Communication Breakdown

Messenger-Apps

Eine Folge der Digitalisierung ist der rasante Anstieg von Kommunikation: Wir kommunizieren immer mehr, häufiger und mit noch mehr Menschen. In Gruppenchats werden wir regelmäßig von lustigen Tierbildern zugespammt und Mama strapaziert mit ihren Bilderorgien vom selbstgebackenen Mamorkuchen unser Datenvolumen. Daumen hoch.

Messenger-Apps gehören zu jedem Smartphone, wer keins hat, bleibt oft außen vor. Witze unter Freunden, Verabredungen und schnelle Information zum  Füllwert des heimischen Kühlschranks – alles wird per App beredet. Sie ist praktischer als  bezahlte SMS-Nachrichten und einfach zu bedienen. „WhatsApp“ und seine Kollegen haben sich in unseren Alltag geschmuggelt. Doch war es früher im Oldschool-Internet nur eine kleinere Gruppe von Menschen, die via ICQ oder MSN-Messenger plauderten. Heute nehmen Leute an den Konversationen teil, die weniger Erfahrung mit Netiquette und digitaler Sicherheit haben. Es kann mitunter anstrengend sein, wenn die nett gemeinten Motivationsspruchbilder alle paar Minuten per Pushnachricht auf dem Display erscheinen. Stellt man einen der Chats stumm, gibt es Beschwerden. Beschwert wird sich auch, wenn  eine gelesene Nachricht nicht gleich beantwortet wird. Es ist abzusehen, dass diese (gar nicht so) neue Form der Kommunikation sich noch etwas regulieren muss. Das ist ein gesellschaftlicher Prozess, der sich ähnlich wie Handschlag, Wangenkuss oder „Moin, moin“ mit der Zeit einspielen wird. Weniger Zeit bleibt uns für Sicherheit. Der relativ laxe Umgang mit den eigenen Daten ist erschreckend. Messenger-Apps sind anfällig, über sie werden längst nicht mehr nur private Unterhaltungen geführt, Werbung findet einen Weg in den Nachrichtenwald und auch betrügerische Scams und Bots sind Teil dieser Umgebung. Grund genug, sich vier gängige Messenger-Apps anzusehen und vorzustellen.

Messenger Apps WhatsApp

WhatsApp
„WhatsApp“ hat laut CEO Jan Koum über eine Milliarde aktive Nutzer – kein Wunder, für nahezu jedes aktuelle mobile Betriebssystem ist der Platzhirsch zu haben. Seit 2014 gehört er zu Facebook. Dass Facebook gerne und viele Nutzerdaten sammelt, sollte jedem klar sein. Seit einiger Zeit benutzt „WhatsApp“ die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, diese soll sicherstellen, dass Unterhaltungen nicht abgehört werden können. Ob und inwieweit „WhatsApp“ wirklich die Privatsphäre wahrt, kann man nicht genau sagen. Das Unternehmen legt die Quellcodes nicht offen, sodass der Nutzer der Facebook-Tochter einfach vertrauen muss. Metadaten werden munter weiter gespeichert und für diverse Zwecke genutzt. Mehr Infos zu Funktionen und Leistungen unter: whatsapp.com

Messenger Apps Telegram

Telegram
Für diesen Messenger spricht, dass er für viele (auch ältere) Smartphone-Betriebssysteme erhältlich ist. Das macht ihn allerdings nicht unbedingt sicherer. Gerade in veralteter Software schlummern Gefahren. Die in Berlin ansässigen Entwickler geben nicht viel preis. Eine Verschlüsselung der Daten ist nur nach der konkreten Einstellung durch den Nutzer gegeben. Jedoch stuft Stiftung Warentest den Messenger als „kritisch“ ein, gerade weil viele Fragen offenbleiben. Ohne Werbung oder Verkaufspreis finanziert sich „Telegram“ laut Aussage der Entwickler über Spenden. Transparenz ist nicht gegeben und nach einem im Sommer 2016 bekannt gewordenen Sicherheitsproblem (Hacker konnten Nutzerdaten abgreifen), ist dieser Messenger trotz einer großartigen Synchronisationsoption (für einen Account auf mehreren Geräten) und anderen benutzerfreundlichen Features mit Vorsicht zu genießen. Mehr Infos zu Funktionen und Leistungen unter: telegram.org

Messenger Apps Signal

Signal
Edward Snowden, Whistleblower im russischen Exil, nutzt diesen OpenSource-Messenger höchst persönlich. „Signal“ kann auch verschlüsselt telefonieren und dient gleichzeitig als SMS-App. Für iOS und Android ist der frei erhältliche Messenger zu haben. Die Entwickler von Open Whisper Systems finanzieren sich vor allem mit Spenden über die Freedom of the Press Foundation. Der Quellcode ist öffentlich und wurde wiederholt von IT-Sicherheitsexperten getestet: Trotz kleiner Schwachstellen ist „Signal“ eine sichere Alternative. Darüber hinaus gibt der OWS-Gründer Moxie Marlinspike an, möglichst wenig Daten zu sammeln. Mehr Infos zu Funktionen und Leistungen unter: whispersystems.org

Messenger Apps Threema

Threema
Mit dem Wissen über die NSA-Abhöraktivitäten wuchs bei vielen der Wunsch nach einer verschlüsselten Kommunikationsmöglichkeit. Das kam dem in der Schweiz entwickelten „Threema“ zugute. Die Threema GmbH legt zwar den Quellcode der App nicht offen, allerdings gilt das Programm mit seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als grundsätzlich sicher. Die App ist kostenpflichtig und damit auch werbefrei. Über QR-Codes kann man sich und seine Freunde als „sichere Kontakte“ verifizieren. Mit den transparenten AGBs gehört „Threema“, das es für iOS, Android und Windows Phone gibt, zu den besseren Messengern. Mehr Infos zu Funktionen und Leistungen unter: threema.ch

Und doch:
Es nützt der beste Messenger nichts, wenn man nur mit sich selbst chatten kann. Die vorgestellten Apps sind Inselsysteme. Nur wenn meine Freunde den gleichen Messenger benutzen, können wir chatten. Dazu kommt: „Die Herrschaft und Kontrolle über Dienst, Nutzer und Daten liegen beim Anbieter. [...] Doch von diesen kostenlosen Angeboten sollte man sich nicht täuschen lassen. Man muss sich darüber bewusst sein, dass wir beziehungsweise unsere Daten das eigentliche Produkt sind, mit dem die Anbieter dieser kostenlosen Dienste ihr Geld verdienen“, dieser Auszug vom Blog (kuketz-blog.de) des IT-Sicherheits- und Datenschutz-Experten Mike Kuketz fasst das Problem der gängigen Messenger-Apps zusammen. Als Antwort auf das Problem stellt Kuketz unter anderem den dezentralen Dienst „Conversations“ vor. Der Nutzer kann z. B. selbst entscheiden, über welchen Server seine Daten fließen. In diesem App-Dschungel und in einer Welt in der unsere Daten Kapital sind, ist es an der Zeit, sich mit dem Thema ausführlicher zu beschäftigen.

Messenger Apps Allgemein Bild

Text: Kathleen Kalle
Fotos: Rawpixel.com, venimo - Fotolia.com,  WhatsApp Inc., Telegram.org, Open Whisper Systems. Threema GmbH

User Rating: 5 / 5

twitter

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de

×
Durch Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.