Kennt ihr eigentlich schon...

… Schauspielerin und Sängerin Maike Jacobs?
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Müsste Maike Jacobs sich für eine Sache entscheiden, Schauspielern oder Musizieren, würde die feurige 28-Jährige wahrscheinlich laut lachen – warum nicht einfach beides? Zum Glück gibt es ja Musical und Musiktheater und da kann sich Maike gleich doppelt austoben. Inspiriert von der „Les Misérables“-Verfilmung hat die singende Schauspielerin 2014 ihr Studium an der Stage School in Hamburg aufgenommen und schließlich mit Auszeichnung abgeschlossen. Anschließend ist sie schnell in die Löwenstadt zurückgekehrt und hat hier eigentlich alles gespielt, was ihr in die Finger kam: Von der weiblichen Hauptrolle im 90s-Spektakel „HYPER! HYPER!“ im Staatstheater über die Amy Winehouse in ihrer eigens produzierten Rockstar-Hommage „Klub 27“ bis zur Protagonistin im The Esprits-Musikvideo zu „Want You“. Dazu kamen sommerliche Auftritte im Wolters Kulturgarten oder auf dem Soldekk. Diesen Winter hätte das fleißige Jungtalent eigentlich in gleich vier Produktionen des Wintertheaters mitgespielt – darunter auch die traditionsreiche „Braunschweiger Weihnachtsgeschichte“. Wäre Maike nicht Schauspielerin geworden, würde sie heute vermutlich hinter den Bühnen des Theaters herumwuseln, Kostüme entwerfen und dabei Britney Spears hören.
Maike, welche Rolle würdest du gerne mal spielen?
Da ich, zumindest hier in Braunschweig, bisher eher die verrückten Schenkelklopfer-Rollen übernommen habe, würde ich sehr gerne mal etwas Ernsteres spielen. Wenn es mal ein Stück über Frida Kahlo gibt, wäre das beispielsweise eine Rolle, die mich sehr begeistern würde.

Spielst du lieber Helden oder Schurken?
Bösewichte sind ja nicht ohne Grund so wie sie sind, sondern haben meistens viel durchgemacht und sind dadurch meiner Meinung nach die tragischeren und interessanteren Figuren. Bestes Beispiel dafür ist der Joker. Der ist ja wohl tausend Mal cooler als Batman! Außerdem macht es mir mehr Spaß in die Rollen zu schlüpfen, die weiter von mir weg sind und damit mein ich jetzt nicht, dass ich ein Held bin. (lacht)
Welche Figur oder Rolle hat dich schon als Kind geprägt und begeistert?
Pipi Langstrumpf – die konnte einfach alles! Als Kind war ich eher introvertiert und da war Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf einfach ein guter Gegenpol und Vorbild, um an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und ungehemmter und stärker mit Situationen umzugehen.

Deine Schauspielausbildung hast du mit Bravour abgeschlossen. Wie groß war da der Druck?
Schon recht groß, aber vor allem, weil ich mir selber immer Druck gemacht habe, den ich mir auch heute noch mache. Man muss wirklich lernen, mit diesem Konkurrenzgefühl umzugehen und auch jetzt, im Job angekommen, Absagen nicht persönlich zu nehmen. Manchmal liegt es wirklich an marginalen Dingen, wenn sich die Caster für jemand anders entscheiden. Letztendlich konnte ich in der Ausbildung aber mit meiner Abschlussprüfung punkten, in der man ein kurzes Soloprogramm aus Schauspiel-, Gesangs- und Tanzelementen erarbeiten musste. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es mir total Spaß bringt, auch in die Autoren- und Regiearbeit einzutauchen.
Was wolltest du werden, bevor du dich entschlossen hast, Schauspielerin zu werden?
Wenn ich nicht das machen würde, was ich jetzt mache, wäre ich wahrscheinlich in der gestaltenden Kunst gelandet. Vielleicht sogar auch am Theater, aber eben hinter den Kulissen. Ich habe schon in der Schulzeit ein Praktikum in der Schneiderei des Braunschweiger Staatstheaters gemacht und mich schon immer sehr für Mode interessiert. Es gibt aus der Grundschulzeit noch irgendwo einen Radio-Okerwelle-O-Ton von mir, in dem ich circa acht Jahre alt bin und sage „Wenn ich mal groß bin möchte ich Modedesignerin werden“.

Welche Rolle war bisher deine verrückteste?
Vermutlich das assige Rotkäppchen aus „Hänsel, Gretel, Frosch und Wolf“. Die kam von ganz tief aus’m Wald. (lacht)

Ist dir mal was richtig Peinliches auf der Bühne passiert? Wann und was?
Beim „Fluch der Oker“, in der ich eine aufmüpfige Sheriffstochter gespielt habe, ging meine Schreckschuss-Knarre einmal nicht los. Stattdessen habe ich dann „Peng“ gerufen.

Fühlt es sich nicht manchmal komisch an, sich vor großem Publikum so zu öffnen und so viel von sich Preis zu geben?
Nö. Das bin ja nie wirklich ich. Ich erarbeite eine Rolle, die natürlich bestimmte Charakterzüge von mir enthält, weil ich ja nur aus mir privat Schöpfen kann, aber ich trete eben nie als Maike Jacobs auf. Außer bei Konzerten. Es stimmt allerdings, dass ich mich auf der Bühne sicherer fühle, wenn ich eine Rolle um mich herum gebaut habe, als wenn ich als Privatperson auftrete.

Dein Geheimtipp gegen Lampenfieber?
Wenn‘s ganz schlimm ist, Eminem hören, der pusht mich gut nach vorne. Ansonsten die üblichen Zungenbrecher, Gesangs- und Dehnübungen und 20 Kniebeugen durchziehen. Mein lieber Kollege Markus Schultze sagt kurz vorm dritten Gong immer: „Was ich noch sagen wollte: Aus der Nummer komm wa nicht mehr raus.“ Solche Rituale sind in der Theaterwelt wichtig. Wir sind ja ein abergläubisches Völkchen.
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Dein Rezept für Positivität und gute Laune?
Viel Lachen. Selbst, wenn man nichts zu lachen hat. Wenn man es tut, werden automatisch Endorphine freigesetzt und Stresshormone unterdrückt. Funktioniert! Aber ich glaube es ist genauso wichtig, auch mal die blöden Momente auszuhalten und der Traurigkeit seinen Platz zu geben.

Warum spielst du lieber auf Theaterbühnen als fürs Fernsehen?
Das hab ich ja nie behauptet! (lacht) Tatsächlich probiere ich mich zurzeit mehr im Filmbereich aus und würde mich freuen, die Chance zu bekommen, in Filmproduktionen mitzuwirken. Es hat eben beides was. Beim Theater ist das besondere, dass jede Vorstellung ein wenig anders und Livepublikum Voraussetzung ist, was in dieser speziellen Corona-Zeit jedoch gerade das große Problem darstellt. Das coole an Filmen hingegen ist, dass sie unvergänglich sind.

„Klub 27“ war dein Regie- und Autorinnendebüt. Fühlst du dich auf oder hinter der Bühne wohler?
Bisher kann ich diese Frage noch ganz klar mit AUF der Bühne beantworten.
Aber es ist schön zu wissen, dass wenn es als Darstellerin mal nicht mehr so gut laufen sollte, ich die Möglichkeit habe, Stücke zu schreiben und zu inszenieren. Ich würde mich jetzt nicht als Autorin oder Regisseurin beschreiben, nur, weil ich ein Stück erarbeitet habe, aber ich schließe es nicht aus, dass da noch mehr folgt.

Ist es nicht komisch, ein eigenes Stück aufzuführen?
Komisch nicht. Aber ich habe gemerkt, dass es nicht so einfach ist, für sich selber Regie zu führen und zusätzlich noch alle anderen Abläufe und Baustellen einer Stückerarbeitung im Blick zu haben. Da stand die eigene Rollenarbeit für die Amy Winehouse in Klub27 etwas hinten an.

Was war deine erste CD?
Das Album „Oops I did it again“ von Britney Spears.

Dein erstes Konzerterlebnis?
Bisschen peinlich: Jeanette Biedermann in der VW-Halle, 2004. Da durfte ich aber nur mit Muddern hin.
Als Kreativer ist das Leben nicht immer leicht. Hast du irgendwann mal daran gedacht, einen „zukunftssichereren“ Job zu machen?
Klar, darüber nachgedacht schon, gerade in dieser verrückten Zeit. Aber ehrlich gesagt fällt mir nie etwas ein, was mich so sehr begeistern würde wie mein Beruf als Darstellerin.

Was ist deine Motivation, weiter zu machen?
Die Momente die ich auf der Bühne oder hinter der Kamera verbringe machen mich einfach so glücklich, dass ich ewig davon zehren kann. Und solange ich diese Glücksmomente durch meinen Beruf erfahre, werde ich motiviert sein ihn weiter auszuüben.

Wenn du eine Sache deines bisherigen Lebens anders machen könntest, was wäre das?
Ich würde schon als Kind so viel wie möglich lernen. Egal ob Sprachen, Instrumente, Beweglichkeit. Jetzt werde ich einfach schnell ungeduldig, wenn ich etwas nicht kann und stehe mir manchmal selber damit im Wege. Als Kind ist die Auffassungsgabe schlicht weg schneller.

Was kannst du überhaupt nicht?
Rechnen.

Welche Gabe würdest du gern besitzen?
Fliegen wäre toll. Ich träume ganz oft, dass ich fliege. Allerdings bewege ich mich dann mit Schwimmbewegungen in der Luft fort.

Was würdest du tun, wenn du nie wieder arbeiten müsstest?
Wahrscheinlich genau das Gleiche, was ich jetzt auch tue, nur mit viel mehr Reisen durch die ganze Welt.

Was bringt dich so richtig auf die Palme?
Wenn irgendwelche Gerätschaften nicht so funktionieren, wie sie sollen und ich irgendwen bitten muss, mir zu helfen, weil ich das Problem selber nicht beheben kann.
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Warum bist du aus Hamburg wieder zurück nach Braunschweig gekommen?
Das hat sich einfach so ergeben. Direkt nach meiner Ausbildung habe ich ein Engagement für das Musical „Hairspray“ auf dem Burgplatz (Staatstheater Braunschweig) bekommen und wusste, dass bald danach wieder das Wintertheater anstehen würde. Somit habe ich erstmal nur bis zum Ende des Jahres 2017 an Braunschweig als Wohnort gedacht. Dann haben sich hier aber ohne viel Aufwand etliche weitere Projekte ergeben, sodass ich bis heute viel von zu Hause aus arbeiten kann und das auch sehr genieße.

Was magst du an Braunschweig ganz besonders?
Braunschweig hat für mich die perfekte Größe, bietet viel an Kultur und für mich ein tolles Netzwerk an Leuten, die ich sehr schätze und die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Und was nicht?
Die Öffis. Da ist man von einer Großstadt wie Hamburg einfach verwöhnt. Dort musste man nie auf den Plan gucken, kam ja eh alle zwei Minuten die nächste Bahn. Und günstiger war’s auch. Dafür kann man hier aber alles mit dem Rad oder zu Fuß erreichen, wenn man so Stadt nah wohnt, wie ich.

Hast du neben Schauspielerei und Musik noch andere (ausgefallene) Leidenschaften? Hast du verkannte Talente?
Besonders jetzt in der Corona-Zeit habe ich meine Leidenschaft fürs Kochen und vor allem Backen entdeckt. Ich hoffe die Fitnessstudios machen bald wieder auf.

Was vermisst du an Hamburg, was es in BS nicht gibt?
Die Alster, den Elbstrand, den Hamburger Schnack! Sogar die Möwen, die kleinen Biester. Die haben wenigstens Charakter im Gegensatz zu den Tauben.

Was ist deine Lieblingsbar in BS?
Die Haifischbar.

Lieblingsrestaurant?
Das ANDERS im Magniviertel! Super lecker! Super nette Bedienung, und im Sommer kann man wunderbar draußen sitzen und das Treiben in der Gasse beobachten.

Welche deine Lieblingsbühne?
Wintertheater. Das ist einfach wie ein zweites Zu Hause.
Ich habe die besten Kollegen und wir haben das beste Publikum!
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Was vermisst du seit Beginn der Corona-Einschränkungen am meisten?
Einfach mal rauszukommen. Ich war sonst, durch die vielen Vorsprechen die man so abzuklappern hat, regelmäßig in anderen Städten unterwegs und habe das oft damit verbunden, Freunde zu besuchen. Deshalb vermisse ich jetzt selbst die sonst so verhassten Castings. Das hätte ich nie gedacht, weil das meistens sehr nervenaufreibend ist.

Und was speziell jetzt während des zweiten Lockdowns?
Auch hier lautet die Antwort: das Wintertheater.

Corona killed the Wintertheater. Wie hast du dich gefühlt, als die Absage kam?
Stell dir vor du wärst ein Kind, hättest auf Anweisung deiner Eltern ein halbes Jahr lang brav dein Zimmer aufgeräumt, den Müll runtergebracht, wärst jeden Abend anstandslos um 20 Uhr ins Bett gegangen und hättest dann einen Monat Stubenarrest bekommen. So hat sich das angefühlt.
Wie erklärst du dir, dass die Kunst- und Kulturszene so wenig Unterstützung bekommt? Ist Kultur unwichtig oder ersetzbar?
Kultur ist besonders in diesen Zeiten absolut unersetzbar und wichtig. Ich behaupte, es gibt nicht einen Menschen auf dieser Welt, der in dieser Zeit nicht das Schaffen der Kulturszene beansprucht. Wir hören Musik, lenken uns mit Filmen ab oder lesen. Wenn wir das alles jetzt nicht hätten, wären wir schon längst zu Hause versauert und uns gegenseitig an die Gurgel gegangen.
Ich glaube, wir Kulturschaffenden waren zu lange zu still. Das liegt wohl daran, dass wir es gewohnt sind, mit Durststrecken umzugehen und mal für gewisse Zeit mit weniger Arbeit klarzukommen. Aber jetzt muss der Kulturbranche endlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt und geholfen werden, damit wir besonders nach der Pandemie noch Theaterstücke und Konzerte besuchen können. Damit wir Lieder haben zu denen wir tanzen können und Clubs sowie Lokale, in denen wir dann anstoßen können, dass der ganze Scheiß vorbei ist!

Was wünschst du dir für die Zeit nach Corona?
Die fetteste Party, die die Menschheit je gesehen hat!
Und, dass wir alles Positive, was die Pandemie vielleicht auch mit sich gebracht hat, nicht gleich wieder über den Haufen werfen, und in alte Muster verfallen.
Lasst uns weiterhin so rücksichtsvoll bleiben, den ein oder anderen Homeoffice-Tag behalten (Stichpunkt Klima) und die Helden des Alltags wertschätzen.

Interview Benyamin Bahri, Louisa Ferch
Fotos Tina Kercher

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