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Mehr als nur ein Trend: Durch Digital Detox die Balance zwischen Online- und Offline-Welt finden.
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Wir liken, scrollen, swipen, daddeln, tippen und für jede Situation gibt es die perfekte App – das Smartphone hat unser Leben fest im Griff. Jedes Vibrieren, Blinken und Klingeln erweckt in uns das Gefühl, dass jemand an uns denkt. Jede noch so stille Trockenperiode des Smartphones hingegen suggeriert uns, unbeliebt zu sein. Anstatt ein Buch zu lesen, scrollen wir durch Instagram. Anstatt die Welt mit offenen Augen zu betrachten, erfahren wir ihre Schönheit durch den Blick auf das Display. Dabei wirken sich die kleinen multifunktionalen Helferlein auch auf unsere Gefühlswelt und Laune aus, denn während Likes und Kommentare zu einer Ausschüttung des Glückhormons Dopamin führen, erzeugen die ständige Abrufbereitschaft und der Partizipationsdruck psychische Probleme wie Depressionen und Stresssymptome. Doch auch die Physis leidet: Kurzsichtigkeit, Kopfschmerzen, entzündete Bänder und Sehnen im Handgelenk und der sogenannte Smartphone-Nacken können Negativfolgen eines übermäßigen Online-Rausches sein. Es mag paradox klingen, doch im Silicon Valley – Heimat von Apple, Google und Facebook – hat man die Lösung für einen gesunden Umgang mit dem Smartphone gefunden: Digital Detox!


Bei der digitalen Entschlackungskur geht es nicht darum, sich komplett von elektrischen Geräten wie Smartphone, Tablets oder Computern loszusagen, sondern eine digitale Balance zu finden – einen bewussten Umgang mit den positiven und negativen Seiten digitaler Medien und ihrer Inhalte.

„Man ist nicht aus der Welt, nur weil man kein Social Media mehr benutzt“

Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom plante jeder zehnte Deutsche 2020 einen Digital Detox. Auch Ruben Knoll, Stadt- und Regionalmanager beim gemeinnützigen Verein Get Change Done e.V. in Braunschweig sowie Agenturchef einer Marketing- und Designfirma, entschloss sich, sich vom Social-Media-Frust und Messenger-Overload zu distanzieren: „Ich arbeite eine halbe Stelle an der Uni, spiele Fußball in Berlin, hatte WhatsApp- und Telegram-Gruppen mit der Firma und besaß Facebook und Instagram – da rastet man früher oder später halt aus. Vor allem bei den etlichen Gruppenchats. Kurz vor Weihnachten kam ich an einen Punkt, an dem ich beschloss, einfach damit aufzuhören.“ So sagte sich der Wahlberliner von einem auf den anderen Tag von der digitalen Dauerpräsenz los und hält auch noch gut vier Monate später an seinem Social-Media-Sabbatical fest: „Diesen Schritt zu gehen ist super spannend und man merkt, dass man trotzdem mit den Menschen um sich herum in Kontakt bleiben kann. Man ist nicht aus der Welt, nur weil man kein Social Media mehr benutzt. Man kann anrufen, SMS schreiben oder sich treffen. Diese ganze Gruppendiskussion und Fülle an Informationen braucht man nicht.“ Doch was für den 34-Jährigen ein Kinderspiel war, fällt nicht jedem so leicht. Die Umfrage des Digitalverbands ergab auch, dass jeder vierte Deutsche bereits einen Digital Detox ausprobiert, aber nicht durchgehalten habe. Dabei reicht eine Umstellung der Smartphone-Routine wie den Morgen handyfrei zu starten, Benachrichtigungen zu deaktivieren, das Handy von zeitfressenden Apps zu entmüllen und Smartphone-freie Phasen zu schaffen schon aus, um die Offline-Challenge erfolgreich zu meistern.

Schnell können sich auch körperliche Verbesserungen einstellen wie eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit oder verbesserte Schlafqualität. Außerdem wirkt sich die digitale Enthaltsamkeit auch vorteilhaft auf das Sozialleben aus. „Ich treffe mich häufiger mit Leuten, sogar mit Menschen, von denen ich lange nichts mehr gehört habe. Da ich aufgrund der Social-Media-Abstinenz nicht mehr weiß, was bei ihnen im Leben abgeht, möchte ich direkt mit ihnen kommunizieren. Das heißt, ich treffe mich bewusster und habe mehr zu erzählen“, erklärt Ruben und ist sich ganz sicher, dass er nie mehr zu Instagram und Co. zurückkehren wird. Put down your phone and pick up your life – Ruben-Style.

Text Denise Rosenthal
Grafik VectorMine - stock.adobe.com

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