Kennt ihr eigentlich schon...

... Mikroben-Expertin Susanne Thiele?
NW Mikrobendiversitaet Susanne Thiele art
Derzeit hat die Mikrobiologin Susanne Thiele richtig viel zu tun. Denn als Leiterin der Pressestelle vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung bearbeitet sie gerade etliche Anfragen rund um Covid-19. Viren, Bakterien und sonstige Mikroben – ein Themenbereich, der auch in ruhigeren Zeiten immer geht, schließlich stirbt jeder vierte Mensch irgendwie an einer Infektionskrankheit. Als Autorin bessert die Braunschweigerin außerdem das schlechte Image von Bakterien und Viren auf. In ihrem Blog „Mikrobenzirkus“, 2018 ausgezeichnet als „Wissenschaftsblog des Jahres“, erzählt sie, wie wir die Mikroorganismen erfolgreich in Schach halten und wie nützlich sie sogar sind. Etliche Artikel und populärwissenschaftliche Sachbücher von Susanne Thiele sind bisher erschienen, zuletzt „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke“ im Heyne-Verlag. Bevor sie 2015 am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum angefangen hat, war die studierte Mikrobiologin unter anderem für die Pharma- und Biotechnologie-Industrie tätig, hat vier Jahre die Kommunikation der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen des Leibniz-Instituts geleitet und war 2007 Pressesprecherin des Jubiläumsjahrs „Braunschweig – Stadt der Wissenschaft“. Frau Thiele liebt das Reisen, ist Expertin bei der Fermentierung von Lebensmitteln, hat einen Ehemann, zwei Kinder und einen schwarz-weißen Kater namens Kasper.
Man hört ja so einiges, also einmal für alle: Ist es sinnvoll, zum Selbstschutz vor der Tröpfcheninfektion eine Atemschutzmaske zu tragen oder nicht?
Ein Mund-Nasen-Schutz kann schon sinnvoll sein, um andere zu schützen, wenn man selbst infiziert ist. Das Coronavirus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion von Rachen zu Rachen. Auch ein Sicherheitssabstand von 2 Metern ist sehr wichtig – das derzeit so propagierte „Social Distancing“.

Haben Sie gehamstert?
Ja, ich gestehe – aber eher Bücher in der Hoffnung auf mehr Lesezeit.

Wie würden Sie die Zeit herumkriegen, wenn Sie mit Ihrer Familie zu Hause in Quarantäne isoliert wären?
Meine Kinder spielen Klavier und Bratsche, mein Mann kocht exzellent und ich würde den Garten umgestalten beziehungsweise die Zeit für das nächste Buch nutzen. Zu viel Freizeit ist eher Luxus für uns.

Könnte eine filmreife Zombieapokalypse mal Realität werden?
Ich gehe nicht davon aus, dass es je einen Virus gibt, der Menschen so verändern kann, dass sie sich in Zombies verwandeln. Was feststeht: Die Menschheit ist immer wieder von weltweiten Pandemien heimgesucht worden, die nächste kommt ganz bestimmt – auch nach Corona. Be prepared!
Können Sie sich auch vorstellen, mal einen Roman zu verfassen?
Treffer! Aktuell schreibe ich mit einer Autorenkollegin an einem Science-Thriller, der sich natürlich auch mit Mikroben beschäftigt. Das Buch erscheint erst 2021 bei Bastei-Lübbe. Aber mehr wird noch nicht verraten!

Gibt es neben den Mikroben noch weitere große Wissenschaftsthemen, für die Sie sich besonders begeistern?
Ja, Evolution ist so spannend wie ein Krimi. Mich begeistert auch, wie Genetik und Umwelt zusammenspielen und wie Neuheiten entstehen.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen ihren komplexen Lebensbereichen?
Mein Tag hat 24 Stunden und dann habe ich ja noch die Nacht dazu. (lacht) Ehrlicherweise brauche ich nicht so viel Schlaf, meine Kinder sind schon groß und in der Familie unterstützen wir uns alle gegenseitig.

Ist ein straff durchorganisierter Alltag nicht Gift für die Kreativität?
Meine Erfahrung ist eher, dass ich mir Ziele für kreative Projekte setzten muss, die ich dann Stück für Stück und nach Tageslaune abarbeiten kann. Morgens um fünf Uhr schreibe ich gern mit frischem Kopf am Buchprojekt. Blogartikel für den „Mikrobenzirkus“ entstehen eher zwischendurch oder abends. Wichtig ist auch, sehr viel zu lesen – gerne genreübergreifend. So entstehen Ideen, die sich wieder neu vernetzen lassen.
Was wollten Sie mal werden, als Sie ein Kind waren?
Archäologin. Ich war auch schon sehr erfolgreich und hatte eine beachtenswerte Sammlung von Schnurkeramik-Scherben ausgegraben. (lacht)

Was würden Sie tun, wenn Sie nie wieder arbeiten müssten?
Mehr reisen und mehr Bücher schreiben.

Wenn es nicht gerade eine Virus-Pandemie gibt: Haben Sie manchmal das Gefühl, mit Wissenschaftsthemen immer um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit buhlen zu müssen?
Infektionsforschung ist ein Thema, das jeden im Alltag betrifft. Daher haben wir oft das Interesse der interessierten Laien, der Journalisten und auch der Politiker. Zum Beispiel ist das Thema Antibiotikaresistenzen bei Bakterien leider ein Dauerbrenner.

Meinen Sie, dass das Bewusstsein für mikrobielle Zusammenhänge in der Gesellschaft gestärkt werden muss?
Da gibt es schon große Fortschritte seitdem die Mikrobiomforschung immer mehr über neue Zusammenhänge zwischen unserer Gesundheit und den uns besiedelnden Mikroben herausfindet.

Sie sind sehr aktiv im Netz – warum ist es wichtig, all dem Unwissen, Fake-News und Verschwörungstheorien da draußen etwas entgegenzuhalten?
Weil gerade Wissenschaftler*innen in der Lage dazu sind, eine vernünftige Einordnung von komplexen Sachverhalten gegen Fake News zu geben. Daher motiviere ich gern junge Wissenschaftler*innen, sich an Social Media heranzutrauen und über ihre Forschungsthemen zu sprechen.
Würden Sie sich nicht manchmal auch gern ganz aus dem Netzleben zurückziehen – so nach dem Motto: Macht euren Mist doch allein?
Ja, ich genieße im Urlaub gern den Digital Detox. Früher habe ich meine Reisen auch mehr durch die Linse meiner Kamera dokumentiert. Heute ist mir das zu hektisch und echte Erinnerungen sind mir wichtiger.

Sie reisen gern – gibt es ein Land, in das Sie aufgrund einer Infektionsgefahr nicht reisen würden?
Mit entsprechenden Vorsichtmaßnahmen wie Impfungen und Hygiene würde ich überall hinreisen.

Birgt das Abschlabbernlassen vom geliebten Haustier eigentlich Gefahren?
Wenn die Hunde prinzipiell gesund sind, ist es nicht so schlimm, wenn sie uns mal über das Gesicht lecken. Das Zusammenleben mit Hunden oder Katzen senkt nachweislich das Allergierisiko bei uns Menschen. Die Tiere bringen beispielsweise vermehrt gute Milchsäurebakterien mit in unseren Alltag, was wiederum unser Immunsystem trainiert.

Stimmt es, dass ein wenig Dreck eigentlich ganz gut ist, weil er unser Immunsystem stärkt?
Das stimmt! Wir brauchen mehr Artenvielfalt an guten Mikroorganismen zum Beispiel von harmlosen Umweltkeimen in unseren zu sauberen Wohnungen. Das hält uns gesund.

Halten Sie sich für überdurchschnittlich reinlich? Vielleicht sogar übertrieben reinlich?
Als Mikrobiologin habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis zu Keimen. (lacht)

Lebensmittelhygiene ist eines Ihrer Themen: Gibt es etwas, das sie nie essen würden? Warum?
Zu Casu Marzu müsste ich mich wirklich sehr überwinden. Das ist ein überreifer Schafskäse aus Sardinien, der so lange reift, bis er Maden enthält.

Was ist Ihre Leibspeise und wie bewerten Sie diese als Mikrobiologin?
Ich sterbe für eine gute Crème Brûlée! Die fördert aber keine guten Darmbakterien, die stehen eher auf Ballaststoffe und viel Gemüse!
Haben Sie ausgefallene Hobbies?
Eines meiner Themen ist Fermentation: Die Veredlung von Lebensmitteln mit Mikroorganismen. Dabei entstehen zum Beispiel Sauerkraut, Kimchi, Kombucha oder Wasserkefir und Joghurt. Seit einiger Zeit eine wiederbelebte Konservierungstechnik, die mit neuen Gewürzen, Kräutern und Aromen zum Foodtrend avancierte. Dazu gebe ich auch Kurse. Das Ganze passt auch sehr gut in die aktuelle Nachhaltigkeitsbewegung.
Kennen Sie die „3-Sekunden-Regel“? Ist das Quatsch oder nicht!?
Dazu kann ich nur sagen: Bakterien haben keine Uhr! Es ist eher ausschlaggebend, ob beispielsweise eine Stück Melone auf den Boden fällt oder trockene Chips. An der Melone würden mehr Keime kleben bleiben.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Ignoranz und Unehrlichkeit – und langsame Autofahrer.

In welcher Zeit würden Sie gern leben?
Ich bin genau in der richtigen Zeit und am richtigen Ort. In einer anderen Zeit wäre womöglich das Opfer von Hexenverfolgungen geworden.

Interview Benyamin Bahri
Foto Verena Meier

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