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Der Kino-Herbst steht vor der Tür.
Wir haben mit Universum-Geschäftsführer Volker Kufahl über die aktuelle Kinosituation gesprochen.
Universum außen.art
Der Sommer neigt sich dem Ende und wir alle sind gespannt, wie sich die zweite Jahreshälfte corona-bedingt entwickeln wird. Viele Branchen konnten in den vergangen Wochen wieder etwas aufatmen – für sämtliche Kultureinrichtungen reiht sich jedoch ein harter Monat an den nächsten.
Dennoch konnte das Universum Filmtheater im Herzen der Braunschweiger Innenstadt bereits Anfang Juli wieder seinen Betrieb aufnehmen und Besucher empfangen. Der Kino-Herbst und viele neue Arthouse-Streifen stehen in den Startlöchern – aber wie steht es um die aktuelle Kinolandschaft? Universum-Geschäftsführer Volker Kufahl hat uns Einblicke gegeben.

 

Team Collage

Wie hat das Universum den Lockdown empfunden und überwunden? Gab es Unterstützung von Filmfreunden oder der Stadt?
Als passionierter Motorradfahrer würde ich das mit einer Vollbremsung vergleichen. Einen funktionierenden Kulturbetrieb von 100 auf 0 runterzufahren, mit all den damit verbundenen menschlichen, wirtschaftlichen, inhaltlichen Problemen, das möchten wir sicher alle nicht noch einmal durchmachen.
Positiv ist mir durch den monatelangen Mangel wieder bewusst geworden, wie wichtig Kulturorte wie Kinos, Theater, Museen als soziale Orte für unser Leben sind. Streaming ist dafür kein Ersatz. Hunderte Braunschweiger*innen empfanden das ebenso, haben ihrem Lieblingskino aufbauende Worte zukommen lassen, Gutscheine gekauft, Mut und Geld gespendet. Es gab sogar eine Einzelspende über 1000 Euro.
Bund, Land und Stadt haben uns darüber hinaus mit Liquiditätshilfen und Kurzarbeitergeld unterstützt, und dafür sind wir dankbar. Das Universum Filmtheater hat überlebt, und nach meinem Wissen sind alle Mitarbeiter*innen des Kinos gesund und wohlauf. Unter den Lohneinbußen haben alle natürlich gelitten.
Bestätigt haben uns im Juli die hohe Auszeichnungen des Bundes für unser hervorragendes Jahresprogramm 2019, das hervorragende Dokumentarfilm- und das sehr gute Kurzfilmprogramm. Das war ein weiterer Kick, nicht aufzugeben.

Mit welchen Einschränkungen, Neuerungen und Änderungen ist nun der Filmbetrieb wieder angelaufen?
Inhaltlich knüpfen wir da an, wo wir im März aufhören mussten. Neue Arthouse- und Dokumentar-filme, selbst Filmgespräche mit Gästen finden wieder bei uns statt. Wir werden demnächst auch mit unser abrupt unterbrochenen Jubiläumsreihe „10 Braunschweiger, 10 Filme, 10 Jahre Universum Filmtheater“ weitermachen.
Wir setzen unser Hygienekonzept konsequent um. Alle Mitarbeiter*innen sind geschult, wir achten auf die Abstände, reinigen und desinfizieren häufig, lassen mehr Platz zwischen den einzelnen Filmvorstellungen und vermeiden so Stoßzeiten und Warteschlangen.
Bis auf die Maskenpflicht beim Ein- und Auslass und die Erfassung der Kontaktdaten sind die Maßnahmen für das Publikum kaum spürbar – im Gegenteil: durch die Abstände haben unsere Besucher*innen mehr Platz im Saal, Lüftung und Klimatisierung sorgen für angeneh¬me Temperaturen. Überdies haben wir die Unterbrechung genutzt, um die Bild- und Tontechnik zu überholen.
Ökonomisch macht uns die geringe Auslastung aufgrund der Abstandsregel in den Sälen hart zu schaffen. Es hat auch einige Arbeit gekostet, Ticket- und Reservierungssysteme auf die neuen Anforderungen umzustellen.


Wie steht es um sämtliche erwartete Filmstarts? Laufen die neuen Filme nach und nach wieder an oder ist weiterhin Geduld gefragt? Auf welche Filme können wir uns im Herbst freuen?

Damit haben wir im anspruchsvolleren Filmsegment eher kein Problem. Mit „Master Cheng in Pohjanjoki“ hatten wir im August einen kleinen Hit, und es stehen viele interessante Spiel- und Dokumentarfilme in der Schlange, um wieder auf die Leinwand zu kommen. Ich freue mich zum Beispiel sehr auf das Biopic über die Nouvelle-Vague-Ikone „Jean Seberg“, auf Oskar Roehlers grandiosen Fassbinder-Film „Enfant Terrible“ oder auf die Komödie „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ mit Isabelle Huppert.


Mit welchem Gefühl starten Sie in die Herbstsaison? Eine Prognose für die kommenden Kino-Monate?

Mixed emotions! Die momentanen Einnahmen decken die Kosten bei weitem noch nicht. Schwarze Zahlen werden wir mit den jetzigen Abstandsregelungen absehbar nicht schreiben können, aber die brauchen wir natürlich für eine wirtschaftliche Erholung des Betriebs, der schon vor Corona noch nie Gewinn abgeworfen hat.
Als ehemaliger Festivalleiter schmerzt mich besonders die Verlegung des kompletten Internationalen Filmfests Braunschweig ins Netz. Das kostet uns wichtige Einnahmen, und damit tut sich, denke ich, auch das Festival keinen Gefallen. Die Kinos sind offen, und sie spielen! Hier hätte ich ein klares Bekenntnis zum Kino als Kulturort erwartet.
Letztlich setze ich auf unser Publikum, das schon immer unser größtes Kapital war. Das wird nach der Pandemie zurückkommen, nicht nur um seine Gutscheine einzulösen, sondern weil das Universum Filmtheater in Braunschweig zu den besten Programmkinos Deutschlands zählt.

Text, Interview Louisa Ferch
Foto Universum Filmtheater, Marit Vahjen

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