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Wo Kino seine vier Wände verliert und Filme ins Bodenlose reißen, da beginnt das Daumenkino.
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Kino. Da stieben energische, über viele Jahre geformte Assoziationen auf. Ein flauschiger, alles verschluckender Saal. Schimmernde Sternchen, eine flimmernde Leinwand, ein roter Teppich. Denkt man an Kino, so denkt man an den Kinosaal. Doch Kino ist auch das Gefühl, mit stillen Unbekannten in fremde Schicksale hineinzugleiten. Den eigenen Alltag aus den Augen zu verlieren. Eine über die Realität gespannte Brücke zu betreten, gepflastert mit rauen, offenen Fragen. In den Abgründen gaukeln surreale Phantasmen, bringen den Boden zum Beben, sodass einzig die Hände fiktiver Figuren Halt bieten und einem bestimmt den Weg über diese wankende Brücke weisen.
Auch das kann Kino sein. Damit wird der Saal zweitrangig, die Grenzen fransen aus und ein Film wird zu mehr als einem Unterhaltungsmittel, das immerfort genormte Handlungen mit variablem Anstrich darbietet. Das Kino löst sich von Sitz, Saal und Popcorntheke und nimmt ungeahnte Formen an. Zum Beispiel die Form eines studentischen Projekts: dem Daumenkino, das sich aus elf Studierenden und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter aus den Reihen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zusammensetzt. Thomas Ressel und Tim Glaser investieren, wie alle beim Daumenkino, Herzblut und Freizeit, um mit viel Initiative eindrückliches Bewegtbild nach Braunschweig zu holen und ihre brennende Begeisterung für Film zu teilen. „Es geht aber nicht darum, was einem gefällt, sondern darum, was uns zeigenswert erscheint. Das ist oft, aber eben nicht immer deckungsgleich“, stellt Tim klar.
Was erst einmal ein bisschen wirr klingt, ist gar nicht so kompliziert. Der Begriff Daumenkino, dessen genaue Herkunft ein kleines Mysterium ist, bezeichnet in diesem Sinne eigentlich zweierlei: Erstens die „Cinemathek“, die dreimal im Semester in Kooperation mit dem Universum Filmtheater stattfindet. Hier werden Streifen gezeigt, die eigentlich zu weit ab vom Mainstream sind, um in Braunschweig zu laufen. Filme, die äußerst experimentell sind, oder abseits von kleinen Filmfestivals nicht genügend Wellen geschlagen haben, um im gängigen Programmkino aufzutauchen. Ausgegraben, handverlesen und von den Mitwirkenden für gut befunden, bilden diese Filme den Fokus des Daumenkinos. Hier geht es um Machart, Couleur, Punktum und natürlich um die Erfahrung, den Film gemeinsam zu ergründen. Die Zusammenarbeit mit dem Universum ist hochgeschätzt, aber das Gebäude und der Saal sind für das Daumenkino mitnichten das, was Kino ausmacht. Auch die manchmal wirre Auseinandersetzung mit dem Gesehenen ist Kino. Deshalb gehört als zweiter, fundamentaler Baustein die D-Kritik Seite zum Daumenkino; ein Blog, auf dem die erlebten Filme rezensiert werden. Das ist nur folgerichtig, denn die Anfänge des Formats führen in das Jahr 2010, zu einem Seminar der Filmkritik, das seinerzeit von Florian Krautkrämer geleitet wurde. Die Cinemathek wurde bereits kurz danach erstmals organisiert, erzählt Thomas, aber vom heutigen Team sei damals noch keiner dabei gewesen.

Zehn Jahre lang besteht das Daumenkino nun also schon. Seither wird regelmäßig voll frischem Wind in den Segeln mit immer wechselnder Besatzung das Kinoprogramm gekapert und etwas andere Filme eingeschmuggelt. Das Daumenkino freut sich über jeden, der sich diesem Haufen wilder Cineastinnen und Cineasten anschließt – ob für die Dauer eines Films oder für länger.

Die nächsten drei Cinemathek-Termine im Universum Filmtheater sind übrigens planmäßig der 29. April, der 27. Mai und der 1. Juni, wobei die entsprechenden Filme erst noch bekannt gegeben werden. Das Daumenkino lädt herzlich ein zum Erlebnis Kino, das in den Kopf eindringen muss, um ins Herz zu treffen.

Text Isabel Pinkowski
Foto alfa27 - stock.adobe.com

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