man da hat ist einfach geil: Sternenhimmel, du hast kaum Luftverschmutzung und wir beschallen mit der Anlage fast das ganze Dorf, die alten Freunde und Bekannten kommen alle wieder, das ist schon ein Gefühl von Heimat. Natürlich laufen die Zuschauer da rum und schauen sich alles an, da gibt es Bienenkörbe und Gänse, das Bier wird da aus dem Ziegenstall heraus verkauft, während du in Kneipen natürlich eine feste Theke hast. Alles in Allem ist es eine gute Mischung was die Locations angeht würde ich sagen.

Welcher Auftritt ist der coolste? Die Eröffnung der Konzertreihe, in der Mitte oder der Abschluss?
Alle Künstler spielen immer in unterschiedlicher Reihenfolge. Da ist jeder Mal als erstes dran. Ich achte dann darauf, dass ich das Ding eröffne und zum Schluss noch spiele. Stimme und Gitarre dauert jetzt zum ersten Mal drei Tage und es gibt auch einen kleinen Wechsel im Line-up. Am ersten Tag ist Phil Hutzon mit dabei, der kann die beiden anderen Tage nicht. Dafür spielt dann Still Afloat aus dem Sauerland, der hier extra hochfährt, an den anderen Tagen.


Planst du ein, dass jeden Tag andere Leute zu den Konzerten kommen, oder wäre es dir lieber, wenn die Zuschauer euch an jede Location die drei Tage über folgen?
Ich hoffe so ein bisschen, dass Leute mitreisen und dann auch die anderen Orte sehen. Bisher ist es so, dass an die jeweiligen Orte die Leute kommen, die auch schon letztes Jahr dort waren. Wenn wir an der Streuobstwiese sind, sieht man häufig die gleichen Gesichter. Ich bin gespannt, wie viele Leute in die VeränderBar kommen werden, denn da war ich noch nie. Aber nach allem was ich gehört habe, haben die Leute auch Bock drauf und das ist das wichtigste.

Wieso machst du eigentlich die Konzertreihe Stimme und Gitarre?
In Wittingen, wo es angefangen hat und wo ich herkomme, mache ich das, weil da echt kaum was los ist, was die Jugendkultur angeht. Da ist das Rockcafé, aber da zieht es auch immer weniger Leute hin, seitdem mein Freundeskreis aus Wittingen weggezogen ist. Da ist kaum noch jemand. Um den Leuten vom Dorf, die jeden Morgen aufstehen, zur Arbeit gehen und dann nachhause kommen und am nächsten Tag das gleiche Programm haben, zu zeigen: „Hey, es geht auch anders, wir sind unterwegs und machen Mucke und eben was anderes, als sich im Dorfgemeinschaftshaus die Kante zu geben oder in Kneipen zu gehen.“ – Nichts gegen Kneipen, ich liebe Kneipen über alles, aber dass einfach mehr geht, dass man dieses DIY-Feeling verbreitet: Da muss niemand Großes dahinterstecken, keine Stadt, die ein Schützenfest veranstaltet oder ein Sommerfest, was dann schon total ausgelutscht ist, weil es immer das gleiche ist. Stimme und Gitarre ist einfach etwas anderes, was Frisches. Und bei den anderen Städten ist es auch so. Ich mag alle Orte. Die Konstanten bei der Konzertreihe sind Herrengedeck und ich. Und dann laden wir halt Freunde dazu ein, mitzukommen und auch zu spielen.
KF cosmo3 c Frank Tobian Art
KF cosmo4 c Frank Tobian Art
cosmo2 c Frank Tobian Art
Alle spielen Akustiksets?
Genau. Modell Bianka aus Hannover machen eigentlich eher so Indiepunk, laut, mit E-Gitarren, Schlagzeug, Bass. Aber extra für Stimme und Gitarre machen sie ein Akustikset. Ich hab sie gefragt, ob sie sich das vorstellen könnten, und die waren total begeistert und meinten, dass sie immer schon Mal ein Akustikset draufkriegen wollten und nun ja die ideale Gelegenheit dazu hätten.

Klingt, als hättest du dir selber die Mission gegeben, Leute wieder für die Szene zu begeistern.
Ja. Aber auch den Kids zeigen, dass es nicht nur arbeiten, sparen und Rente gibt, sondern sie andere Möglichkeiten haben. Ich hatte damals auch gedacht, dass ich nach meiner Ausbildung mein ganzes Leben in Wittingen verweile, aber irgendwie bin ich da noch rausgekommen. Dann nach Braunschweig, jetzt nach Hildesheim, es hat sich alles verändert. Einfach Musik machen und Leute ansprechen. Vielleicht mögen sie es, vielleicht nicht, aber so kriegen sie mal etwas anderes als Schützenfest, Pfingsttour, Bollerwagen und grillen im Garten.

Denkst du, die Kids sind noch empfänglich für solche Dinge fernab des Mainstreams?
Ich glaube einen erreicht man da bestimmt für.

Ein einziger reicht dir schon?
Ja, einen packt das vielleicht und damit wäre es dann für mich schon ein Erfolg. Auf dem Dorf wissen viele Jugendliche nichts mit sich anzufangen und hauen sich dann Drogen rein oder gehen, was früher viel im Trend war, Flatratesaufen. Ich will die Leute anstiften, lieber einfach mal raus auf eine Wiese zu gehen, bisschen Musik zu hören, einen schönen Abend zu haben, sich dabei auch vielleicht die Kante zu geben (lacht). Aber das kommt dann von alleine. Wenn da ein paar mehr Leute Bock drauf haben, ist es natürlich umso schöner.
Zum vierten Mal findet Stimme und Gitarre nun schon statt. Das Format hat sich also scheinbar bewährt?
Ja, es erfüllt mich auf alle Fälle, dass es klappt, dass Leute kommen, dass ich mit meinen Freunden was reißen kann, rumreisen und Musik machen kann, weil ich das am liebsten mache. Und dabei nicht ins Minus zu gehen, wobei das gerade bei solchen Gratis-Events oft schwierig ist, bei denen bloß jemand mit einem Hut rumgeht und Spenden sammelt. Ich kann am Ende allen Musikern ihr Spritgeld geben, keiner macht Verlust und eventuell kann ich mir am Ende des Wochenendes dann noch einen neuen Satz Saiten kaufen.

Kann man also hoffen, dass es in zehn Jahren immer noch Stimme und Gitarre gibt?
Hoffentlich. Mal gucken, vielleicht geht es dann auch länger als ein Wochenende (lacht). Und in andere Städte … Ich hätte das auch gerne größer, mal so ein Ganztagesding auf einem festen Platz, aber dann wäre es nicht mehr, was es mal war, wo es herkommt. So wie es ist, ist es schon cool. Eher eine Tour als ein Festival. Bei Festivals wird auch immer viel zu viel Müll produziert. Das finde ich auch nicht so gut.

Statement zum Schluss?
Alle sollten mehr auf Konzerte gehen, auch wenn man die Bands mal nicht kennt. und einfach drauf achten, dass diese Szenen vor Ort und die Jugend nicht so vor die Hunde gehen. Einfach ein bisschen aufpassen, Musik hören. Die Szene hier in Braunschweig ist so klasse, als ich jetzt nach Hildesheim gezogen bin, fiel mir das schon sehr schwer. Braunschweig ist toll, ich bin gerne hier und sollte ich mein Studium dann fertig haben, komme ich auch zurück (lacht).

Danke für das Interview, Cosmo!
Ja gerne! Hat mich gefreut.
Cosmo c Gideon Rothmann Art

Interview: Simon Henke
Fotos: Frank Tobian, Gideon Rothmann

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