Kennt ihr eigentlich schon...

… Schriftsteller und Gastronom Luc Degla?
NW luc degla c C Bowig art
Dass er sich am Ende als Schriftsteller und Gastronom niederlässt, hätte Luc Degla sich während seines Maschinenbaustudiums sicher noch nicht träumen lassen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam der gebürtige Beniner von der Sowjet-Uni in Moskau für den Abschluss nach Deutschland an die Braunschweiger TU. Trotz Diplom besonn sich der Wirtschaftsingenieur aber auf seine zweite Leidenschaft: Menschen in der Kunst- und Kulturszene zusammenzubringen. Schon an der Uni hat er den Afrikanischen Studentenverein geleitet und in der einstigen Dibbesdorfer Kult-Disco Burundi Black gejobbt – sein Einstieg ins Gastgewerbe. Heute führt der 52-Jährige in den Räumen des einstigen Burundi das Sowjethaus, eine Mischung aus Kneipe, Restaurant und flexibler Begegnungsstätte. Zu Essen gibt es deutsche Klassiker wie Schweinemedaillon, aber auch senegalesisches Yassah Poulet, Zitronenhuhn. Auch etliche Bücher hat Luc Degla geschrieben. Kurzgeschichten, Erzählungen und Berichte auf Deutsch und Französisch, die den afrikanischen Blick auf Deutschland widerspiegeln: Kein Schimpfen oder Jammern, eher ein ironisch-amüsierter Blick aus der Distanz mit jeder Menge Braunschweigverbundenheit. „Ich will kein Opfer sein“, sagte Luc über sein literarisches Werk mal in einem TAZ-Interview. Zuletzt erschien „Die Zugvögel“ beim Mohito Verlag. Ab November sind wieder Lesungen geplant.
Luc, warum ist es dir so wichtig, Menschen zueinander zu bringen?
Weil ich von der guten Laune der Menschen lebe. Die gute Laune haben sie, wenn sie zusammenkommen.

Eine Anekdote aus dem Burundi bitte…
Ein Mann lernt am Freitag eine junge Dame kennen. Sie ist verliebt und ruft ihre Stiefmutter an und berichtet von der Begegnung. Die Stiefmutter kommt am Samstag mit, weil die Stieftochter ihn vorstellen möchte: Randale! Der Mann hat eine Affäre mit der Stiefmutter.

Was hat dich deine Zeit in der Sowjetunion über gesellschaftliches Miteinander gelehrt?
Wir haben dort außerhalb der Gesellschaft gelebt. Aber ich habe den „Menschen“ kennengelernt, denn alle Studenten wohnten dicht zusammen.

Was betrachtest du als Kulturschaffender und Veranstalter als deine Hauptaufgabe?
Ich weiß nicht, ob ich eine Aufgabe habe. Ehrlich gesagt, ich funktioniere nur.

Was motiviert dich in deiner Arbeit?
Ich bin mit dem Bild, das man aus den Medien über Ausländer beziehungsweise Afrikaner kennt, nicht einverstanden. Deswegen tue ich meine Sichtweise kund.
Wie bist du in Deutschland mit Ablehnung und Vorurteilen umgegangen?
Wenn man dem Phänomen als entspannt gegenüber steht, lebt es sich leichter. Ich verhalte mich nach dem Prinzip „nicht alle Menschen müssen mich mögen“. Traurig finde ich, wenn Gewalt ins Spiel kommt. Aber so ist das Leben eben. Mit Vorurteilen und Ablehnung hat man überall auf der Welt zu tun.

Was kann man als „Ausländer“ gegen Fremdenfeindlichkeit tun?
Sich gegenseitig ein wenig unterstützen. Beispiel: Wenn jemand einen Job sucht, wäre es wünschenswert, ihm bei der Orientierung zu helfen, damit er während der Suche weniger Ablehnung erfährt. „Geh mal in die Firma XY, dort arbeiten viele Ausländer.“

Und was hat dich mal aus der Ruhe gebracht?
Da fällt mir eigentlich nichts ein. Verglichen mit der Zeit in der Sowjetunion ist Deutschland für mich ein Kindergarten. Deutschland ist viel subtiler. Mein rotes Tuch in Deutschland war die „Vorangsprüfung“ bei der Agentur für Arbeit, wenn ein „Drittausländer“ eine Arbeit suchte. Ich glaube, das haben sie mittlerweile aber abgeschafft.

Dein Blick als Afrikaner auf die Braunschweiger… Was ist gut, was schlecht?
Postitiv ist die Ruhe. Keine laute Musik auf der Straße. Negativ finde ich, dass die Stadt vom Automobil lebt. Aber im Alltag habe ich das Gefühl, dass den Autofahrern das Leben schwer gemacht werden soll. Parkplätze verschwinden, Straßen werden verkleinert, und so weiter…
Wie hat es sich angefühlt, als du nach dem Diplom das Land verlassen solltest?
Als ausländischer Absolvent rückte meine Frist, das Land verlassen zu müssen, näher. Ich fühlte mich schlecht, weil ich damals davon träumte, vom Schreiben zu leben. Ich schreibe in der deutschen Sprache. Daher wollte ich gerne in diesem Raum bleiben. Nach einem langen Kampf hat es geklappt.

Wann kommt dein nächstes Buch?
Mittlerweile bin ich zu 95% Gastronom geworden, deshalb veröffentliche ich eher wenig.

Welches Buch möchtest du noch schreiben?
Ich würde gerne einen Roman schreiben, weil ich ein Zeuge bin. Ich finde das Leben als Ausländer in Deutschland teilweise falsch dargestellt. Die Flüchtlinge zum Beispiel leben in einer parallelen Welt.

Steckt in deinen Figuren immer auch ein kleines Stück von dir selbst?
Meine Erlebnisse tauchen immer auf. Also ich bin mit einem Fuß drinnen, mit einem draußen. Fiktion.

Was willst du deinen Lesern mitgeben?
Dass sie über den Tellerrand sehen. Es passt zum Beispiel nicht zusammen, wenn man gegen die Sklaverei demonstriert und dabei ein 5-Euro-T-Shirt trägt.

Welche Sache deines bisherigen Lebens würdest du gern anders machen?
Um ehrlich zu sein, gar nichts. Ich habe bloß viel zu spät erkannt, dass die Menschen belogen werden wollen.

NW luc degla c Klaus G Kohn art


In welcher Zeit würdest du gern leben?
Jetzt. Es ist ein Zufall, geboren zu sein.

Dein Vorschlag für den Weltfrieden…?
Die Menschen sollen vernünftig werden. Doch das ist leider eine Utopie.

Interview Benyamin Bahri
Fotos C. Böwig, Klaus G. Kohn

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