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Superstar Anthony Hopkins über das Demenz-Drama „The Father“
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Als Kannibale in „Das Schweigen der Lämmer“ wurde Anthony Hopkins zum Weltstar, Oscar inklusive. Mit 83 Jahren ist der inzwischen zum Sir ernannte Brite erneut auf Oscar-Kurs: Für seine Rolle als dementer Vater in „The Father“ präsentiert er sich in Höchstform. Nominierungen ist Hopkins gewohnt, ob für „Was vom Tage übrig blieb“, „Nixon“, „Amistad“ oder im Vorjahr „The Two Popes“. Zu weiteren Filmen gehören die Biografien „Mein Mann Picasso“, „Chaplin“ und „Hitchcock“. Aber auch an Popcorn-Kino hat er sein Vergnügen, ob in „R.E.D. 2“, „Thor – The Dark Kingdom“ oder „Mission: Impossible II“. Mit dem Schauspiel-Star unterhielt sich SUBWAY-Kinokenner Dieter Oßwald.
Sir Anthony, in Deutschland avancierte das Demenz-Drama „Honig im Kopf“ zu einem großen Kinokassenerfolg. Gibt es ein Bedürfnis beim Publikum nach vermeintlich schwierigen Themen?
Ich habe den Film leider nicht gesehen und kann dazu nichts sagen. Ich kann auch nicht beurteilen, welche Bedürfnisse das Publikum hat. Darüber mache ich mir keine Gedanken, wenn ich eine Rolle übernehme. Das gehört nicht zu meinem Job, sonst wäre ich in der Marketingabteilung besser aufgehoben. Man kann ohnehin nicht in die Zukunft blicken, niemand kann vorhersagen, ob ein Film zum Knüller oder zum kompletten Flop werden wird.

„Der Mensch gilt als intelligentes Tier – besonders intelligent scheinen wir jedoch nicht zu sein“

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet? Kennen Sie Menschen, die unter Demenz leiden oder haben Sie sich ganz auf das Drehbuch verlassen?
Nein, ich kenne persönlich niemanden, der unter Demenz leidet. Das finde ich auch gar nicht notwendig. Für mich verhält es sich mit der Schauspielerei wie mit Tennis oder Tischtennis: Man denkt nicht darüber nach. Sobald man beginnt nachzudenken, kann man nicht mehr spielen. Das ist, als frage man einen Tausendfüßler, wie er läuft. Es mag herablassend klingen, aber Schauspielern ist einfach. Glauben Sie mir, ich mache das schon ziemlich lange und es ist einfach.

Welche persönlichen Gefühle löst solch eine Geschichte bei Ihnen aus?
Das Leben ist ein schönes Geschenk und eine wilde Schönheit. Wenn man dann den Bezug zur Wirklichkeit, sein klares Denken und die Erinnerung verliert, ist das eine ganz große Tragödie. Man weiß nicht mehr, wer man ist – für mich hat das auf gewisse Weise durchaus Parallelen zu unser aller Situation im Lockdown, wo jeder isoliert lebt. Die sozialen Beziehungen zu anderen Menschen verblassen, das ständige Abstand halten wirkt wie eine völlig neue Welt. Es wird Jahre brauchen, bis all das wieder in ein Gleichgewicht kommt, ganz besonders für Kinder und Jugendliche.
In welcher Form könnte das passieren?
Es bedarf einer ganz neuen Wertschätzung für die Dinge, die möglich sind. Wir müssen erkennen, weshalb wir im Leben so viel Zeit für derart blödes Zeug sinnlos verschwendeten. Die Welt ist voller Hass, Gewalt und Schuldzuweisungen. All das braucht wirklich niemand, das sind ernsthaft pathologische Verhältnisse, die wir endlich überwinden müssen. Der Mensch gilt als intelligentes Tier – so besonders intelligent scheinen wir jedoch nicht zu sein. Unsere Geschichte ist eine Geschichte von Kriegen. Die großartigen Potenziale von Philosophie, Wissenschaft oder Kunst kommen hingegen kaum zur Geltung. Meine Katze weiß nicht, dass sie einmal sterben wird. Wir sollten so smart sein, das wirklich wertzuschätzen, was wir genau in diesem Augenblick haben.

Was hat die Arbeit an „The Father” bei Ihnen ausgelöst?
Die Arbeit an diesem Film hat mich an meine eigene Sterblichkeit erinnert. In gewisser Weise habe ich das Gefühl, dass ich durch die Arbeit an diesem Film vielleicht nicht an Demenz erkranke! Wir hatten eine Menge Spaß am Set, als wir versuchten Florians Dialogstil auswendigzulernen. Als die Kameras auf mich gerichtet waren, war in gewisser Weise keine Schauspielerei mehr nötig!
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Sie haben die wichtigen Preise im Leben erreicht und gelten erneut als heißer Favorit für den Oscar. Welche Bedeutung hat das noch für Sie?
Ich sehe das mit philosophischer Gleichgültigkeit, ohne es zynisch zu meinen. Unser Unterbewusstsein entscheidet darüber, was gut und was schlecht ist. Natürlich wollen wir alle, dass uns nur gute Dinge widerfahren. Aber das ist eben relativ. Wenn mich jemand loben möchte, ist das schön. Wenn mich jemand kritisiert, ist das deren Sache. Ich habe darauf keinen Einfluss und es wird mich als Person nicht verändern. Wenn meine Arbeit nicht mit einem Preis ausgezeichnet wird, dann ist das eben so. Das hat mit mir selbst nichts zu tun, ich mache ja nur meinen Job. Wenn ich einen Preis bekomme, bin ich dankbar und sage „Thank you“. Zu dankbar bin ich jedoch nicht. Preise sind wichtig – und sie sind nicht wichtig.

Denken Sie mit 83 Jahren bisweilen nicht an den Ruhestand?
Ich würde sterben, wenn ich das Geschäft jemals aufgäbe. Ich muss ein alter Kämpfer sein – ein Überlebender!
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Interview Dieter Oßwald
Fotos Tobis Film

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