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Regisseur Marvin Kren über seine Netflix-Serie „Freud“
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Mit dem Horrorfilm „Rammbock“ gab der Österreicher Marvin Kren, 40, vor zehn Jahren sein Langfilm-Debüt. Sein zweites Gruselstück „Blutgletscher“ bekam drei österreichische Filmpreise und lief auf dem Max Ophüls Festival. Nach einigen „Tatort“-Folgen brachte der Clan-Krimi „4 Blocks“ vor drei Jahren den großen Durchbruch. Mit der achtteiligen Serie „Freud“ präsentiert Kren nun einen Thriller um den jungen Nervenarzt, der einer Mordserie in Wien auf die Spur kommen will. Die Premiere fand auf der Berlinale statt. SUBWAY unterhielt sich mit dem Regisseur.
Herr Kren, Pech für Bond, Glück für „Freud“: Corona dürfte Ihnen gute Quoten bescheren, bei der TV-Ausstrahlung im ORF holten Sie bereits immerhin 475 000 Zuschauer ...
„Freud“ ist kein Krisengewinner! Die TV-Quote war gut, aber weil auf ORF 2 zeitgleich ein aktueller Bericht über Corona kam, haben sehr viel Zuschauer dieses Programm angeschaut. In Zeiten geschlossener Kinos und Selbst-Quarantäne wird es für Film-Fans sicher erfreulich sein, dass sie sich auf Netflix auch mit Arthaus eindecken können.

Was würde Freud zu „Freud“ sagen?
Freud würde mich vermutlich mit einem nassen Handtuch durch den zweiten Wiener Bezirk jagen! (lacht)
Wie wahrhaftig sind Sie bei Ihrer Darstellung des jungen Nervenarztes?
Die Ausgangssituation ist sehr wahrhaftig. Wir haben versucht, dem jungen Freud gerecht zu werden: Wen hat er geliebt? Wie war die Beziehung zu seiner Mutter? Was hat es bedeutet, in dieser Zeit ein junger jüdischer Arzt zu sein? Freud war erpicht auf die Kontrolle seiner eigenen Biografie und hat viele Schriften aus seiner Frühzeit zerstört. Auf die Phase der Hypnose war er gar nicht so stolz. Die mangelnde historische Überlieferung aus dieser Zeit gab uns die gewisse Freiheit, eine Genre-Erzählung aus Mystery, Thriller, Crime und Horror zu machen.
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Wie stolz sind Sie auf Ihre Phase der Hypnose? Sie wollten sich zur Vorbereitung selbst hypnotisieren lassen, brachen das Experiment jedoch erschrocken ab. Was war da los?
Im Film sieht man Hypnose meist mit dem ziemlich abgedroschenen Bild von einem Pendel. Um eine andere Art der Darstellung zu finden, wollte ich unbedingt selbst erfahren, wie sich Hypnose anfühlt. Meine Skepsis schlug schnell um. Die Wirkung war enorm, ich war zehn Minuten lang völlig willenlos. Diese Erfahrung fand ich sehr erschreckend und brach das Experiment ab. Aber es war wichtig zu wissen, welch mächtiges Instrument Freud da in seinen Händen hatte.

Ihre Serie hat bisweilen gleichfalls einen fast hypnotischen Sog.
Wir haben natürlich versucht, eine sehr intensive Serie zu machen, die ans Eingemachte geht. Und die einen dort berührt, wo eine Serie einen zuvor noch nicht berührt hat. Deswegen sind die Reaktionen auch sehr konträr. Zum einen gibt es ganz großes Lob. Zum anderen reagieren manche Zuschauer sehr aggressiv auf „Freud“, weil sie einige brutalen Szenen erschüttert haben.

Wie erschüttert war Netflix von Ihrem Drehbuch? Freigegeben ist die Serie ab 16 Jahren.
Netflix ist da ziemlich cool und mutig. Solche gewagten Stoffe werden als passend für die Zielgruppe gesehen. Beim ORF war man etwas besorgter, aber sagte: Das muss ein öffentlich-rechtlicher Sender auch können. Man hat mir viel Freiheit gelassen und ist den ganzen Weg mit mir gegangen. „Freud“ war wie eine Carte blanche, weil „4 Blocks“ so erfolgreich war. Für dieses Vertrauen bin ich auch ehrfürchtig.
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Was halten Sie vom Vergleich mit der Serie „Babylon Berlin“?
„Babylon Wien“ ist häufig zu hören, das ist auch naheliegend. Ich wollte eine Serie machen über jene Zeit, in der die großen Denker und Künstler Wiens groß geworden sind. Es war die Dämmerung der Donau-Monarchie. Mit pervertierten Moralvorstellungen musste eine junge Generation aufwachsen. Wobei der Keim von Demokratie und Freiheit bereits vorhanden war. Aber alles wurde eben unterdrückt. Ein perfekter Nährboden für Symptome wie Hysterie oder Neurosen entstand.

Manche sehen Ihren Freud als Superhelden. Sehen Sie das ähnlich?
Von weitem könnte man unsere Show als cooles Comic beschreiben. Insofern wäre der Antiheld wie ein moderner Superheld mit all seinen Schattenseiten. Tatsächlich ist das jedoch nicht der Fall, unser Freud ist zu menschlich, als dass er ein Superheld sein könnte.
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Wenn einem beim gejagten Kaiser im nächtlichen Labyrinth „Shining“ einfällt, ist das kaum Zufall?
(lacht) Das sind Dinge, die sich ergeben haben. Auf der Suche nach dem geeigneten Showdown entdeckten wir beim Blick aus dem Schloss diesen Irrgarten. Welches besseres Motiv hätte es geben können? Das Labyrinth ist die perfekte Metapher für das Unbewusste!

In all Ihren Filmen tritt mit Brigitte Kren Ihre Mutter auf, diesmal als Haushälterin Leonore. Was würde Freud dazu sagen?
Vermutlich würde er einen Ödipus-Komplex sehen! (lacht) Meine Mutter und ich haben eine sehr starke Bindung zueinander. Es ist auch ein Dankeschön dafür, dass sie mir diesen Beruf nähergebracht hat. 

Interview Dieter Oßwald
Fotos Jan Hromadko

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