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Elyas M’Barek zu „Dieses bescheuerte Herz“ |

Für seine Rolle in der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ bekam M’Barek den Deutschen Fernsehpreis. Es folgten Filme wie „Die Welle“ und „Zeiten ändern dich“,
in denen er den jungen Bushido spielte. Der große Coup gelang mit „Fack ju Göhte“: Die beiden Teile lockten über 15 Millionen Zuschauer in die Kinos.
Da ließ der dritte und letzte Schülerstreich nicht auf sich warten. In einer ganz anderen Rolle erscheint M’Barek in der Bestseller-Verfilmung „Dieses bescheuerte Herz“:
Dort muss er als reicherFaulpelz, Beruf Sohn, erkennen, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Protzen und Prassen: Er muss einem todkranken Teenager beistehen.

Wie groß ist die Erleichterung, dass der „Fack ju Göthe“-Spuk vorüber ist ?
„Fack ju Göthe“ war kein Spuk, sondern ein Segen für mich. Es war ein unglaublicher Kick für meine Karriere und hat mir alles ermöglicht. Solch einen sensationellen Erfolg hatte ich so noch nie zuvor erlebt, insofern bin ich extrem dankbar dafür. Aber es ist auch gut, dass es jetzt vorbei ist, es war Zeit dafür. Der dritte Teil hat die Geschichte wunderbar zu Ende gebracht. Es ist schön, so eine Trilogie geschaffen zu haben, und damit jetzt fertig zu sein.

Ihre Kollegin Sandra Hüller sagt zum Rummel über Sie: „Ich habe großes Mitgefühl mit Elyas. Und gleichzeitig hat er sich das alles selber eingebrockt. Das muss er jetzt eben auslöffeln.“ Einverstanden?
Stimmt, da hat Sandra recht. Ich wollte den Rummel ja auch. Dann darf ich mich hinterher nicht darüber beschweren.

Hätten Sie bisweilen gern eine Tarnkappe?
Man hat natürlich manchmal Momente, in denen man gerne ungestört sein möchte. Aber das kann ich ja. Es gibt genügend Orte und Möglichkeiten, sich dem Ganzen total zu entziehen. Das ist nicht mehr so einfach wie früher, aber es ist durchaus machbar. Insofern ist für mich alles in Ordnung.
Auch wenn es sich beim aktuellen Film um eine wahre Geschichte handelt, wie groß sind die Gefahren von Kitsch?
Die Kitsch-Gefahr gibt es total – aber ich glaube nicht, dass sie bei „Dieses bescheuerte Herz“ eingetreten ist. Marc Rothemund hat als Regisseur einfach das richtige Gespür, was er in seinen vorigen Filmen ja vielfach gezeigt hat. Dafür, dass der Film so einen Tiefgang hat und ein derart schwieriges Thema behandelt, finde ich ihn erstaunlich erfrischend und sehr leicht. Er ist an den richtigen Stellen berührend, aber dann auch herzlich und zum Lachen.

Die Geschichte beruht auf realen Geschehnissen. Schreibt das Leben die schönsten Geschichten?
Das Leben schreibt wahrscheinlich die schönsten Geschichten. Wobei der Film nur bestimmte Teile des Romans übernommen hat, also durchaus noch die Fiktion des Drehbuchs hinzukommt. Aber wenn eine Story eine reale Basis hat, kann man sich damit viel besser identifizieren.

Wie sehr nimmt es einen mit, wenn man beim Drehen den todkranken Kindern im Hospiz begegnet?
Durch solche Schicksale wird einem schon drastisch in Erinnerung gerufen, wie gut es einem selber geht und wie dankbar man sein muss, wenn man gesund ist. Das wird einem beim Sehen von diesem Film sehr deutlich. Aber diese Haltung hatte ich auch vorher eigentlich schon. Man sollte immer dankbar dafür sein, wenn es einem gut geht.
Haben Sie die echten herzkranken Teenager David und Lenny, den Sie spielen, schon vorab getroffen?
Nein, das Treffen findet erst zur Filmpremiere statt. Mir war es wichtig, mit möglichst wenig Berührungsängsten und unbelastet von Vorkenntnissen an diese Rolle heranzugehen. Zumal meine Figur ein Typ ist, der total naiv in diese Situation stolpert und sich zunächst überhaupt keine Gedanken macht. Das wollte ich mir bewahren und diese Entwicklung von Lenny während des Drehens selber erleben.

Wie halten Sie es mit Heulen im Kino: Erlaubt? Erwünscht? Peinlich?
Heulen im Kino ist erlaubt und erwünscht. Wenn sich der Zuschauer emotional so in einen Film hineinbegibt, dass es sogar zum Weinen anregt, dann hat man alles erreicht. Weinen im Kino, zumal noch gemeinsam mit anderen Leuten, ist doch das Schönste, was passieren kann.

Bei welchen Filmen haben Sie selbst im Kino geheult?
Bei „Forrest Gump“ auf jeden Fall. Ansonsten bin ich aber eher der Typ, der nicht so schnell zum Weinen zu bringen ist. Trauer sieht für mich anders aus. Bei mir kommen einfach nicht so schnell die Tränen, auch nicht im Kino.

Heulen im Kino ist erlaubt und erwünscht

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Müssen Sie sich noch etwas beweisen mit Ihren Rollen?
Darüber mache ich mir nicht viele Gedanken, das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich hoffe, dass meine Filme bewegen, zum Lachen oder zum Weinen anregen. Dass man eben Spaß hat und sich unterhalten fühlt. Es ist nicht unbedingt mein Anspruch, mich jedes Mal neu zu erfinden oder jedem zu beweisen, dass ich alles spielen kann. Ich möchte einfach nur Teil eines guten Films sein.

Wie groß ist die Angst vor Misserfolg?
Davor habe ich gar keine Angst. Weil ich bereits diesen unfassbaren Erfolg haben durfte, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. Das kann mir keiner mehr nehmen, egal, was jetzt kommt. Insofern ist es eigentlich total cool, sich zurücklehnen zu können und zu sagen: Ich schau’ jetzt mal, was so kommt. Das sehe ich alles völlig entspannt.

Wann kommt der Ruf von Hollywood?
Keine Ahnung. Irgendwie werde ich da immer vergessen. (lacht) Aber das finde ich gar nicht schlimm. Ich bin alles andere als in einer Position, wo man sich beschweren kann. Man muss doch nicht immer noch mehr haben. Es ist alles gut, wie es ist. Wer weiß, vielleicht bin ich ja einmal unzufrieden, dann werde ich schauen, was da drüben los ist. Aber ich glaube nicht, dass Hollywood auf mich wartet.
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Text: Dieter Oßwald
Fotos: ConstantinFilm

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