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Schauspielsuperstar Moritz Bleibtreu im Interview über sein Regiedebüt „Cortex“
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Populär wurde Moritz Bleibtreu Ende der 90er Jahre durch Filme wie „Knockin' On Heaven's Door“, „Lola rennt“, „Das Experiment“ oder die Kult-Komödie „Lammbock“. Sein vielseitiges Rollenspektrum reicht vom RAF-Terroristen in „Der Baader Meinhof Komplex“ bis zu Joseph Goebbels in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Auch Hollywood wurde auf den Schauspieler aufmerksam: ob in Steven Spielbergs Polit-Drama „München“ oder in Actionstreifen wie „Speed Racer“ oder „World War Z“ mit Brad Pitt. Nun präsentiert Bleibtreu mit dem Mystery-Thriller „Cortex“ sein Regiedebüt, das er nach eigenem Drehbuch inszeniert und zugleich die Hauptrolle übernimmt. SUBWAY im Interview mit dem Künstler.
Herr Bleibtreu, wie gut haben Sie letzte Nacht geschlafen?
Die Klassikerfrage zum Film! (lacht) Ich schlafe eigentlich ziemlich gut. Beim Einschlafen holpert es bisweilen, weil manchmal noch zu viel Kopfkino läuft. Danach schlafe ich jedoch meistens bis zum Morgen problemlos durch.

Es gibt also keine autobiografischen Elemente in dieser Albtraum-Geschichte?
In der Traumgeschichte weniger, Überschneidungen gibt es bei der Frage von Identitäten. Als Schauspieler gehört es schließlich zu meinem Beruf, immer wieder so zu tun, als wäre ich ein anderer. Ich muss mich ständig in der Identität fremder Figuren finden. Wobei es vielen Menschen vertraut ist, eine Person vorzugeben, die sie gar nicht sind oder sein wollen. Für diesen Zustand bietet „Cortex“ eine Spiegelfläche.
Sie sind nicht nur Hauptdarsteller, sondern zudem Autor, Produzent und Regisseur. Wie groß ist der Albtraum, in diesen Funktionen sein Regiedebüt zu stemmen?
Das war dem Zufall geschuldet. Nachdem ich das Buch geschrieben hatte, wollte ich auch Regie führen. Es ist schlau, zudem Produzent zu sein, weil kreative Entscheidungen einfacher getroffen werden können. Den Hauptdarsteller wollte der Regisseur allerdings definitiv nicht haben. Unerfahren wie ich war, hatte ich das Drehbuch geschrieben, ohne einen Schauspieler im Kopf zu haben. Beim Casting fand sich niemand, der hundert Prozent gepasst hätte. Vier Wochen vor Drehbeginn fehlte mir der Hauptdarsteller. Da sagt mein Produktionspartner: Mensch, nimm doch den Moritz Bleibtreu, der spielt das bestimmt ganz gut. (lacht) Dagegen habe ich mich aber erstmal mit Händen und Füßen gewehrt, mich aber letztlich überzeugen lassen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?
Es war keine ganz blöde Entscheidung. Erstens hat er das gar nicht so schlecht gespielt, der Bleibtreu. Zweitens war der unheimlich billig. Drittens schadet es nicht, wenn der Hauptdarsteller ein bisschen einen Namen hat. Insofern hat sich das gut ergeben, wobei es überhaupt nicht geplant war.

„Was wäre, wenn die Vorstellung, jemand anderes zu sein, ­Wirklichkeit wird?“

Ihr Traum-Projekt hat bis zur Realisierung über zehn Jahre gedauert. Woran lag das?
„Cortex“ hat keine zehn Jahre am Stück gedauert. Ich habe schon immer geschrieben, schon seit meiner frühsten Jugend. Es gab mehrere Geschichten, bei denen ich mir vorstellen konnte, daraus meinen ersten Film zu machen. Aber wie das so ist, fehlt einem immer wieder die Zeit, das richtig in Angriff zu nehmen. Bis Warner irgendwann so mutig war, den Film mit uns zu machen. Danach ging alles ganz schnell – wie es mit einem starken Partner meist der Fall ist.


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Wie kam es gerade zu dieser Geschichte?

Das Genre des Bodyswitch-Films mochte ich schon immer. Allerdings wollte ich es nie auf die amüsante Art betrachten, sondern mich dem Thema von der psychologischen Seite nähern. Für mich stand die Frage im Raum: Sind wir wirklich, wer wir vorgeben zu sein? Wir entschließen uns irgendwann im Leben, unser Ich zu definieren. Aber ich denke, dass dieses Ich nur eine vage Vorstellung von dem ist, was man sein möchte. Dass wir bis zu einem bestimmten Grad in einer Welt leben, in der viele gar nicht das Leben führen, das sie wirklich wollen. Der Film beschäftigt sich mit der Frage: Was wäre, wenn die Vorstellung, jemand anderes zu sein, Wirklichkeit wird?
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Mit einem Debüt hätte man es gewiss leichter machen können. Ihre beiden Hauptdarsteller räumen ein, dass sie zunächst Probleme hatten, das Drehbuch zu verstehen. Wie komplex darf ein Film sein, dass er sein Publikum nicht überfordert?
Das sind Fragen, über die ich mir so gar keine Gedanken gemacht habe. Ich wollte keinen Film machen, der bewusst kompliziert ist. Aber ich habe großen Spaß an komplexeren Geschichten und einer ausgetüftelten Erzählweise. Ich habe versucht, eine Geschichte zu schreiben, die ich selbst spannend finde. Das Mitdenken und das Verwirrspiel sollten Teil des Erlebens, des Spaßes und der Spannung bei diesem Film sein. Ich habe mich gar nicht mehr so sehr darum geschert, ob und wie man das versteht. Und das scheint beim Publikum besser zu funktionieren als erhofft.

Funktioniert „Cortex“ noch besser mit ein bisschen Pizza à la „Lammbock“?
Bei manchen Leuten vielleicht. Bei anderen Leuten vermutlich gar nicht. (lacht) Man kann sich „Cortex“ auf alle Fälle auch im nüchternen Zustand anschauen. Er sollte auch ohne „Lammbock“-Pizza funktionieren.

Sind Sie durch den Film zum Traumexperten und Schlafwissenschaftler geworden?
Ich habe mich in das Thema eingearbeitet, aber natürlich verfolge ich keinen wissenschaftlichen Anspruch. Wobei die Wissenschaft bis heute auffallend wenig über das Phänomen Schlafen und Träume weiß. Faszinierend finde ich Mythen, wie jene, wonach man im Traum nie sterben kann. Wissenschaftler mögen das bezweifeln, aber als Geschichtenerzähler gefällt mir die Vorstellung.

Gibt es Vorbilder? Wie gefallen Ihnen Vergleiche mit David Lynch?
An Lynch habe ich nie gedacht, aber so ein Vergleich freut einen natürlich. Es fielen auch schon Namen wie David Fincher oder Hitchcock. Immer her damit. Es gefällt mir auf jeden Fall besser als ein Vergleich mit Ed Wood.

Ihr Ratschlag für Kinogänger zu „Cortex“?
Einfach reingehen. Am besten mit einer gewissen Offenheit. Und nicht allein. Aber das gilt schließlich bei jedem Film.
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Interview Dieter Osswald
Fotos Warner Bros.

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