Kennt ihr eigentlich schon ...

... Gästeführer Mario Wenzel-Becker?
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Zum einen ist er ein Kulturparadiesvogel, denn sein breit gefächertes und auf Knopfdruck abrufbares Wissen über Braunschweig und dessen tausendjährige Geschichte gibt er als Gästeführer oft verkleidet an seine Gäste und Zuhörer weiter – am liebsten als Eulenspiegel-Autor Hermen Bote im prachtvollen Renaissancegewand. Und zum andern ist Mario Wenzel-Becker eine Art sozialer Tausendsassa, denn neben zahlreicher ehrenamtlicher Engagements, zum Beispiel bei der evangelischen Landeskirche oder als Schöffe beim Landgericht Braunschweig, lässt er sich regelmäßig als Wahlhelfer aufstellen und arbeitet als museumspädagogischer Mitarbeiter. Sein Hauptgeschäft seit fast 20 Jahren sind die Stadtbesichtigungen und -rundfahrten, auch auf dem Segway oder im Oldtimerbus, die der 45-Jährige seit knapp zehn Jahren als IHK-zertifizierter Gästeführer mit Stolz ausführt. Seit 2000 lebt und arbeitet der gebürtiger Hesse in Braunschweig, seit 2014 ist er mit einem seiner ehemaligen Gäste verheiratet. Wenzel-Becker ist außerdem gelernter Goldschmied. Er mag natürlich klassische Musik, aber auch Westernhagen und Grönemeyer, isst am liebsten deftige Hausmannskost und kocht für seine Freunde gerne extravagant wie ein Profi. Er ist Dauergast im Zoo und im Staatstheater, Mitglied im Domchor und sei das alles noch nicht genug, hat er auch mal als Bestatter gearbeitet. So viel zu fragen und zu erzählen. Lassen wir Mario Wenzel-Becker nun selbst zu Wort kommen.
Wenn Braunschweig eine Person wäre, welche Charaktereigenschaften beziehungsweise Persönlichkeitsmerkmale hätte diese?
Hmmm ... Diese Person wäre ein älterer weiser Mensch mit großer Gelassenheit, zurückblickend auf Höhen und Tiefen in der Vita, mit spannnenden Episoden und manchmal auch etwas widersprüchlich.

Was fasziniert Sie so sehr am beschaulichen Braunschweig und seiner langen Geschichte?
Ich habe vorher in Frankfurt am Main gelebt – Mainhattan: Groß, laut, aber auch anonym. Braunschweig ist anders, persönlicher ...  zugleich historisch und brutal modern. Großstadt und doch überschaubar; ich komme gut überall hin, zu Fuß von zuhause zum Dom in 15 Minuten, mit dem Rad zum Stadion in 20 Minuten. Was soll ich sagen? Braunschweig ist der Nabel der Welt.
Woher haben Sie all das Wissen über die Stadt?
Erst mal lesen, lesen, lesen, was aber alleine nicht hilft. Man muss fasziniert sein und wenn sich mir Querverbindungen von Personen und Ereignissen auftun, kann ich für solche Details brennen. In meiner privaten Bibliothek misst der Bestand an Literatur über Braunschweig etwa fünf laufende Buch-Meter. Und auch dort entdecke ich immer wieder Neues – fantastisch!

Sind Sie mit Ihrer hessischen Heimat ebenso eng verbunden, wie mit Braunschweig?
Nein. Was vielleicht mit dem Gefühl als Heranwachsender zu tun hat, nicht recht geraten zu sein und das auch gesagt zu bekommen. Die hessischen Berge hinter mir zu lassen war ein Befreiungsschlag.

Warum ist es so wichtig, anderen Geschichte näher zu bringen?
Weil Geschichte in uns lebt und Zukunft sucht. Es sind unsere Wurzeln und eine Gesellschaft, die versuchen würde, die eigene Geschichte abzuschütteln, verliert ihre Identität.
Sie müssen als Guide immer gut drauf sein. Was, wenn Sie mal einen schlechten Tag haben?
Das kommt sehr selten vor. Aber spätestens im Kontakt mit den Gästen ist genug Adrenalin da, um durchzustarten.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rolle im Mittelpunkt vor? Haben Sie Lampenfieber?
Vor großen Gruppen zu sprechen ist für mich kein Problem – da wo ich bin, ist vorne. Lampenfieber habe ich eigentlich nur, wenn ich mich schlecht vorbereitet fühle.

Welcher ist ihr Lieblingsplatz in Braunschweig?
Der Spielmannsteich am Rundtempel mit Blick über die Oker hinauf zum Schloss Richmond. Da kann ich mal die Seele baumeln lassen.
Kommt man sich nicht mal blöd dabei vor, kostümiert vor eine Gästegruppe zu treten?
Die Gefahr würde bestehen, wenn ich in Karnevalskostümen versuchen würde, historische Begebenheiten zu vermitteln. Das Kostüm ist Mittel zum Zweck, um die Gäste in einer passenden Rolle in die thematisierte Zeit zu entführen.

In welcher Zeitepoche würden Sie gern leben?
Ich glaube, dass ich in der Gegenwart gut aufgehoben bin. Aber gegen einen Wochenendtrip ins alte Ägypten oder auf einen Schnack zu Luther hätte ich nichts einzuwenden. Das reicht, um die Atmosphäre der Zeit zu schnuppern.

Wie sind Sie eigentlich Bestatter geworden?
Bestatter wollte ich schon im Kindergarten werden. Der Opa meines damaligen besten Freundes war Bestatter und ab und zu wurden wir von ihm mit dem Bestattungswagen nach Hause gefahren. Das war sehr spannend für mich.

Woher nehmen Sie die Energie für all Ihre Tätigkeiten, Hobbies und Jobs?
Das frage ich mich manchmal auch ... Ein wichtiger Ruhepol ist meine Beziehung, aus der ich viel Kraft schöpfen kann. Mein Mann ist mir in jeder Hinsicht ein Gottesgeschenk.

Interview Benyamin Bahri
Foto Andreas Rudolph

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