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Jungschauspiel-Star Franz Rogowski über seine Hauptrolle in „Undine“
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Vor zwei Jahren wurde Franz Rogowski auf der Berlinale als „European Shooting Star“ präsentiert und trat gleich in zwei Wettbewerbsfilmen auf: In der Lovestory „In den Gängen“ gab er den schüchternen Staplerfahrer, was ihm einen Deutschen Filmpreis bescherte. Als verzweifelter Flüchtling trat er in „Transit“ von Christian Petzold auf. Der Regisseur engagierte ihn nun auch für sein Liebesdrama „Undine“, in dem der 34-Jährige einen Industrietaucher spielt, der sich in ein mysteriöses Wasserwesen verliebt. Bei der Premiere in Berlin gab es glänzende Kritiken, der deutsche Kinostart ist für den 11. Juni vorgesehen.
Herr Rogowski, „In den Gängen“ bescherte Ihnen den Staplerführerschein. Für „Undine“ haben Sie den Taucherschein gemacht – der kluge Schauspieler qualifiziert sich weiter für schlechte Zeiten?
Nach Staplerfahrer kann ich jetzt auch als Industrietaucher arbeiten! Wir wurden ins Einmaleins des Tauchens eingeführt, aber blind in einem Becken voller Fäkalien eine saubere Schweißnaht anzubringen ist ein Kunsthandwerk und erfordert jahrelange Übung.

Gingen Sie im realen Stausee unter Wasser oder wurden Teile im Studio gedreht?
Das Auf- und Abtauchen haben wir an einer Talsperre gedreht. Die entstandenen Unterwasseraufnahmen stammen aus einem wohltemperierten Tauchbecken der Babelsberger Filmstudios.
Bekommt man nicht auch klaustrophobische Gefühle im dunklen Wasser?
Das Schauspielen unter Wasser hat mir ein paar der schönsten Erlebnisse beschert. Man kann ja nicht reden, all das Unnötige wird vom Wasser verschluckt. Was einem bleibt ist, unter Glas große Augen zu machen und gefühlvolles Blubbern in der Schwerelosigkeit.

„Undine“ handelt von der rigorosen Liebe. Welche Undine-Erfahrungen haben Sie selbst gemacht?
Ich habe Undine nie gerufen, aber ich weiß, dass es sie gibt. Insofern ist es ja um mich auch schon geschehen, denn ich träume von ihr.
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Waren Sie denn mit der Sagengestalt vorher schon vertraut?
Nein, ich kannte die Undine vorher nicht. Nur den Namen, aber der schien mir mit anstrengender Lektüre eng verknüpft zu sein. Um geschriebene Wörter mache ich einen großen Bogen. (lacht)

Da wird es mit dem Texte-Lernen manchmal wohl eher schwierig?
Das stimmt. Ich kritzel mir gerne Zeichnungen von den Szenen ins Drehbuch, um das Ganze etwas aufzulockern und beschädige das Papier ein bisschen. Nicht so sehr, dass man die Texte nicht mehr lesen kann, nur so dass es nach Arbeit aussieht und nach Leben.

Die letzten drei Jahre hatten Sie einen ziemlichen Lauf mit Ihren Filmen. Wie erleben Sie den Erfolg?
Es macht beim Machen alles immer irgendwie Sinn. Weil man mit dem, was man hat, umgeht und eins zum anderen zählt. In der Rückblende wirkt es natürlich schon erstaunlich, dass ich so viele Dinge tun durfte und mir so viel Vertrauen entgegengebracht wurde.

Wie hat das Ihr Leben verändert?
Das ist eine Wellenbewegung. Mal fahre ich Cadillac, dann wieder Porsche. Natürlich macht Erfolg etwas mit einem. Da gibt es den Moment, in dem man irgendwie abhebt. Dann schaut man in den Spiegel und denkt: „Sag mal, hast du noch alle Tassen im Schrank?“ Das ist ein Prozess, der sicherlich noch nicht abgeschlossen ist.
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Wann werden Ruhm und Rummel lästig? Oder sind Selfies mit Fans gleichfalls ein neuer Fetisch?
Bei einer Berlinale weiß ich ja, dass das kommt und ich bin darauf eingestellt. Im normalen Alltag erwischt es mich manchmal so aus dem Kalten. Ich bin privat unterwegs und werde konfrontiert mit einer ganzen Welt von Projektionen. Dann stehe ich jemandem gegenüber, der mich ganz groß macht, weil er mich ganz groß auf der Leinwand gesehen hat. Ich möchte ihm diese Projektion nicht wegnehmen, das wäre ungerecht. Aber ich stehe dann da und bin ja eigentlich ein Hanswurst.

Benötigen Sie Gemeinsamkeiten mit den Figuren, die Sie spielen? Oder genügt allein das Drehbuch?
Ich will mich hinter den Figuren verstecken als wären sie eine Wand und dann merke ich, dass das alles Spiegel sind.

Was nehmen Sie von Ihren Figuren nach dem Dreh für sich mit?
Bei „Undine“ war es die Erfahrung, dass es schön ist Beziehungen einzugehen und dabei auch etwas zu riskieren. Einen Film mit Menschen zu machen, die man bereits durch vorige Projekte kennt, fühlt sich wirklich anders an. Gewisse Dinge hat man schon durch, die muss man nicht mehr besprechen. Andere Sachen ärgern einen noch mehr – es verhält sich wie in einer richtigen Ehe.

Auf der Berlinale waren Sie neben „Undine“ noch in „Schwarze Milch“ zu sehen, wo Sie nur einen kurzen Auftritt haben. Sind das Freundschaftsdienste für eine junge Regisseurin, die es mit einem bekannten Namen leichter hat?
Genau so ist es.

Interview Dieter Oßwald
Fotos Schramm Film, Christian Schulz

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