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Digitalisierung macht Angst: Wird mich ein Roboter ersetzen? Muss ich meinen Röhrenfernseher wegwerfen? Gibt’s die SUBWAY bald nur noch als PDF? Wir haben Christian Cordes, Podcaster für „Logbuch Digitalien“ und Organisator der „Markthalle – Raum für digitale Ideen“ gefragt.
Christian Cordes ist vernetzt. Als Podcaster für „Logbuch Digitalien“ und Leiter des Schiller 40 Coworking Space mit Repair Café in Wolfsburg ist er täglich mit den Digitalisierungsproblemen der Normalsterblichen beschäftigt. Zudem denkt sich der Digital-Visionär immer wieder neue Konzepte und Events aus, um die Menschen für die digitale Transformation zu begeistern. Als TU-Dozent hat er etwa eine „Trash Lan Party“ mit schrottigen Altrechnern organisiert, derzeit hat er mit dem PopUp-Space in der Markthalle Wolfsburg ein neues Projekt für #WolfsburgDigital gestartet.
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Was ist dein aktuelles Projekt?
Das größte Projekt aktuell ist der PopUp- Space in der Markthalle Wolfsburg. Für drei Monate haben wir dort einen temporären Ort für digitale Ideen geschaffen, der Bürgern, Wissenschaft und Wirtschaft Raum gibt, das Thema „Digitalisierung“ mit Leben zu füllen und damit zu arbeiten.

Im Repair Café bekommst du viel von den Problemen der Digitalisierung mit. Womit kommen die Leute zu euch?
Ich würde sagen, die Fragen und Probleme zu „Digitalisierung“ und „Technologisierung“ sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht verallgemeinern. Ich kann aber feststellen, dass es oft Parallelen gibt. Die Menschen, denen ich begegne, sind grundsätzlich sehr offen, was das Thema angeht und bringen Neugierde und Entdeckungslust mit. Aber gerade die älteren Generationen haben Probleme, mit der Digitalisierung Schritt zu halten und fühlen sich teilweise überfordert. Ich glaube, dass die Digitalisierung einen Graben durch die Gesellschaft zieht, zwischen denen, die mithalten können, und denen, die wir verlieren. Dabei ist es nicht eine Frage der Kosten, sondern eher eine Frage von Teilhabe und Kompetenz beziehungsweise der Möglichkeiten, seine Fragen und Probleme in puncto Technik anzubringen. Wir benötigen mehr offene und freie Angebote wie etwa Smartphone-Schulen, damit Menschen niederschwellige Orte haben, wo sie lernen und sich mit anderen austauschen können. Ich glaube, Menschen wollen die Errungenschaften der Technologisierung und Digitalisierung nutzen, WhatsApp-Nachrichten senden und das Smartphone als Allround-Device nutzen. Aber einige brauchen genau dafür Unterstützung und eine gewisse Form der Begleitung. „Logbuch Digitalien“ ist als Beispiel mein und Markus Hörsters Umgang mit dem Themenfeld. Wir wollen unsere Erfahrungen, das was wir wissen und was für unsere Zuhörer spannend ist, über das Radio und als Podcast weitergeben. So bunt wie die „Digitalien“ sind, so bunt sollen unsere Themen und Gäste aus dieser Welt auch sein. Zumindest ist diese Mixtur unser Anspruch.
Welche absurden Fälle gab es?
Sehr unterschiedlich. Beim Repair Café gab es etwa eine Kuckucksuhr, die beim Stundenschlag Schlager spielte, oder in einer Smartphone-Schule die Frage, wo man beim Smartphone die EC-Karte einführen kann, um die Apps zu bezahlen. Wobei dieser Gedanke mir auch zeigt, dass der Nutzer sich schon ein wenig mit der Problematik befasst hat, aber die Lösung und die Umsetzung des „Zahlungsverkehrs“ im App-Store-Universum noch nicht ganz erfassen konnte.

Was ratet ihr den Menschen?
Ängste ablegen und sich damit beschäftigen! Eine gesunde Skepsis ist völlig okay, aber ich muss mich mit diesen Themen im 21. Jahrhundert eben beschäftigen und kann die Verantwortung nicht auf die Geräte und Software schieben. Der Nutzer selber muss lernen, damit umzugehen und sich qualifizieren. Das Device soll ihm beim Erledigen seiner Aufgaben eine Unterstützung sein.

Welche Vorteile bietet das Coworken?
Wir bauen ein großes Netzwerk für unsere Community, organisieren Events und Workshops für unsere Coworker und somit werden sie ein Teil des digitalen Ökosystems. Der Coworker profitiert aber auch ganz klar von seinen „Kollegen und Kolleginnen“ im Space. Die Art der Arbeitsgemeinschaft ist ungemein bereichernd, vom gegenseitigen Support und Hilfe bei Projekten bis hin zur Durchführung von gemeinsamen Aufträgen.

Das lineare Fernsehen ist im Zeitalter von Mediatheken eher ein Auslaufmodel. Warum soll ich um Punkt 20 Uhr die Tagesschau sehen müssen, wenn ich es technisch zu jeder Zeit könnte?

Wie wird sich die Arbeitswelt mit der Digitalisierung verändern?
Ich denke, dass sich die Arbeitswelt radikal verändern wird. Die Digitalisierung ermöglicht ein völlig neues und flexibles Arbeiten. Sie bietet Arbeitnehmern mehr Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten in puncto Raum und Zeit. Ich denke, Arbeitgeber werden sich lösen müssen von einem Model, das Menschen eher nach „Anwesenheit“ entlohnt, hin zu einer prozess- und produktorientierten Arbeitsform. Menschen legen heute schon mehr den Fokus auf Mitgestaltungsmöglichkeiten und Freiheiten im Job als auf die Frage der reinen Bezahlung. Arbeit und Freizeit in einen sinnvollen und erfüllenden Einklang zu bringen mit Hilfe der Möglichkeiten der Digitalisierung wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Genau dieses tun „digitale Nomaden“ bereits: Sie verknüpfen Arbeit mit Reisen, erledigen morgens ihre Arbeit, gehen mittags surfen und arbeiten dann am Nachmittag weiter. Diese Freiheit schafft eine enorme Arbeitszufriedenheit.

Wie können Arbeitgeber solchen Digitalisierungs-Problemen begegnen?
Mehr Vertrauen in die Arbeitsleistung der Mitarbeiter setzen, Kontrolle zurückfahren und Prozesse und Führung neu definieren. Das Potential des Mitarbeiters richtig nutzen und ihn nach seinen individuellen Stärken einsetzen. Ebenso würde ich die Mitarbeiter mehr in Problemlösungen einbinden und ihnen mehr Verantwortung zum Gelingen des Unternehmens übertragen. Nur die Türen auszuhängen, gratis Kantinenessen einzuführen und Ähnliches sind nicht die Schlüssel zur Veränderung. Es ist mehr eine Frage der Haltung und des Mindsets des Unternehmens.
Was sind positive Entwicklungen, auf die wir uns freuen können?
Ich glaube, dass das Thema „Streaming“ mehr zunehmen wird. Spotify und Netflix haben bereits Veränderungen in unserem Medienkonsum herbeigeführt. Das lineare Fernsehen ist im Zeitalter von Mediatheken auch eher ein Auslaufmodel. Warum soll ich um Punkt 20 Uhr die Tagesschau sehen müssen, wenn ich es technisch zu jeder Zeit könnte? Das Sterben der Videotheken ist ein Beispiel dafür. Das Geschäftsmodel hat das Streaming-Zeitalter nicht überlebt. Der Nutzer möchte auch nicht alles kaufen und besitzen, es reicht ihm vielmehr, Medien für eine Pauschale – Flatrate – nutzen zu können. Das erklärt auch, warum die Verkaufserlöse von CDs zurückgehen. Aber wir werden eine Konvergenz der Medien haben und nicht jedes neue Medium tötet automatisch seinen Vorgänger. Es kommt vielmehr zu einer Nutzungsverlagerung der Medien und dadurch zu einer Reduzierung des Einzelgebrauchs. Augmented oder auch Mixed Reality wird neben Sprachassistenten das Thema 2018 werden. Bei den Sprachassistenten ist der größere Durchbruch mit dem Weihnachtsgeschäft bereits gelungen und Alexa und ihre Freunde haben Einzug in die Wohnzimmer gehalten. Das Thema „AR“ wird kommen, es mangelt aber noch an sinnvollen Möglichkeiten für die Masse der Bevölkerung jenseits von Games und Co.

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Wie siehst du als Podcaster die Zukunft des Journalismus?

Ich glaube, es wird auch hier große Brüche geben. Die klassische Tageszeitung wird eher sterben, wenn sie es nicht schafft, ein Alleinstellungsmerkmal zu generieren, was mehr ist als Lokalberichterstattung und Todesanzeigen. Diesen Mehrwert vermisse ich aktuell und finde die digitalen Angebote der Tageszeitungen nicht gelungen, weil sie mir keinen Mehrwert bieten. Ich bin auch gerne bereit zu zahlen und glaube nicht, dass alles nur dem Diktat der Gratiskultur unterliegt. Dafür wünsche ich mir aber auch mehr als nur das gleiche Angebot als PDF-Variante. Magazine und Wochenzeitungen fristen hierbei ein anderes Medienleben. Wohin die Reise geht und ob zum Beispiel „Readly“ als „Printflatrate für Magazine“ als Lösung funktioniert, kann ich schwer sagen. Insgesamt geht es in der Printbranche umso mehr um die Frage nach Qualität und dem Alleinstellungsmerkmal des Produktes als um Masse und Auflage.

Text: Evelyn Waldt
Fotos: Jonas Svidras, Alex Knight/StockSnap.io (beide), Privat

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