Anzeige

Mit dem Podcast „Gegengerade spezial“ setzt Blogger Thomas Löwe dem Eintracht-Rekordtrainer Torsten Lieberknecht ein akustisches Denkmal.
DH Gegengerade Spezial 2 c Thomas Lowe art
Zwischen Hoffen und Bangen, Ab- und Aufstieg, Tränen und Siegesfeiern liegt die unerschütterliche Verbundenheit eines Fußballvereins mit seinen Fans. 125 Jahre Eintracht Braunschweig, blau-gelbe Leidenschaft. Eintracht lag in der Luft, als Podcaster Thomas Löwe als kleiner Junge direkt am Stadion an der Hamburger Straße aufwuchs. Seine fußballerische Sozialisation übernahm der Traditionsverein und ebnete so den Pfad eines weiteren Eintracht-Jüngers: „Wenn Spieltag war, stand ich am Gartenzaun und hörte fasziniert den Geräuschen aus dem Stadion zu“, erinnert sich Löwe. Zwar wohnt der 51-Jährige derweil nicht mehr in Braunschweig, den Tempel bezeichnet er jedoch weiterhin als Heimat.
Aus der emotionalen und leidenschaftlichen Bindung zum Verein erblühte beim Eintracht-Fan die Idee, einen Fußball-Blog inklusive Podcast zu gründen: „Gegengerade“ ist ein inzwischen 40 Episoden starker Podcast über Eintracht Braunschweig, hörbar auf dem Blog totte.podcaster.de und bei Spotify. Ein zwanzigminütiger Happen für die Ohren, der immer das aktuellste Spiel des Aufsteigers Revue passieren lässt. Inspiriert wurde Thomas vom Partner-Podcast „Eintracht lebenslang“, der sich den Fußballbegegnungen des Vereins im Detail widmet.
„Gegengerade“ hingegen folgt einer relativ stringenten, kompakten Struktur: Ausgangssituation, Aufstellung, Analyse, Gedanken, Prognosen – all dies für unterwegs und nebenbei. „Ein Vorteil am Podcast ist, dass man nicht am Fernseher oder Handy kleben muss“, erklärt Löwe, „die Möglichkeiten sind individueller, wann man es hört. Außerdem kann man ihn unterbrechen und immer wieder fortsetzen.“
Die Lieberknecht-Ära
Mit „Gegengerade spezial“ veröffentlichte Thomas Löwe im September ein Sonderformat seines Podcasts, das sich mit Torsten Lieberknechts zehnjähriger Trainerlaufbahn bei Eintracht Braunschweig befasst. Dafür führte Löwe gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Politikwissenschaftler Dr. Gerald Fricke, und Torsten höchstpersönlich ein siebenstündiges Gespräch. Für Thomas eine Herzensangelegenheit, denn mit Totte verbindet er die schönste und aufregendste Zeit mit der Eintracht seit den 70ern: „Wir haben seit dem Bundesligaabstieg '85 eigentlich wenig Höhen und viele Tiefen gehabt. Er steht quasi als Symbol dafür, die Eintracht nachdrücklich wieder auf die Fußballlandkarte in Deutschland gesetzt zu haben“, erklärt der Hobby-Podcaster.
2008 übernahm Lieberknecht in Braunschweig den Trainerposten von Benno Möhl-mann und rettete den Club nicht nur vor dem Absturz in die Viertklassigkeit, sondern verhalf ihm 2011 auch zum verdienten Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Identifikation mit und der Stolz auf den Verein wuchs bei den Eintracht-Anhängern – Lieberknecht sei Dank. Der Löwen-Verein setzte seinen Kurs auf Erfolg. Spiel für Spiel brillierte das blau-gelbe Team auf dem grünen Rollrasen. 2013 folgte die heiß ersehnte und gerechte Belohnung: Damir Vrančić schoss die Eintracht nach 28-jähriger Abstinenz in die 1. Bundesliga. Die Aufstiegseuphorie war groß, das Wolters floss in Mengen. Jedoch konnten die Löwen langfristig nicht mit den Erstligisten mithalten und stiegen bereits nach nur einer Saison erhobenen Hauptes ab. Die darauffolgenden vier Jahre in der 2. Liga fanden am 13. Mai 2018 ein dramatisches Ende: Der bitterliche Absturz in die Drittklassigkeit ist auch das Aus für Lieberknecht bei Eintracht Braunschweig.
Neben der Begeisterung für Torsten als Person, Spieler und Trainer war vor allem die abrupte Trennung des Traditionsvereins von seinem Rekordtrainer ein Grund, um die Ära Lieberknecht noch mal aufzuarbeiten: „Für mich gab es immer ein Missverhältnis zwischen dem, was Torsten nicht nur in seiner Funktion als Trainer, sondern auch als Spieler und als Präsidiumsmitglied für Eintracht geleistet hat und der Art und Weise, wie es zu Ende ging. Natürlich ist er verantwortlich für den Drittligaabstieg gewesen, das übernimmt er auch. Nichtsdestotrotz gibt es eine Zeit davor, wo er wirklich viel und Großes für den Verein geleistet hat“, meint Löwe.
Nach dem Abschied Lieberknechts vom Verein wurde viel über den Ex-Trainer geredet, er selbst jedoch schwieg. „Meine Idee war es zum einen, diese Zeit als Würdigung aufzuarbeiten und zum anderen, Torsten den Raum zu geben, um seine Sichtweise einmal darzustellen“, schildert der Blogger.
In dreizehn Episoden wird die Karriere des deutschen Fußballtrainers aufgerollt: Mit seinem sympathischen Pfälzer Dialekt babbelt Lieberknecht offen und ehrlich über seine Profikarriere, gräbt die ein oder andere lustige Anekdote aus und schwelgt nostalgisch in Erinnerungen. Totte verrät taktische Arbeitsweisen und Ansichten, redet besonnen über Kaderplanung und Nachwuchsförderung und verdeutlicht die Rolle des „zwölften Mann“ auf der Tribüne. Ein emotionaler Ritt durch seine Trainerzeit, der sich natürlich auch mit dem schmerzlichen Abstieg und Abschied von 2018 auseinandersetzt.
Der Blick auf Torsten – für Eintracht-Fan Thomas Löwe hat er sich sogar intensiviert: „Das Bild, das Torsten in der Öffentlichkeit hat, ist komplett authentisch. Er ist schlagfertig, kann sehr gut und mitreißend erzählen. Ein absoluter Ehrenmann, der beispielsweise beim Thema Abstiegssaison zu keiner Sekunde Verantwortung abgewälzt oder nachgetreten hat. Ein ganz sympathischer, herzlicher Mensch. Ein Typ, der mich wirklich begeistert hat.“
DH Gegengerade Spezial 2 c Gerald Fricke art

DH Gegengerade Spezial c Thomas Lowe art

Thomas Löwe, Torsten Lieberknecht und Dr. Gerald Fricke (v.l.n.r.)

„Lieberknecht steht quasi als Symbol dafür, die Eintracht nachdrücklich wieder auf die Fußballlandkarte in Deutschland gesetzt zu haben“

Wie ein Profi
Es mag groß klingen, doch „Gegengerade spezial“ ist quasi ein akustisches Denkmal für Torsten Lieberknecht – produziert mit viel blau-gelbem Herzblut. Während Dr. Gerald Fricke, der als langjähriger Freund von Totte den Kontakt herstellte, im Podcast-Gespräch mit seiner lockeren Art mancherlei schräge Frage einstreute, frickelte Perfektionist Thomas Löwe mit viel Liebe zum Detail am Gesamtkonzept des Podcasts. Von Saison zu Saison arbeitet sich die Spezialausgabe hauptsächlich an der zehnjährigen Trainer-Historie von Totte bei Eintracht ab, untermalt mit Musik und punktuell gespickt mit O-Tönen, die aufwendig lizenziert werden mussten. Der Einsatz hat sich gelohnt: Durch die erinnerungsgeladenen Originaltöne taucht der Hörer intensiv in die damalige Lieberknecht-Eintracht-Ära ab.
„Gegengerade spezial“ klingt nicht wie ein Hobby-Projekt, qualitativ spielt der Podcast eher in der Profi-Liga. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt vergingen Monate. Unterstützung holte sich der ehemalige Braunschweiger auch vom befreundeten Podcast „Eintracht lebenslang“, die das Gespräch mit Expertenfragen an Lieberknecht fütterten und als Testhörer des Podcasts dienten. Eine weitere Sparringspartnerin in der Produktionszeit war Anikó Merten, selbst leidenschaftliche Eintracht-Anhängerin. „Sie hat mich von der ersten Idee aus begleitet. Als sehr kreativer Mensch hat sie mich dahingehend unterstützt, was die Strukturierung und den Inhalt angeht. Wenn man wochenlang an einem Projekt arbeitet, verliert man schon mal den Abstand zum Ganzen und den hat sie wieder reingebracht. Sie war eine wertvolle Hilfe, damit es professionell klingt“, erklärt Fußball-Fan Löwe dankbar.


DH Gegengerade spezial c Gerald Fricke art


Über weitere Spezialausgaben hat Thomas Löwe bereits nachgedacht, um zentralen Persönlichkeiten aus Eintracht-Zeiten den Gesprächsball zuzuspielen. Jedoch werde er es nicht mehr in dem Umfang machen, den er Torsten Lieberknecht widmete: „Bei aller Freude, die mir der Podcast bereitet hat, war es auch sehr anstrengend. Ich habe das Glück, eine sehr nachsichtige Frau zu haben, weil ich am Küchentisch mit dem Kopf schon oft woanders war“, witzelt Löwe. Das positive Feedback motiviert ihn aber, in kleiner Form weiterzumachen.
„Gegengerade“: Vereinsliebe für die Ohren, bis der Tempel wieder voll besetzt ist und die Südkurve vibriert.

Text Denise Rosenthal
Fotos Jörg Peters, Thomas Löwe, Gerald Fricke

User Rating: 5 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de