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Jan-Keno Janssen hat den Durchblick
Als Redakteur des c‘t Magazins und heise online ist Jan-Keno Experte für Zukunftstechnologien aller Art. Wir haben den Weltenbummler zwischen Taipei und Hannover erwischt und über AR, Indie-Games und „Robort“ gesprochen.

Hallo Jan-Keno, erzähle uns von deiner Arbeit. Die neueste Technik auf Herz und Nieren prüfen, durch die Welt zu Messen und Cons jetten … Lebst du deinen Traum?
Journalist will ich werden, seit ich sechs Jahre alt war – ich arbeite also definitiv in meinem Traumjob. Dass ich dann auch noch über Nerd-Zeug schreiben kann, macht es natürlich noch besser. Aber auch wenn es vielleicht so aussieht: Die Arbeit besteht zu weniger als 30 Prozent aus Gadgets ausprobieren und zu Messen fahren. Es fällt viel Organisatorisches an, ich konzeptioniere Artikel, denke mir Titelstories aus und redigiere Texte. Man muss also vor allem Herzblut-Journalist sein, reine Technikbegeisterung reicht nicht. Viele Leute denken übrigens, dass wir die ganze tolle Technik geschenkt bekommen. Stimmt aber natürlich nicht: Manchmal kriegen wir die Testgeräte leihweise, häufig kaufen wir sie. Das Tollste am Redakteursjob ist für mich, dass ich lediglich der Wahrheit und meinen Lesern verpflichtet bin. Das klingt ein bisschen kitschig – aber es ist wirklich so. Bei c‘t und heise online sind Redaktion und Anzeigenabteilung komplett getrennt, als Redakteur weiß ich also überhaupt nicht, wer Anzeigen neben meinen Artikeln geschaltet hat. In Zeiten von Influencer-Werbung und Native Advertisement glauben uns das viele Leser nicht und werfen uns immer wieder vor, unsere Testergebnisse seien gekauft. Was kompletter Quatsch ist.

Welcher Test hat dir bisher am meisten Spaß gemacht?
Oh, da gibt es ganz schön viel. Und jede Woche etwas Neues, das ist ja das Gute an dem Job. Definitiv toll waren die ersten Virtual-Reality-Systeme, wo man ganz natürlich mit der Hand in die virtuellen Welten hineingreifen konnte. Als ich so etwas 2014 zum ersten Mal auf Messen ausprobiert habe, war ich total fasziniert – und enttäuscht, dass ich noch monatelang warten musste, bis ich das endlich meinen Kollegen zeigen konnte. Ich dachte: „Wow, das ist so faszinierend, das glaubt mir niemand!“ Das ist bei VR-Technik besonders: Man muss es selbst ausprobieren, über Fotos, Video oder Text kann man die Wirkung nur ansatzweise vermitteln. Einer der aufregendsten Tage in meinem Journalistenleben war vor zwei Jahren: Ich war auf einer Konferenz in Los Angeles, als ich eine Mail von The Void in Utah bekam. Die Firma entwickelt physische VR-Erlebnis-Center, in denen man die virtuelle Welt tatsächlich anfassen kann – ein zumindest in VR-Kreisen absolutes Hype-Ding. Ich hatte Monate vorher um einen Termin gebeten und nie eine Antwort erhalten. Und nun schrieben die mir: „Du kannst kommen, aber nur morgen.“ Ich also sofort einen Flug nach Salt Lake City gebucht. Um 5 Uhr ging es los, aufregungsbedingt hatte ich keine Minute schlafen können. Am Flughafen von L.A. stand plötzlich Gwyneth Paltrow hinter mir. Als ich dann kurze Zeit später mit dem Mietwagen durch die Wild-West-Landschaft von Utah kurvte, fühlte sich alles noch irrealer an. Bei The Void war ich letztendlich über vier Stunden – und es war noch beeindruckender als ich mir das vorgestellt habe. Ich bin sehr gespannt, wie es mit der Firma weitergeht. Es soll demnächst auch deutsche Ableger geben.

Das nächste große Ding wird ganz schön unangenehm, denn der digitale Wandel wird massenhaft Arbeitsplätze vernichten.

Was würdest du unbedingt noch testen wollen?
Ich finde Elektro-Mobilität gerade sehr spannend. Ich bin zwar schon einmal einen Tesla-S gefahren, aber nur für ein paar Minuten. Die Praxistauglichkeit eines E-Autos würde ich gerne mal ein paar Wochen lang testen. Außerdem finde ich Elektro-Skateboards und -Tretroller interessant.

Welche Konsolen und Spiele zockst du privat?
Ich bin privat ein Spiele-Nerd. Vor allem lese ich sehr gerne über Spiele und Spielgeschichte und spiele gar nicht so wahnsinnig viel, auch wenn ich viel zu viel Geld für immer neue Konsolen ausgebe. Neuestes Familienmitglied ist die Nintendo Switch – viel zu teuer, im Vergleich zur Konkurrenz viel zu schlechte Technik, aber durch die ganzen innovativen Ideen trotzdem das Geld wert. Natürlich alleine schon für Zelda. Wer wissen will, wie sich Spiele 2017 anzufühlen haben, muss das unbedingt ausprobieren. Allgemein tendiere ich zum Epos: Große Open-World-Titel wie Fallout 4, Skyrim und GTA V finde ich faszinierend. Ansonsten mag ich viele Indie-Games, auch gerne auf dem iPad: Little Inferno, Papers, Please, VVVVVV, PinOut und Superbrothers: Sword & Sworcery EP.

Welches Gadget kannst du uneingeschränkt empfehlen?
Gar keins. Ein c‘t-Redakteur empfiehlt niemals etwas uneingeschränkt, das verbietet unser Berufsethos.

Mit „Uplink“ stehst du selbst oft im Fokus der Aufmerksamkeit. Hast du dich an das direkte Feedback gewöhnt? Das „Keno driftet kurz weg“-Video hast du ja selbsthumorig geteilt.
Ich muss zugeben, dass mich das Feedback – also vor allem negative, persönliche Kritik – anfangs sehr irritiert hat. Es hat ein bisschen gebraucht, bis das von mir abgeprallt ist. Aber: Haters gonna hate. Und ich habe natürlich auch schon viele sehr charmante Mails und Kommentare bekommen, das entschädigt dann. Das Wegdrift-Video fand ich total lustig, deshalb habe ich es geteilt.

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Wie sieht wohl ein typischer Tag eines technikaffinen Menschen in 2030 aus?
Aufwachen, Kaffee trinken, Nahrungspille einwerfen, in die VR einklinken, schlafen. Im Ernst: Ich bin mir sehr sicher, dass die Welt 2030 sehr anders aussehen wird als 2017. Wie genau? Keine Ahnung. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Vorhersagen über so lange Zeiträume nicht funktionieren.

Gaming, interaktives Fernsehen, Telefonie, wie wird AR unser Leben noch verändern?
Sobald es jemand schafft, eine Augmented-Reality-Brille zu bauen, die sich genauso problemlos tragen lässt wie eine konventionelle Brille und obendrein preisgünstig ist: Dann wird AR eine Alltagstechnik. Wir können damit im Restaurant schon vor dem Bestellen angucken, wie das Essen aussehen wird, wir können in unserem eigenen Wohnzimmer mit Dinosauriern spielen, wir können unzählige virtuelle Monitore im Büro verteilen. Natürlich hat auch die Werbeindustrie großes Interesse daran, unseren Alltag mit AR-Kaufbotschaften vollzukleistern ... Es wird noch viele kontroverse Diskussionen zu dem Thema geben.

Autonomes fahren, IoT, 3D-Drucker für alle … Was wird das nächste große Ding sein?
Das nächste große Ding wird ganz schön unangenehm, denn der digitale Wandel wird massenhaft Arbeitsplätze vernichten. Angenommen, in zehn Jahren sind autonome Autos, Taxis und Lkw alltagstauglich und für den Straßenverkehr zugelassen: Dann werden in kürzester Zeit Millionen von Berufsfahrern arbeitslos. Künstliche Intelligenzen übernehmen obendrein auch noch etliche andere Jobs. Ich bin mir sicher: Die nächsten Jahrzehnte werden uns ganz schön herausfordern.
Von allen Hindernissen abgesehen, was würdest du dir wünschen, dass es umgesetzt wird?
Künstliche Assistenten sind zwar ziemlich gruselig – Hallo, Hal 9000 aus „2001: Odyssee im Weltraum“ – aber solange sie einen nicht umbringen wollen, auch ganz schön cool. Ich wünsche mir deshalb einen digitalen Assistenten, mit dem ich ganz normal sprechen kann, so à la „Such mir doch mal bitte das Rezept raus, das ich vor zwei Wochen gebookmarkt habe.“ Aktuell finde ich Alexa, Siri und Konsorten noch zu doof, um sie im Alltag zu benutzen. Am besten wäre natürlich, wenn der digitale Assistent in einem Roboter stecken würde, der nebenbei auch noch den Haushalt schmeißt. Und er soll „Robort“ heißen.

Stichwort „Selbstoptimierung“. Bei welchen Fitness-Gadgets siehst du am meisten Potential?
Fitness-Armbänder funktionieren schon super: Die digitalen Trophäen führen zumindest bei mir dazu, dass ich extra nochmal vor die Tür gehe. Aber richtige Innovationen gab es da leider schon lange nicht mehr. Ich würde mir etwa wünschen, dass die Dinger nicht nur Gehen und Rennen erkennen, sondern auch eine Tischtennis- oder Basketball-Session. Außerdem will ich, dass mein Armband nicht nur den Kalorienverbrauch ermittelt, sondern auch meine Kalorieneinnahme – das klingt nach Science-Fiction, aber es gibt schon Firmen, die an solchen Funktionen arbeiten. Irgendwann werden wir vermutlich Armbänder haben, die permanent unseren Nährstoffhaushalt analysieren und uns dann sagen: „Du hast zu wenig Kalium im Blut, iss mal eine Banane.“
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„c't uplink 17.9“ (YT: heise online)

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Text: Evelyn Waldt
Fotos: Jan-Keno Janssen

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